Das reinste Chaos

Bunt, schrill, abgefahren: „Le Cirque du Platzak“ eröffnet „La Strada“

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Volle Schräglage: Das Zirkuskollektiv „Le Cirque du Platzak“ überzeugte am späten Donnerstagabend zum Auftakt von „La Strada“ mehr als 500 Zuschauer. Die Combo bestach durch eine Mischung aus Clownerie, Artistik, Chaos und nostalgischer Musik.

Bremen - Von Steffen Koller. Sie grunzen, sie schreien, fliegen durch die Luft und kugeln sich auf dem Boden: Die Gruppe „Le Cirque du Platzak“ hat am späten Donnerstagabend das 23. Internationale Festival der Straßenkünste, kurz „La Strada“, eröffnet. Mit ihrer schrillen, bizarren und teilweise düsteren Vorstellung „Kermiz“ zog die zwölfköpfige Combo aus sechs Ländern mehr als 500 Zuschauer in ihren Bann.

Komische Geräusche, die dort aus den Bremer Wallanlagen zu vernehmen sind. Knaller, Grunzen, Schreie, mal Wörter auf Französisch. Mal fliegen englische Vokabeln über den Rasen, mal herrscht absolute Stille. Man muss sich am Donnerstagabend erst einmal reinfinden in die Vorstellung des internationalen Zirkuskollektivs „Le Cirque du Platzak“, das mit seiner gut einstündigen Show den Startschuss zum „La-Strada“-Festival gibt. Nach einer kurzen Phase der Findung – und das bezieht sich sowohl auf Publikum als auch auf die Darsteller – zieht das Ensemble die Zuschauer mehr und mehr in seinen Bann. Mit Clownerie, Artistik, schrägem Humor – und einer Vorstellung, die einfach als das reinste Chaos beschrieben werden kann.

Chaos mit Konzept

Die Geschichte ist schnell erzählt: Fünf Frauen und sieben Männer finden sich zusammen und wollen ein glamouröses Zirkustheater gründen. Blöd nur, wenn jeder seinen eigenen Kopf hat und trotz großen Talents nichts wirklich funktionieren will. Artistik-Nummern auf riesigen Gymnastikbällen laufen alles andere als reibungslos, die Vorführung einer sogenannten „Schlangenfrau“ wird argwöhnisch von der Konkurrenz aus den eigenen Reihen beobachtet, Experimente mit Feuerwerksknallern gehen gründlich in die Hose. Doch das ist das Konzept. Chaos, vermeintliche Fehler und Sturköpfe prallen – manchmal buchstäblich – aufeinander und ergeben so einen Mix aus gelungener Unterhaltung und körperlichen Höchstleistungen.

Anstatt an Seilen zu hängen, wird kurzerhand Frischhaltefolie für luftige Akrobatikeinlagen verwendet, statt über Seile zu balancieren, wird der freie Fall geprobt. Mit Jazz- und Folkmusik untermalt, erzeugen die zwölf Künstler aus Italien, Belgien, Frankreich, Spanien, Deutschland und den Niederlanden eine nostalgische Atmosphäre, die sich blendend über das Grün der Wallanlagen legt. Ganz so, als wollten die Darsteller an die alten Zeiten des Zirkusses erinnern. An Zeiten, in denen Clownerie und Zirkus noch etwas Bizarres, leicht Gruseliges und auch Morbides in sich trugen.

„Le Cirque du Platzak“ eröffnet „La Strada“ in Bremen

Nun wohnt der Straßenkunst bekanntlich der Zauber inne, auf Augenhöhe mit dem Publikum sein zu wollen. Auf sprichwörtlicher Augenhöhe können an diesem Abend aber nur wenige der mehr als 500 Zuschauer mit den Künstlern sein. Bänke werden zum Stehplatz umfunktioniert, viele Besucher gehen nach einer halben Stunde entnervt und treten den Heimweg an. Da kann die Show auch noch so gut sein, wer nichts sieht, hat sehr wahrscheinlich keinen Spaß.

Dafür bietet „La Strada“ bis einschließlich Sonntag eine große Auswahl an Shows rund um Markplatz und Wallanlagen. 25 Gruppen aus elf Ländern präsentieren sich noch am Sonnabend und Sonntag dem Publikum.

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