Das Haus der Bürgerschaft bekommt für 300 000 Euro einen neuen Teppichboden

Den richtigen Ton treffen

Der Plenarsaal mit seinem roten Teppich wird zum Zwischenlager. ·
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Der Plenarsaal mit seinem roten Teppich wird zum Zwischenlager. ·

Bremen - Von Thomas KuzajAlles muss raus! Es lässt sich nämlich nicht länger unter den Teppich kehren – der Teppich im Haus der Bürgerschaft geht gar nicht mehr. Also kommt in der Sommerpause ein neuer hinein. Gestern begannen die Arbeiten.

So lässt sich kein Staat machen: Teppichflecken im Parlament.

Alter Teppich raus, neuer Teppich rein? So einfach ist das nicht. Seit 1992 nämlich steht das Parlamentsgebäude, von 1962 bis 1966 nach Plänen des Berliner Architekten Wassili Luckhardt (1889 bis 1972) erbaut, unter Denkmalschutz. Und dieser Schutz bezieht sich nicht allein auf das Äußere, sondern auch auf das Innere des Bauwerks. Was das bedeutet, fasst ein Bürgerschaftssprecher so zusammen: „Bei Renovierungsarbeiten muss immer eine Abstimmung zwischen der Wandfarbe, den eingebrachten Edelstahl-Aluminium-Farben, den Bezugsstoffen des Mobiliars und der Farbe des Teppichbodens erfolgen.“

Die Arbeiten haben begonnen.

Grau. Das ist die Farbe des Stoffs, den die Bremer (und Bremerhavener) Volksvertreter absichtsvoll mit Füßen treten. Und sie muss so bleiben, die Farbe. Es galt also, bei der Auswahl des neuen Teppichs den Ton ganz genau zu treffen – in harmonischer Abstimmung mit Professor Georg Skalecki, dem Landesdenkmalpfleger. Denn es sollen in dem Haus, in dem zuweilen schrille Töne zu hören sind, auf keinen Fall schrille Töne zu sehen sein. Wer gestern durch die schon leergeräumten Räume des Parlamentsgebäudes ging, hatte vielleicht noch den Nachhall der einen oder anderen Debatte im Ohr, konnte aber vor allen Dingen etwas sehen. In diesem Haus wird offenbar sehr viel gekleckert. Und das bei diesem hellen und damit empfindlichen Grauton. Also: Flecken auf allen Etagen.

Sie lockern das Grau zwar auf, das allerdings nicht auf eine Weise, die mit den Anforderungen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen wäre. Grauenvoll – und nicht mehr nur grau – wirkt das Ergebnis.

Also wird bis zum 22. August der komplette Teppichboden ausgetauscht – in Festsaal, Mittelhalle und Büros. Ergibt insgesamt etwa 3 000 Quadratmeter graue Fläche. Die Kosten von 300 000 Euro trägt Immobilien Bremen, als Anstalt des öffentlichen Rechts zuständig für die meisten öffentlich genutzten Grundstücke und Gebäude der Freien Hansestadt Bremen.

Der Teppichboden im Haus der Bürgerschaft war zuletzt anno 1997 ausgewechselt worden, im vorigen Jahrtausend also. „Mittlerweile ist er brüchig geworden und eine Reinigung fast nicht mehr möglich“, so der Sprecher.

Nachdem Gebäudereiniger-Azubis jüngst den weißen Marmorboden in der Eingangshalle (300 Quadratmeter) grundreinigten, können sich die Abgeordneten nach dem Teppich-Tausch also auf einen ganz neuen Auftritt freuen.

Zudem werden Sitzungsräume, Festsaal und Mittelhalle mit induktiven Höranlagen ausgestattet. „Sie ermöglichen es Hörgeschädigten, mit ihren Hörgeräten barrierefrei an Sitzungen teil zunehmen“, so der Sprecher. Die Kosten hierfür – 90 000 Euro – trägt die Bürgerschaft.

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