98 Prozent der Stimmen

Das Rathaus fest im Blick: Carsten Meyer-Heder neuer CDU-Parteichef

Carsten Meyer-Heder ist am Donnerstagabend mit 98 Prozent zum neuen Landesvorsitzenden der Bremer CDU gewählt worden. Der 58-jährige Spitzenkandidat und Sieger der Bürgerschaftswahl hat für seine Partei den Einzug ins Rathaus weiter im Blick. Foto: DPA
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Carsten Meyer-Heder ist am Donnerstagabend mit 98 Prozent zum neuen Landesvorsitzenden der Bremer CDU gewählt worden. Der 58-jährige Spitzenkandidat und Sieger der Bürgerschaftswahl hat für seine Partei den Einzug ins Rathaus weiter im Blick.

Bremen – Er ist der Sieger der Bürgerschaftswahl, lag mit seiner CDU erstmals nach 73 Jahren vor der bisher immer regierenden SPD. Und er holte als Polit-Neuling rund 105.000 Personenstimmen – 40.000 mehr als Bürgermeister Carsten Sieling. Und dennoch geht er ebenso wie die CDU leer aus, weil die neue Bremer Regierung höchstwahrscheinlich aus Rot-Grün-Rot bestehen wird. Am Donnerstagabend ist der 58-Jährige zum neuen Parteichef der Bremer Christdemokraten gewählt worden.

Die Zustimmung für den neuen Parteichef war mit 98 Prozent deutlich. Meyer-Heder bekam auf dem außerordentlichen Landesparteitag in Vegesack 149 von 153 gültigen Stimmen (Enthaltung: 1, Nein-Stimmen: 3). Er tritt die Nachfolge von Jörg Kastendiek an, der im Mai im Alter von 54 Jahren nach schwerer Krebserkrankung verstorben war. Es war Kastendiek, dem die CDU den Spitzenkandidaten zu verdanken hat. Bei den Stellvertretern standen keine Neuwahlen an: Yvonne Averwerser, Jens Eckhoff und Peter Skusa bleiben bis zur turnusgemäßen Wahl 2020 im Amt.

Meyer-Heder kündigte in seiner Bewerbungsrede an, dass er die CDU Bremen weiter als moderne und liberale Großstadtpartei profilieren möchte. „Wir haben im Wahlkampf einen neuen Politikstil eingeführt. Uns ging es darum, Menschen zuzuhören, sie auf dem Weg der Veränderung mitzunehmen, sie zu überzeugen, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und offen und freundlich miteinander umzugehen. 

Dieses Verständnis von Politik will ich gerne fortsetzen und damit einen Gegenentwurf zu Rot-Rot-Grün bilden“, sagte der 58-Jährige am Abend. Er wolle gemeinsam mit seinen Parteifreunden den Schwung aus dem Wahlkampf nutzen, „um jetzt die Grundlagen dafür zu legen, dass wir bei der nächsten Wahl in spätestens in vier Jahren auch unser drittes Wahlziel erreichen: den Einzug ins Bremer Rathaus.“ Die CDU sei in der kommenden Legislatur die wichtigste Oppositionspartei. Dafür müsse sie sich der Themen annehmen, die die Bürger bewegten und nicht die Funktionsträger. Ziel müsse außerdem sein, mehr junge Menschen und Frauen für die Parteiarbeit zu gewinnen

Bei Themen wie Umwelt- und Klimapolitik oder Flächenpolitik müsse sich die Partei ebenfalls neu justieren. „Nachhaltigkeit ist seit jeher ein Thema der CDU, das dürfen wir keinen grünen Ideologen überlassen“, sagte Meyer-Heder. Die CDU wolle dabei aber alle Menschen, auch die Arbeitnehmer in der Industrie und Menschen mit geringem Einkommen, im Blick behalten. „Trotzdem müssen wir in diesem Bereich nacharbeiten.“

Auch in der Flächenpolitik will der neue Parteichef bisherige Ansätze weiterentwickeln. Beim Wohnungsbau sei zum Beispiel ein Einfamilienhausprogramm vorstellbar, um mittelständische Familien nicht weiter ans niedersächsische Umland zu verlieren. Eine höhere jährliche Erschließungsleistung von Gewerbeflächen sei richtig, es müsse aber auch darum gehen, eine effektivere und produktivere Nutzung anzustreben. „Als Stadtstaat kann man es sich weder ökologischen noch ökonomisch leisten, wenn auf 20 000 Quadratmeter Logistikfläche nur acht neue Arbeitsplätze entstehen“, so Meyer-Heder. Eine deutliche Absage erteilte der 58-Jährige einer Zusammenarbeit mit der AfD.  

Zur Person: Carsten Meyer-Heder

Carsten Meyer-Heder (58) hat drei schulpflichtige Kinder, ist zum zweiten Mal verheiratet und lebt in einer Patchwork-Familie. Als junger Mann tickte der Bremer eher links, trug die Haare lang, wohnte in einer WG und spielte Schlagzeug. 

Nach einer überstandenen Krebserkrankung mit Ende 20 sattelte Meyer-Heder auf Softwareentwickler um und machte sich selbstständig. Seit 1993 ist seine Unternehmensgruppe Team Neusta auf mehr als 1 000 Mitarbeiter angewachsen. Für den Wechsel in die Politik stieg er als Geschäftsführer aus, blieb aber Gesellschafter.

gn

Update: 1.Juli: Im Vergleich mit der CDU und dessen Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder hatte die SPD in Bremen bei der Bürgerschaftswahl Ende Mai das Nachsehen. Nun zieht Bürgermeister Carsten Sieling eine Konsequenz und tritt von seinem Amt als Chef des Senats zurück.

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