Untersuchung von Verhalten von Einzellern

Bremer „Forarex“-Team: Raketenstart in Schweden

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Teamleiterin und Biologiestudentin Greta Sondej mit einer Mikroskopaufnahme eines marinen Einzellers, einer sogenannten Foraminifere.

Bremen - Von Viviane Reineking. Mit Astronaut Alexander Gerst sollten ihre Einzeller in diesem Jahr eigentlich zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen. Weil die Bremer Studenten aber nicht zu den besten drei Teams im „Überflieger“-Wettbewerb des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gehörten, wurde aus diesem Traum nichts.

Doch das Ziel, ihre marinen Lebewesen ins All zu bringen, verfolgen die Studenten weiter. 2019 startet ihr Experiment auf einer Forschungsrakete von Schweden aus bis in 90 Kilometer Höhe.

Nachdem es beim „Überflieger“-Wettbewerb unter dem Projektnamen „Foralex“ in der finalen Auswahlrunde nicht für das junge Team gereicht hatte, sei die Enttäuschung groß gewesen, sagt Sprecherin Johanna Hartmann. „Die anderen waren einfach schon weiter und professioneller.“ Nach einer kurzen Pause sei dann die Motivation gekommen, sich und das Projekt weiterzuentwickeln und am europäischen Studentenwettbewerb „Rexus“ teilzunehmen.

Bei der finalen Auswahlrunde Ende des vergangenen Jahres war das Team um Projektleiterin Greta Sondej dann erfolgreich. „Forarex“ heißt ihr Projekt dieses Mal – in Anlehnung an die als „Foraminiferen“ bezeichneten Tierchen und den Wettbewerbsnamen. „Endlich können die Foraminiferen ins All starten“, so die 20-Jährige, die erst kürzlich zum Team gestoßen ist.

Untersuchung winziger Lebewesen

Foraminiferen sind winzige, rund drei Millimeter große Lebewesen, die das Bremer Studenten-Team untersucht. Anders als beim vorherigen Wettbewerb stehe nun nicht die Langzeitauswirkung der Schwerelosigkeit auf die Einzeller und ihr Schalenwachstum im Vordergrund. 

Vielmehr interessiert die Forscher etwa, wie die Einzeller den stressigen Raketenstart verkraften, ob Lebenserhaltungssysteme, Software und Elektronik funktionieren. Doch obwohl die Zeit der Schwerelosigkeit nur etwa eineinhalb Minuten betrage, könne man schon mögliche Veränderungen beim Wachstum der Schalenstruktur beobachten, so die Studentin der Digitalen Medien.

Einzeller mit wichtiger Rolle in Biomedizin

Die Einzeller spielen bereits eine wichtige Rolle etwa in der Biomedizin. Ihre aus Kalziumkarbonat bestehende Schalenstruktur könne zum Beispiel schon heute bei der Regeneration von Knochen helfen, so Hartmann. Dies könnte auch für Langzeitexpeditionen etwa zum Mars interessant sein, da Astronauten unter Knochenschwund leiden würden, so Hartmann.

Gestartet wird die rund 5,50 Meter lange Forschungsrakete mit Platz für 40 Kilogramm Experimentenaufbau im Frühjahr 2019 vom „Esrange Space Center“ in Nordschweden. Zur Vorbereitung reisen vier der sieben Teammitglieder bereits in der nächsten Woche schon einmal nach Kiruna. Neben der zeitaufwendigen Vorbereitung sorgen die Foraminiferen für die größte Herausforderung. Hartmann: „Es sind Lebewesen, und unser Ziel ist es natürlich, dass sie die Mission auch überleben.“

www.foralex.de

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