Bremer ADFC verleiht Spezialgefährte für Menschen mit Einschränkungen

Radeln mit Assistenz

Ein bislang ungewohnter Anblick in Bremen: Lotte (11, links) und Silke Beckmann (44) nebeneinander auf dem Spezialrad „Fun2Go“.
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Ein bislang ungewohnter Anblick in Bremen: Lotte (11, links) und Silke Beckmann (44) nebeneinander auf dem Spezialrad „Fun2Go“.

Bremen – „Wir wurden von vielen angesprochen“, sagt Silke Beckmann (44). Die Bremerin kommt mit ihrer Tochter Lotte (11) gerade beim Fahrradclub (ADFC) am Hauptbahnhof an. Mutter und Tochter sitzen auf dem Fahrrad nebeneinander, ein ungewohnter Anblick im Bremer Stadtbild. Möglich macht der Club die Tour nebeneinander mit seinem Projekt „Pedder“. Dabei verleiht er kostenfrei Spezialräder, alle mit Hilfsmotor.

Auf den Spezialrädern fahren zwei oder drei Personen, wobei nur eine treten muss. Eine interessante Möglichkeit für Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht selbst Radfahren können, es aber gern wollen. Das besondere Rad „Fun2Go“ erregt Aufmerksamkeit, sagt Beckmann. Sie und ihre Tochter bringen das Gefährt zurück. Silke Beckmann erzählt, warum sie es ausgeliehen hat. Ihre jüngere Tochter Clara (9) hat sich den Fuß gebrochen. Um mit ihr Touren zu unternehmen, hat die Mutter das Spezialrad oragnisiert. Lotte hat ebenfalls in die Pedalen getreten, Clara ihre Füße auf eine hochklappbare Platte gestellt. Es mache schon einen Unterschied, ob zwei oder eine in die Pedalen treten, sagt Silke Beckmann. Unterwegs war die Beckmanns unter anderem in der Gartenstadt Vahr und im „Schloßparkviertel“ in Sebaldsbrück. Nicht ganz leicht sei es auf dem Kopfsteinpflaster in der Nähe des Weserstadions gewesen.

„Viele Beifahrer finden es ganz komisch, weil sie gar nicht lenken können“, sagt Pina Pohl, Pressereferentin beim Bremer Fahrradclub. Vom Spezialrad „Fun2Go“ hat der Club inzwischen ein zweites im Verleih. Es hat keinen Sattel, aber zwei Sitze nebeneinander. Eine Person kann lenken und muss treten, wobei der Hilfsmotor mit drei Leistungsstufen hilft. Der Mitfahrer kann mittreten oder aber seine Füße auf einer hochstellbaren Trittplatte abstellen.

Das Gefährt sei besonders bei Menschen beliebt, die immer gern Rad gefahren seien, es aber nun nicht mehr könnten, sagt Pohl. „Für sie ist es ein schönes Gefühl, wieder mit dem Rad unterwegs zu sein.“ Häufig leihen auch Assistenzkräfte und Mitarbeiter von Pflegediensten das Rad. Auch Menschen mit geistiger Einschränkung nutzten es gern.

Silke Beckmann, die als Lehrerin an einer inklusiven Oberschule arbeitet, sieht in solchen Rädern eine gute Möglichkeit für Schüler mit Behinderungen und Einschränkungen, an Tagesausflügen teilzunehmen.

Das Rad braucht sehr wenig Platz zum Wenden und kommt sogar dann schnell in Schwung, wenn der Hilfsmotor auf der niedrigsten von drei Stufen zugeschaltet ist. Ab spätestens Juni soll eine neue Fahrradrikscha ausleihbar sein. Vor dem Lenker: eine Sitzbank unter einem Stoffdach mit Platz für zwei Personen und eine Abstellfläche für die Füße. Auch hier ein Motor mit drei Stufen. Eine Taste sorgt für Hilfe beim Anfahren. Das Lenken ist mitunter etwas ungewohnt. Der Schwerpunkt ist bei diesem Rad nach vorne verlegt, erklärt Pohl. Das sei aber kein Problem, wenn man schon mal Lastenrad gefahren sei. Auf der Sitzbank erwartet die Begleiter eine federleichte Fahrt. Pohl erzählt von einem Hochzeitspaar, das sich die Fahrradrikscha geliehen hat. Zwei weitere Spezialräder sind im Verleih: ein Rad vom Typ „Velo Polus“ bietet vor dem Lenker Platz für einen Rollstuhl auf einer absenkbaren Plattform. Das Modell „OPair“ hat vor dem Lenker einen Spezialsitz, der abgekoppelt als Rollstuhl dient.

Ein interessantes Gefährt: Auf der Bank der neuen Fahrradrikscha sitzt Frauke Maack, auf dem Sattel Pina Pohl (beide Fahrradclub Bremen).

Der Projektname „Pedder“ kommt vom Plattdeutsch „pedden“, was so viel heißt wie kräftig in die Pedale treten. Die zweijährige Förderung für das Projekt „Pedder“ läuft im September aus. Aber der Fahrradclub hat bereits einige Ideen, wie es weitergehen kann. Bisher bremste Corona das Projekt aus. Es gab kaum Chancen, die Räder auf Veranstaltungen vorzustellen, so Pohl.

Die Spezialräder werden für ganze Tage oder nach Absprache für länger vermietet. Auch Kurztrips sind möglich. Die Räder befinden sich an unterschiedlichen Standorten in Bremen, die auf der Homepage einsehbar sind.

Mehr unter: www.pedder-spezialrad.de

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