Reisende Kunst: Bremer Museen verleihen Modersohn-Becker-Werke nach Paris

Klebeband und Vliesstoff

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Paula Modersohn-Beckers „Liegende Mutter mit Kind II“ aus dem Jahr 1906 wird auf weißem Tyvek-Vliesstoff abgestellt – und anschließend vorsichtig hingelegt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Paris spielt eine zentrale Rolle für die künstlerische Entwicklung der Worpsweder Malerin Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907). Hier bekam sie die Anregungen, die sie zur Pionierin der Moderne in Deutschland machten. Eine Ausstellung der Bremer Kunsthalle hat das vor einigen Jahren beispielhaft herausgearbeitet. Jetzt fährt Paula wieder nach Paris.

Ihre Werke sind es natürlich, die nun auf den Weg in die französische Metropole gebracht werden. Denn während Paris so wichtig für die hierzulande hochgeschätzte Künstlerin war, sind die Arbeiten Modersohn-Beckers in Frankreich bislang kaum gewürdigt worden. Das soll sich nun ändern – mit einer großen Ausstellung, die das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris vom 7. April bis zum 21. August zeigt.

Die erste große Paula-Retrospektive innerhalb Frankreichs rückt nun auch dort den Pariser Einfluss auf Modersohn-Beckers Werk in den Fokus. Und ihre daraus resultierende Rolle als Künstlerin der Moderne.

Ein Projekt, das – wie bei vielen zeitgenössischen Ausstellungen üblich – von internationalen Leihgaben lebt, das ohne Leihgaben nicht auskommen kann. Und damit wären wir wieder in Bremen. Denn von hier kommen zentrale Werke für die Pariser Paula-Schau. Zum Beispiel aus dem Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße.

Zwei Kunstpacker einer Fachspedition waren dort gestern damit beschäftigt, die Leihgaben der Museen Böttcherstraße für das Pariser Paula-Projekt zu verpacken. Die dazu notwendigen stabilen Klimakisten waren schon Tage zuvor angeliefert worden, um sich akklimatisieren zu können. Klima und Temperaturen, Licht und Luftfeuchtigkeit – lauter Dinge, die bei Transporten dieser Art beachtet werden müssen. Bedingungen, die – neben Sicherheitsaspekten – auch die Empfänger der Leihgaben erfüllen müssen. „Wir können nicht an alle Museen ausleihen“, sagt Claudia Rosen, Sprecherin der Museen Böttcherstraße, denn auch. Das Musée d’Art Moderne aber erfüllt die Anforderungen.

In Paulas Alter reist man schonend und sicher. Bevor die Bremer Bilder in den Klimakisten landen, wird ihr Zustand exakt protokolliert – wie auch in Paris beim Auspacken.

Die Kunstpacker von der Spedition haben das Glas in den Rahmen mit blauem Klebeband abgeklebt – falls doch mal etwas zu Bruch geht, bleiben die Scherben am Klebeband haften und schneiden nicht in die Leinwand hinein. Weißer Tyvek-Vliesstoff umhüllt die gerahmten Kunstwerke. Durch eine besondere Beschichtung kann Feuchtigkeit von innen nach außen gelangen, aber nicht von außen nach innen (ans Bild). Säurefreie Ecken aus dem Schaumstoff Neopolen schützen die Kanten.

Donnerstag gehen die Bremer Leihgaben auf die Reise. Am Montag nächster Woche sollen sie sich am Ziel akklimatisiert haben und werden dann ausgepackt, so Direktor Dr. Frank Schmidt und Verena Borgmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen Böttcherstraße – die nun den Sommer über auf einige ihrer Hauptwerke verzichten müssen; auf die populären Kinder-Motive der Künstlerin zum Beispiel.

Zwölf Werke schickt allein das Paula Modersohn-Becker Museum nach Paris, darunter die „Liegende Mutter mit Kind II“ (1906), das „Mädchen im Birkenwald mit Katze“ (1904) und das „Selbstbildnis am sechsten Hochzeitstag“ (1906).

Die Lücken in Bremen werden mit anderen Werken gefüllt. Um weiter das für die Künstlerin bedeutende Kinder-Thema zeigen zu können, leiht sich die Böttcherstraße von der Kunsthalle das „Kind mit Kaninchen“ (um 1903) aus.

Unterdessen freut man sich in Bremen über das steigende internationale Interesse an der Worpsweder Wegbereiterin der Moderne. Eine große Paula-Retrospektive in Dänemark im vorigen Jahr sei dafür ebenso ein Indiz gewesen wie die jetzt bevorstehende Pariser Schau, hieß es gestern in der Böttcherstraße.

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