Zeitreise in die 90er

Von Rock bis Folk: Die „Kelly Family“ glänzt mit üppiger Bühnenshow

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Die „Kelly Family“ kann es noch: Die singende Großfamilie aus Irland (hier Patricia und John) begeistert immer noch das Publikum.

Bremen - Richtig rockig geht sie los, die Reise in die Zeit, als kreischende Teenies nach Einlass losrannten, um sich die besten Plätze beim Konzert der „Kelly Family“ zu sichern. 25 Jahre ist es her, dass die singende Großfamilie ihr Erfolgsalbum „Over the Hump“ herausbrachte und den ganz großen Durchbruch schaffte. Am Donnerstagabend waren die „Kellys“ in der Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena) zu Gast. Und begeisterten knapp 7000 Zuschauer, treue alte Anhänger und neue Fans. Und das, obwohl die Familienmitglieder dem Publikum gleich zu Beginn eine schlechte Nachricht überbrachten.

Hysterisch geht es auf Konzerten der „Kelly Family“ schon lange nicht mehr zu. Das Publikum ist älter, ruhiger geworden. Und deutlich männlicher, das fällt auf in der Halle, die bis auf wenige Plätze mit Fans von drei bis 80 Jahren gefüllt ist. In schwarzem Glitzeranzug mit Schlaghose und offenen Haaren eröffnet Joey Kelly mit „Why why why“ druckvoll den zweistündigen Konzertabend. Danach wird es dank der folgenden Balladen ruhiger auf der Bühne, die sich durch die Stehplätze ihren Weg nach vorne bahnt. So sind auch Fans im hinteren Bereich ihren Stars nahe.

Zurück zur schlechten Nachricht: Dass die Fans in der aktuellen Besetzung auf die beiden erfolgreichen Solokünstler Paddy und Maite sowie auf Barby verzichten müssen, ist bekannt. An diesem Abend aber ebenfalls nicht dabei: Kathy Kelly, die mit Fieber das Bett hütet: „Ich will versuchen, ihre Lieder zu übernehmen“ gibt sich Patricia, obwohl selbst stimmlich leicht angeschlagen, tapfer. Dass ihre Schwester fehlt, mag die übrigen Bandmitglieder zum Improvisieren zwingen, hinterlässt aber keine merkliche Lücke in der Show. Bei „Father’s Nose“ etwa liest Patricia denn auch einen Teil des Textes ab. Das stört aber nicht, und bei ihrem Song „First time“ leuchten in der Halle bis auf die obersten Ränge unzählige Taschenlampen.

„25 Years: Over the Hump“ – wie das Erfolgsalbum von einst heißt die aktuelle Tour. Und so spielen Patricia, Angelo, Joey, Jimmy, John und Halbbruder Paul, die erst vor zwei Jahren gemeinsam ins Showbusiness zurückgekehrt sind, begleitet von einer sechsköpfigen Band im ersten Teil der Show die komplette Platte in der Original-Tracklist – von Rock bis Folk. Besonders gefühlvoll wird es, als Jimmy mit Gitarre und Mundharmonika „Cover the Road“ zum Besten gibt: Auf der Leinwand zu sehen sind Bilder aus den Fotoalben der Fans von geliebten Menschen, die sie in den vergangenen 25 Jahren verloren haben.

Rote Blätter rieseln beim von John gesungenen „Roses of red“ von der Hallendecke. Und bei „The Wolf“ rockt der auch als Extremsportler bekannte Joey – mit rotem Gesicht und deutlich fülliger geworden – erneut die Bühne.

Groß aufgefahren wird in Sachen Bühnenshow: Mehrere Leinwände, die Fotos und Videos von Fans und Auftritten der 90er Jahre zeigen, Feuereffekte und jede Menge buntes Konfetti: Zu Angelos „Over the Hump“ flattern nach einem lauten Knall silberne Schnipsel auf das Publikum. Viele weitere Farben und Formen rieseln im Verlauf des Abends herab.

Über Sonderapplaus darf sich Halbbruder Paul freuen, der kauzig wirkende Halbbruder der Kellys, ein optisches Ebenbild des verstorbenen Kelly-Vaters Dan. In Schottenrock und mit roten Kniestrümpfen singt und tanzt er zum irischen „Star of the county down“. Wie früher darf auch beim Bremer Auftritt nicht fehlen: Angelos Drum-Solo, mit stürmischem Applaus bedacht. Drei Zugaben, darunter das gemeinsam gesungene „Fell in Love with an Alien“, beschließen den Abend, der eines ganz sicher zeigt: Auch nach 40 Jahren Bandgeschichte – die „Kellys“, sie können’s noch.

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