Prozess um Raubüberfall

Richterin: „Erdrückende Beweislast“

Das Landgericht hat den 28 Jahre alten Angeklagten (rechts) am Donnerstag wegen Raubes zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Links sein Verteidiger Axel Rotter. - Foto: Koller
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Das Landgericht hat den 28 Jahre alten Angeklagten (rechts) am Donnerstag wegen Raubes zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Links sein Verteidiger Axel Rotter.

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Donnerstag einen 28-Jährigen wegen schwerer räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung, Computerbetrugs und Diebstahls zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte bestreitet die Tat. Die Kammer um die Vorsitzende Richterin Stefanie Wulff folgte mit dem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf dieses Strafmaß plädiert hatte.

Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, einen 70-jährigen Rentner in dessen Wohnung überfallen, gefesselt und um mehr als 2 000 Euro bestohlen zu haben. Nach Auffassung des Gerichts soll der junge Mann am 20. Dezember 2016 in die Bremer Wohnung des Rentners eingebrochen sein und dort auf den 70-Jährigen gewartet haben. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte den Rentner um Geld bat, als dieser um 22.30 Uhr nach Hause kam. 

Der Senior weigerte sich und rief um Hilfe, so das Gericht. „Obwohl der Geschädigte bettelte, aufgrund seiner Asthmaerkrankung nicht geknebelt zu werden“, habe der 28-Jährige den Mann mit Paketklebeband und einem Antennenkabel ans Bett gefesselt und ihm einen Socken in den Mund gesteckt. 

Dann, so die Überzeugung des Gerichts, fuhr er zu einem Geldautomaten und hob mit der EC-Karte 2000 Euro vom Konto des Seniors ab. Die PIN-Nummer hatte er zuvor erpresst, so das Gericht. Wieder in der Wohnung, habe er die Fesseln gelöst, 60 Euro aus der Geldbörse des 70-Jährigen gestohlen und sei mit einem Taxi nach Hause gefahren.

Angeklagter bestreitet Tat

Der Angeklagte bestritt die Tat während der Verhandlung. Doch die Beweisaufnahme sei „erdrückend, wirklich erdrückend“, sagte Richterin Wulff bei der Urteilsbegründung. Neben der „konstanten und glaubhaften“ Aussage des Opfers sprachen weitere Aspekte für die Schuld des 28-Jährigen, so Wulff.

So würden die Aufnahmen der Videokameras aus der Bank zwar einen maskierten Mann zeigen, doch die zu sehenden Augenpartien seien „sehr markant“ und passten zum Angeklagten. Daneben habe der 28-Jährige die zur Maskierung verwendeten Sachen in der Wohnung des Opfers vergessen – daran fand sich seine DNA, sagte die Richterin.

Verteidiger Axel Rotter hatte Freispruch gefordert und insbesondere moniert, dass der 70-Jährige „im Nachhinein entscheidende Aspekte“ der Tat hinzugefügt hätte. Diese Auffassung teilte das Gericht nicht. Es sei „absurd“, dass sich das Opfer die Geschichte ausgedacht habe, sagte Wulff. 

Und auch drei vermeintliche Alibizeugen, die fünf Monate nach dem Überfall bestätigen sollten, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt mit ihnen unterwegs war, stimmten das Gericht nicht um. Im Gegenteil: Die drei Männer hätten „Mist“ erzählt, ihre Aussagen seien „eine Zumutung“ gewesen, stellte Wulff klar – und deutete rechtliche Schritte gegen die Zeugen wegen Falschaussage an.

Abschließend sagte Wulff, der Angeklagte brauche sich nicht über das Strafmaß zu beklagen, letztlich seien sein Vorgehen „rücksichtslos“ und sein Verhalten „schuftig“ gewesen. Der vorbestrafte Mann habe sein Opfer wegen dessen Erkrankung „in Todesangst“ versetzt.

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