„Raus auf die Straße“

1.500 Jugendliche bei der „Handwerksshow“ im Weserpark

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Was ist wo im Motorraum: Alessandro de Luna (l.) und Nicolai Juris (r.) erfahren einiges von Lehrling Sharanyan Pathmanathan auf der „Handwerksshow“. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Der Motorraum ist offen, und Alessandro de Luna und sein Freund Nicolai Juris schauen fasziniert hinein. Sie verteilen Schilder auf die Komponenten des Motors: Batterie, Kühlwasser, Bremsflüssigkeit. De Luna weiß so ziemlich alles.

„Die Zündkerzen sitzen im Motorblock“, sagt er. Die beiden 14-Jährigen besuchen die 9. Klasse. Und wie bei vielen Jungen ist der Kfz-Mechatroniker bei ihnen ganz oben auf der Hitliste der interessanten Handwerksberufe. 130 gibt es in Deutschland. 30 davon präsentierten sich am Freitag auf der „Handwerksshow“ im Weserpark.

Betriebe zeigten an Ständen mit eigenen Aktionsflächen und zum Teil modernster Technik, wie Handwerk heute funktioniert. Ein einzigartiges Format, betont Martina Jungclaus, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Bremen. „Die Berufsberatung darf nicht nur in den Schulen stattfinden. Sie muss raus auf die Straße“, sagt sie. 1.500 Schüler kamen.

„Man muss das alles auswendig können“

De Luna und Juris mustern weiter den Motorraum. Beide haben Erfahrungen mit Kart-Rennen und schrauben auch an den kleinen Autos herum. Ein paar Erklärungen gibt ihnen Sharanyan Pathmanathan. Er ist im dritten Lehrjahr bei Auto Woltmann, Betreiber des Stands. „Heute muss man sich in dem Beruf viel mit Elektronik beschäftigen. Das ist knifflig. Auch die Fehlerdiagnose erfolgt elektronisch“, sagt der 23-Jährige. „Man wechselt dann meistens Bauteile gleich aus und repariert sie nicht mehr.“

Mehrere Schülerinnen stehen am Kosmetik-Stand. Dort liegen künstliche Gesichter aus Gummi. Sally bearbeitet die Wimpern mit einem Permanent-Make-Up. „Ich schminke mich selbst nicht so viel. Aber der Beruf würde mir Spaß machen“, sagt die 14-Jährige. Ihre gleichaltrige Freundin Amberly schminkt sich dagegen gerne und findet den Beruf der Kosmetikerin interessant. Sie liebäugelt allerdings damit, Krankenschwester zu lernen. Wichtig ist ihr, etwas mit Menschen zu machen.

Mathe ist oft wichtig

Janine Bleckmann, im letzten Lehrjahr beim Standbetreiber „Isy Nails“, teilt den Schülern allerdings mit, dass auch Anatomie mit vielen lateinischen Begriffen gepaukt werden muss. „Man muss das alles auswendig können“, sagt sie. Auch medizinische Fußpflege gehöre zum Job, etwa, wenn Nägel eingewachsen sind. „Dafür haben wir Zangen und Skalpelle“, sagt sie. Handwerk habe weiterhin goldenen Boden, besonders in Branchen, die ein großes Auftragsvolumen abarbeiten, zum Beispiel der Bereich Sanitär, Heizung, Klima, sagt Jungclaus.

Günter Roes ist bei der Kammer Spezialist für die passgenaue Besetzung von Ausbildungsstellen. Er sieht gute Chancen für Jugendliche, die sich im Schulsystem schwertun. „Die meisten Betriebe wollen, dass vor der Lehre ein Praktikum gemacht wird. Das ist für solche Jugendliche eine Chance, sich zu beweisen. „Ich habe auch schon Jugendliche ohne Schulabschluss vermittelt. Für diese gibt es ausbildungsbegleitende Hilfen, Unterricht am Abend. Gerade Mathe ist oft wichtig. Generell geht auch ohne mittlere Reife einiges“, sagt er.

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