„Mein Kunst-Stück“ mit Kai-Uwe Klink: „Die Suche nach der Mitte“

Der Reiz der Gegenpole

Kai-Uwe Klink ist auf der Suche nach der Mitte. An dem Motiv des Marktplatzes nach einem Regenschauer reizen ihn die direkte Nachbarschaft von Kirche auf der einen Seite und der weltlichen Macht, dem Parlament, auf der anderen Seite. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Die Suche nach der Mitte“ heißt Kai-Uwe Klinks Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zeigt Bremens Marktplatz nach einem Augustregen am Abend. Dom und Parlament sind erleuchtet.

„Gegenpole reizen mich“, sagt Kai-Uwe Klink. Das Motiv zu „Die Suche nach der Mitte“ bot sich ihm auf Bremens Marktplatz, nach einem Regenguss und kurz vor der Dunkelheit. Klink machte ein Foto. „Wie der nasse Marktplatz die Lichter widerspiegelte – das war wunderschön“, sagt der Künstler. Dann fielen ihm die nebeneinanderstehenden Kräfte auf, die Kirche auf der einen Seite und die – weltliche – Legislative auf der anderen Seite. Das fand Klink spannend. Auch weil das Parlament oft unter Beschuss steht. Manch ein prominenter Besucher forderte gar dessen Abriss, erzählt der Künstler.

„Es ist eine einzigartige Situation in Bremen“, meint Klink. Das beträfe sowohl die symbolische Vertretung der Mächte durch die Bauwerke als auch die geschichtliche Entwicklung der Hansestadt. Hier habe die erfolgreiche Kaufmannschaft Bildung errungen und einen ernsthaften Gegenpol zur geistlichen Herrschaft geschaffen.

Klinks Schaffensprozess begleiteten viele Fragen: Was muss ins Bild, was lasse ich weg und wann höre ich auf? Müssen die Fensterrosetten ausgearbeitet werden? Sind Strukturen innerhalb der erleuchteten Parlamentsfenster wichtig? Im Gegensatz zu spontanen Bildern malte Klink an dem ausgewählten Werk im Rahmen eines Kurses. Das heißt einmal jede Woche für zwei Stunden. So blieb viel Zeit, um zwischen den Arbeitsgängen zu reflektieren. Perspektive und Licht erwiesen sich als die größte Herausforderung. Insbesondere durch Klinks Rotgrünschwäche. Sie erlaubt es ihm zwar, Farbtöne zu sehen, diese weichen aber durchaus von der Wahrnehmung anderer Menschen ab.

Zur Kunst fand Klink nach einer Herzoperation, beruflichem Stress und einem seelischen Tief. In einer Reha-Klinik nutzte der Bankkaufmann das Angebot der Kunsttherapie. Ein Jahr später begann er sich intensiv mit der Malerei zu beschäftigen. Er mietete ein Atelier und setzte sich Zielvorgaben. „Entweder ich scheitere an mir selbst oder ich gehe gut mit mir um“, sagt er sich. Meist malt Klink tagsüber. Wenn er „im Fluss“ ist, dann auch „open end“. Zu den Herausforderungen gehöre es, ein gesundes Mittelmaß zu finden, meint Klink. So führe das Malen zur eigenen Zufriedenheit. Im Kunstschaffen stecke ein Stück psychologische Selbsterkenntnis, aber auch die Erfahrung, wie man mit Kritik umgehen kann.

Ob wir Kunst brauchen? – „Natürlich, sonst wären wir gar nicht hier“, sagt der Bremer. Denn Kunst sei eine Vorwegnahme von Überlegungen. Nicht jeder einzelne Mensch brauche Kunst, aber einige eben doch, zum Beispiel, um Schwarzgeld loszuwerden, oder um die innere Balance zu finden.

Zu den Künstlern, die für Klink besonders bedeutend sind, zählen Pablo Picasso (1881 bis 1973) und Salvador Dalí (1904 bis 1989). Picasso, so findet Klink, sei gut vernetzt und vielseitig gewesen. Mit Dalí hingegen ist Klink aufgewachsen. „Bei uns zu Hause und in der Praxis meines Zahnarztes hingen Dalís Bilder. Und ich selbst habe einen Hang zum Surrealismus.“

Wenn Klink jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann würde er am liebsten eine Karikatur für Kanzlerin Angela Merkel („Das ist alternativlos“) zeichnen: Mit der Botschaft, dass es innerhalb einer Demokratie immer eine Alternative gibt. Sonst wäre es keine Demokratie.

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