Neuer Band mit Aufsätzen und Dokumenten zur Bremer Räterepublik

Die Revolution bleibt ein Thema

Rote Fahne am Rathaus – jetzt herrschten die Arbeiter und Soldaten.

Bremen - Von Thomas Kuzaj Zugegeben – der Jahrestag liegt schon ein wenig zurück. Gleichwohl wird jetzt noch einmal an den 90. Geburtstag der Bremer Räterepublik erinnert – mit einem Buch, das die Edition Temmen gestern präsentierte.

Dessen Herausgeber ist einer, von dem man beinahe annehmen mag, dass er selbst dabeigewesen ist – so sehr hat er sich über Jahrzehnte mit dem Thema beschäftigt. Der Herausgeber heißt Peter Kuckuk.

„Über Revolution und Räterepublik in Bremen habe ich meine Examensarbeit geschrieben“, sagt er. Im Jahr 1970 gab er dann sein erstes Buch zum Thema heraus. Es erschien in der Edition Suhrkamp. Der grüne 176-Seiten-Band für vier Mark zählte, wie viele der bunten Suhrkamp-Bände, zur Standardlektüre der 68er. Er dürfte die Diskussionsrunden mancher Wohngemeinschaft ungemein bereichert haben.

Worauf gründet sich die jahrzehntelange Faszination? Wieso interessieren sich viele Menschen nach wie vor für jene paar Wochen, in denen Arbeiter und Soldaten in Bremen regierten? Dass es dieses andauernde Interesse gibt, bewies eine Vortragsreihe zum 90. Jahrestag der Ereignisse von 1918/19. Es gab dreistellige Besucherzahlen. Auf dieser Vortragsreihe basiert nun der neue Kuckuk-Band. „Die Vorträge wurden überarbeitet und ergänzt durch viele Dokumente“, sagt Christoph Schottes von der Edition Temmen.

Das große Interesse am Thema erklärt er sich so: „Es gab ja nicht viele Städte, in denen die exekutive Gewalt tatsächlich auf Arbeiter- und Soldatenräte übergegangen ist.“ Und: „Viele historisch denkende Menschen finden eine Phase spannend, in der eine Alternative aufgeschienen ist.“ Eine Alternative zur parlamentarischen Demokratie im Kapitalismus, soll das heißen – ein Aspekt, der in Wirtschaftskrisenzeiten womöglich auch eine Rolle spielen mag. Herausgeber Kuckuk selbst spricht vom „Verlust sozialer Utopien“ seit „dem Untergang des sozialistischen Lagers“.

Der neue Band beschreibt die Verhältnisse in Bremen (und Bremerhaven) vor und während der revolutionären Wochen von 1918/19. Eine zeitgenössische Zeitungsreportage ist ein besonders interessantes Fundstück. Der Bremer Kommunistenführer Johann Knief wird ausführlich porträtiert, ebenso dessen „Kampf- und Lebensgefährtin“ Lotte Kornfeld.

· „Die Revolution 1918/19 in Bremen“ erschien als Band 27 der Beiträge zur Sozialgeschichte. Edition Temmen, 230 Seiten, 12,90 Euro.

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