Mit 16 Teams in Bremen

Quidditch-Qualifikationsturnier: Ritt auf dem Besen

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Quidditch vereint Elemente aus Handball, Völkerball und Rugby – nur wird das Spiel mit einem Besen zwischen den Beinen gespielt.

Bremen - Von Janet Binder. Quidditch wird in Deutschland immer populärer. Vor allem Studenten entdecken die skurrile Sportart für sich, die auf den Harry-Potter-Romanen basiert. In Bremen findet am Wochenende (4. und 5. November) ein wichtiges Turnier für die besten deutschen Teams statt. Es geht um die Qualifikation für den Europapokal, der im April 2018 im oberbayerischen Pfaffenhofen stattfindet.

Was der Zuschauer auf dem Rasen des ATS Buntentor sieht, ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten: Quidditch – bekannt aus den Harry-Potter-Romanen der britischen Autorin Joanne Rowling. Bundesweit sind 800 weibliche und männliche Spieler in 40 Mannschaften registriert. „Anfang 2016 lagen wir noch bei 15 Teams“, sagt Juliane Schillinger vom Deutschen Quidditchbund, der 2015 gegründet wurde. Europaweit gibt es bis zu 300 Mannschaften – Tendenz: steigend.

In der Zauberwelt von Harry Potter spielen die Hogwarts-Schüler Quidditch in der Luft, auf einem fliegenden Besen. In der realen Welt muss zwangsläufig auf zwei Beinen gerannt werden. Auf den Besen wird dennoch nicht verzichtet – aus Sicherheitsgründen hat er aber keine Borsten. „Zugegeben, von außen betrachtet sieht das mit dem Besen affig aus“, sagt Trainer Jonas Becker. „Aber er hat eine spielerische Bedeutung.“ Denn wenn der Stab nicht wäre, würden die Spieler den Quaffel genannten Ball, mit dem die Tore geschossen werden, mit beiden Händen festhalten. „Dann wäre es schwieriger für die Gegner, den Ball abzunehmen“, sagt der 23-Jährige.

Sehr schnelles Spiel

Und schwieriger soll es nicht sein, denn das Spiel ist nicht nur hart, sondern auch sehr schnell: Quidditch ist eine Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby. Spieler werden ständig mit den Klatscher genannten Bällen abgeworfen, mit vollem Körpereinsatz gestoppt und zu Boden gebracht. „Das Spiel sieht für Außenstehende erst verwirrend aus“, sagt Becker. Vier Bälle sind im Einsatz, dazu kommt nach etwa 17 Minuten der „Schnatz“; ein in eine Socke gesteckter Tennisball, am hinteren Hosenbund eines neutralen Spielers festgeklemmt.

Wenn der Schnatz von einem „Seeker“ abgerissen wird, ist das Spiel beendet. Qudditch ist „eine sehr anstrengende Sportart“. Und die „International Quidditch Association“ hat ein Regelwerk mit 200 Seiten herausgegeben. Und wenn Becker, der vor kurzem seinen Bachelor in Bionik gemacht hat, gefragt wird, ob seine Spieler beim Quidditch auch fliegen, antwortet er: „Wenn man richtig sprintet, 50 Prozent der Zeit.“ Die Spieler werden deshalb alle paar Minuten ausgetauscht. So wie gerade Joschi Wildenhain. Seit März ist der 25-Jährige im Bremer Team. Etwas außer Atem räumt er am Spielfeldrand mit einem Klischee auf: „Wir sind gar nicht alle Harry-Potter-Fans. Manche haben die Bücher noch nicht einmal gelesen.“ Das Spiel werde wegen seines Körperkontakts und des guten Sportgeistes geliebt.

„Man kann im Spiel vollen Körpereinsatz zeigen, aber danach ist man sofort wieder freundlich und beglückwünscht einander.“ Gespielt wird immer in gemischt geschlechtlichen Teams. Mitmachen könne jeder, egal wie sportlich er oder sie ist. „Es gibt keinen Leistungsdruck“, sagt Wildenhain. Die meisten Spieler sind Studenten, die Älteste im Team ist 29.

Das Turnier

Das Quidditch-Turnier auf der Sportanlage des ATS Buntentor (Stadtwerder) beginnt am Sonnabend, 4. November, um 9 Uhr. 16 Teams sind dabei. Zu den Favoriten zählen der amtierende Deutsche Meister, die „Three River Dragons Passau“, sowie der Sieger der Deutschen Quidditch-Liga, „Rheinos Bonn“. 

Die Gruppenspiele enden am Sonnabend um 18 Uhr. Am Sonntag, 5. November, geht es ab 8.30 Uhr weiter. Das Finale ist für 16 Uhr geplant.

www.deutscherquidditchbund.de

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