Acht Jahre Haft

Richter: „Sie wollten töten“

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Der 54-jährige Angeklagte (Mitte) wurde unter anderem wegen versuchten Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt. Sein Verteidiger Alexander Ukat (l.), hatte auf gefährliche Körperverletzung plädiert und forderte maximal vier Jahre Gefängnis. Rechts im Bild: ein Dolmetscher.

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Dienstag einen 54-Jährigen unter anderem wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Helmut Kellermann sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Juli 2016 mehrfach auf den Ex-Mann seiner Lebensgefährtin geschossen hatte und ihn dabei lebensgefährlich verletzte. Bei der Auseinandersetzung in einem Mehrfamilienhaus wurde auch eine junge Frau getroffen – ein Projektil durchbohrte beide Oberschenkel des Opfers.

Verteidigung forderte vier Jahre für gefährliche Körperverletzung

Damit blieb das Gericht nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vergangene Woche acht Jahre und vier Monate Haft gefordert hatte. Einen versuchten Mord – so die Einschätzung der Nebenklage – sah das Gericht als nicht erwiesen an. Zwar habe der Mann am 21.  Juli vergangenen Jahres im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses an der Hans-Böckler-Straße „absichtlich töten wollen, sonst nichts“, doch das Mordmerkmal der Heimtücke sei nicht ersichtlich gewesen, so Kellermann. Der Verteidiger des Angeklagten, Alexander Ukat, hatte auf gefährliche Körperverletzung plädiert und eine Gefängnisstrafe von maximal vier Jahren gefordert.

Nach Einschätzung der Kammer ging den Schüssen aus einer Neun-Millimeter-Pistole ein lange andauernder Familienstreit voraus. So hatte sich die Ex-Frau des späteren Opfers vor mehr als zehn Jahren in den Angeklagten verliebt. Sie zogen nach Bremen, doch 2016 starb die Frau. Ein Wendepunkt im Leben des 54-Jährigen, der laut eigener Aussage in Depressionen verfiel und zeitweise in einer Tagesklinik behandelt wurde. Am Tattag, so rekonstruierte es das Gericht, wollte die Tochter seiner verstorbenen Lebensgefährtin Sachen aus der Wohnung des Mannes holen und brachte dafür neben ihrem Vater weitere sechs Helfer mit. Zu viel für den 54-Jährigen, der sich bedroht gefühlt habe und nach einer kurzen Rangelei „aus Panik“ mehrfach auf den 43 Jahre alten Mann schoss. Ein Schuss sei „verheerend“ gewesen, sagte Kellermann. Er verletzte unter anderem die Gallenblase, die Leber und die Bauchspeicheldrüse.

Verletzungsfolgen der Opfer füllen anderthalb DIN-A4-Seiten

Heute, acht Operationen später, wiege der damals rund 100 Kilo schwere Mann nur noch 60 Kilo. Mehrere Monate habe „akute Lebensgefahr bestanden“, hieß es. Ein Querschläger traf zudem eine völlig unbeteiligte Frau, die Patrone durchschlug beide Oberschenkel. Bis heute könne sie „keine 20, 30 Meter am Stück laufen“, berichtete ihr Anwalt. Allein anderthalb DIN-A4-Seiten würden die Verletzungsfolgen der beiden Opfer füllen, sagte Kellermann: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Neben versuchten Totschlags wurde der Mann auch wegen gefährlicher Körperverletzung, fahrlässiger Körperverletzung, unerlaubten Führens von Schusswaffen und des Besitzes von Munition verurteilt. Er muss zudem 30  000 Euro Schmerzensgeld ans Opfer zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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