Professor Rainer Stollmann referiert bei „Wissen um 11“ übers Lachen / Eulenspiegel und Loriot

Der Reiz des physischen Kitzelns

Bremen - Von Ilka LangkowskiBREMEN · „Jedem Lachen ist ein Kitzeln vorausgegangen“, behauptet Professor Rainer Stollmann im Haus der Wissenschaft. Das Thema bei „Wissen um 11“ lautet „Warum wir lachen“ und die Beispiele des Kulturwissenschaftlers reichen von den griechischen Göttern über Loriot bis zu Harald Schmidt.

So kitzle beispielsweise die Mutter ihr Kind unterm Fuß und Fernseh-Komiker Harald Schmidt sein Publikum an sensiblen Punkten aus Politik und Gesellschaft, sagt Stollmann. Die aufgebaute Spannung entlade sich in einem befreienden Lachen. Und dabei sei Lachen atemtechnisch das genaue Gegenteil vom Weinen, sagt der Referent und demonstriert zur Freude des Publikums – erst das Weinen, also lang ausheulen und schluchzend abgehackt einatmen, und anschließend das Lachen, stoßweise mit „Ha, ha, ha“ ausatmen und dann lang und tief Luft einsaugen.

Den Reiz des physischen Kitzelns werde durch eine zu erwartende Mischung aus Aggression und Liebe verursacht, so Stollmanns Hypothese. „Ich habe mal ein Kind gefragt, ob ich es kitzeln soll und es sagte: ‚Ja! … Nein!’“, erzählt der Professor. Diese spontane Äußerung macht den Wissenschaftler auf den Widerspruch aufmerksam. Denn jemand erfolgreich zu kitzeln, erfordere immer auch einen sanft dosierten Zwang.

Der Ausspruch, dass Lachen gesund sei, treibt zwar den einen oder anderen in so genannte „Lachkurse“, der Bremer Professor weiß jedoch, dass dieser Satz aus einer Gegenbewegung der Aufklärung zu christlich-mittelalterlichen Vorstellungen entstanden ist. Vor der Neuzeit waren lustvolle Aktivitäten wie Lachen oder Sexualität verpönt. Selbst Jesus habe im Neuen Testament nicht gelacht, ganz im Gegensatz allerdings zu den griechischen Göttern – Zeus’ lautes Lachen soll man den Sagen zufolge noch auf der Erde gehört haben. Lachen könne neben dem physischen Kitzeln auch durch ein „Kitzeln“ geistiger und emotionaler Schichten hervorgerufen werden.

Das Auditorium erfährt, dass dieser kitzelige Punkt sich nicht nur über die menschliche Entwicklungsgeschichte gewandelt habe, sondern dass er auch davon abhänge, welche Nationalität wir haben, wie alt wir sind oder ob wir auf dem Land oder in der Stadt lebten. Danach entschieden sich auch die Sympathien für bestimmte Komiker. Während bei Monthy Python oft groteske Szenen vorkommmen, werde bei Loriot auch in der Badewanne mit einem Fremden noch extremste Höflichkeit gepflegt. Die Erklärung leitet der Refrent aus einem geschichtlichen Diskurs zu Heinz Erhardt und Till Eulenspiegel her.

Wegen des großen Interesses gibt Stollmann noch einige Zugaben seines Wissens rund um ein spannendes Thema. Die abschließenden Literaturtipps umfassen auch sein in Kürze erscheinendes Buch „Angst ist ein gutes Mittel gegen Verstopfung“ über die Geschichte des Lachens.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“

Weihnachtsmarkt Bremen: „Bei 2G plus können wir dicht machen“
Kreuzfahrtschiff mit Corona-Kranken in Bremerhaven eingetroffen

Kreuzfahrtschiff mit Corona-Kranken in Bremerhaven eingetroffen

Kreuzfahrtschiff mit Corona-Kranken in Bremerhaven eingetroffen
Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos

Polizei Bremen schließt Bars und Discos
Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Bremen wechselt in den Lockdown für Ungeimpfte

Kommentare