Reformation und Weingenuss

„Verschwunden“: Die „Jacobihalle“ in der Bremer Innenstadt

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Der Jakobikirchhof in der Bremer Innenstadt. Sein Name erinnert an frühere Zeiten mit Jakobikirche und „Jacobihalle“. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Roter Backstein, Spitzbogenfenster,Eckturm mit Zinnen – ein markantes Bauwerk war sie, die „Jacobihalle“ in der Bremer Innenstadt. So markant und auch so bekannt, dass sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch auf farbigen Postkarten abgebildet wurde. Längst aber gibt es sie nicht mehr – und damit ist die „Jacobihalle“ heute Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Die Geschichte der „Jacobihalle“ beginnt gegen Ende des 12. Jahrhunderts, als ein Bürger namens Gerhard von der Kämenade – auch: Gerhard von St. Jakob – in der Nähe des St.-Ansgarii-Stifts eine Kapelle stiftete, die Jakobikapelle. Im 13. Jahrhundert folgte der Neubau einer Backsteinbasilika.

St. Ansgarii wiederum sollte sich zum Ausgangspunkt der Reformation in Bremen entwickeln – durch eine Predigt des holländischen Augustinermönchs und Luther-Mitstreiters Heinrich von Zütphen (1488 bis 1524), gehalten im November 1522 in einer Kapelle der St.-Ansgarii-Kirche.

Die religiösen Umbrüche bedeuteten unterdessen das Aus für die Jakobikirche. Denn nach der Reformation – im Jahr 1528 nämlich – wurde sie profaniert. Der Rat übergab das Bauwerk dem Schmiedeamt, das hier – eben – seinen Amtssitz einrichtete. Die Schmiede trafen sich in dem Backsteinbau auch zu Versammlungen. Kirchturm und Kirchenschiff aber wurden im Lauf der Zeit baufällig – und im 17. Jahrhundert abgerissen. Was blieb, war der Chor.

Dann kam die Gewerbefreiheit, die Zünfte lösten sich auf – und damit auch das Schmiedeamt. Die frühere Jakobikirche (nicht zu verwechseln übrigens mit St. Jakobi in der Neustadt) ging in Privatbesitz über. Der Schlossermeister Konrad Asendorpf kaufte das Gebäude.

1861/62 baute der Bremer Architekt Simon Loschen (1818 bis 1902) für Asendorpf die Reste der Kirche – nun ganz und gar profan – in ein Lokal um. Er tat das in dem für ihn charakteristischen neugotischen Stil. Die Gaststätte bekam den Namen „Jacobihalle“ – jetzt mit „c“ geschrieben.

Der Architekt Simon Loschen baute unter anderem die Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche, eines der Wahrzeichen Bremerhavens. Und in den Jahren 1853 bis 1855 – ebenfalls in der Seestadt – den großen Bremerhavener Leuchtturm am Neuen Hafen. Die Bremerhavener nennen ihn einfach „Loschenturm“. Zu Loschens Bremer Bauwerken zählt die Friedenskirche an der Humboldtstraße.

Zurück in die Innenstadt. Die „Jacobihalle“ mit ihren verschiedenen Räumen entwickelte sich zu einem erfolgreichen und gut besuchten Lokal. In den unteren Räumen etwa lag ein Weinrestaurant. Auch einen Ballsaal gab es in der „Jacobihalle“.

Im Kriegsjahr 1944 wurde das Lokal durch Bomben schwer beschädigt. Die Ruine blieb in den ersten Nachkriegsjahren aber noch stehen – und 1960 schließlich abgebrochen. Heute erinnert nur noch der Straßenname „Jakobikirchhof“ (mit „k“) an die alten Zeiten.

Die Nutzung ist gleichwohl sehr profan: Der Jakobikirchhof ist ein (vergleichsweise kleiner) Parkplatz, der von der Martinistraße aus angesteuert wird.

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