Quartier statt Schokolade

Leben und Arbeiten auf dem Hachez-Areal in der Bremer Neustadt

Die traditionsreiche Schokoladenproduktion ist verschwunden. Nun soll das Hachez-Areal für Wohnraum und Gewerbe genutzt werden.
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Die traditionsreiche Schokoladenproduktion ist verschwunden. Nun soll das Hachez-Areal für Wohnraum und Gewerbe genutzt werden.

Wohnraum und Gewerbe in der Nähe von Weser und Innenstadt – das soll es bald in der Alten Neustadt geben, praktisch zwischen Fahrradzone und Hochschule. Die Planungen für das neue „Hachez-Quartier“ in Bremen werden konkreter.

  • Süßwarenhersteller Toms und Bremen treffen Absichtserklärung.
  • Die Stadt Bremen muss ihr Vorkaufsrecht nicht nutzen.
  • „Hachez-Quartier“ soll ein citynahes Zentrum der Neustadt werden.

Bremen - Schokolade und Pralinen kamen jahrzehntelang von hier, doch das ist Geschichte. Nun soll auf dem Hachez-Areal an der Westerstraße in der Bremer Neustadt eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe entstehen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben Bremen und der dänische Süßwarenhersteller Toms, zu dem Hachez gehört, nun getroffen.

Nach Angaben des Wirtschafts- und des Bauressorts entwickeln die Stadt Bremen und die Toms-Gruppe das insgesamt 1,1 Hektar große Areal „partnerschaftlich und gemeinsam“. Um die Planung kümmert sich dabei das Bremer Immobilienunternehmen Robert C. Spies. Am Donnerstag steht das Thema „Hachez-Areal“ auf der Tagesordnung der Deputation für Bau und Stadtentwicklung.

Das Grundstück ist ein Herzstück der Neustadt. Es liegt in der Nachbarschaft der Hochschule und grenzt ans Fahrradmodellquartier. Und vor allem liegt es so dicht an der Innenstadt, dass Stadtplaner es praktisch zur City hinzuzählen.

Herzstück zwischen Hochschule und Fahrradmodellquartier

Was macht man auf so einem Areal? „Mischnutzung“ ist das planerische Zauberwort – und das Ziel: ein möglichst lebendiges Quartier, das „Hachez“-Quartier. Die Hälfte der Bruttogeschossfläche ist für Wohnen gedacht, sagt Jens Tittmann, Sprecher von Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne), auf Nachfrage. Bei 30 Prozent liegt der Anteil für Gewerbe – Start-ups, Kreativwirtschaft: vieles ist denkbar, auch die Nähe zur Hochschule soll sich hier auswirken. Die Nähe zur Fahrradzone ebenfalls – warum nicht eine große Fahrradwerkstatt mit Lastenradverleih ansiedeln?

Das 1,1 Hektar große Areal soll sich zu einem neuen Bremer Quartier entwickeln.

Und die restlichen 20 Prozent? „Hybride Nutzung“, das ist hier die Antwort. Ein Beispiel dafür wäre ein Multifunktionssaal, den der Beirat für seine Sitzungen ebenso nutzt wie die Hochschule für ihre Veranstaltungen.

Entwicklung nach den Vorstellungen der Stadt

All das ist Zukunftsmusik. Den Grundton dieser Musik wollte Bremen bestimmen, deshalb hatte sich die Stadt im September 2019 das optionale Vorkaufsrecht gesichert – eben wegen der Gestaltungsmöglichkeiten und wegen der stadtentwicklungspolitischen Bedeutung des Areals, wie es so schön heißt.

Leere Gänge im Inneren verbreiten eine „Lost-Place“-Tristesse – ab 2023 soll sich das ändern.

Nun musste das Vorkaufsrecht gar nicht genutzt werden; Bremen bleibt damit der Kauf des Areals zu einem marktüblichen Preis im Wortsinne erspart. Denn die Toms-Gruppe möchte überhaupt nicht verkaufen und entwickelt die Fläche praktisch nach den Vorstellungen der Stadt. Ein dänisches Architekturbüro soll sich Gedanken zum „Hachez-Quartier“ machen. Wieviele Wohnungen dort am Ende tatsächlich entstehen werden, sei im Moment noch nicht zu sagen, heißt es. 30 Prozent sozial geförderte Wohnungen – die übliche Bremer Quote – wird es auch hier geben.

Die Schokolade kommt inzwischen aus Polen

All dies ist überhaupt im Gespräch, weil die Toms-Gruppe das Areal verlassen hat. Im vergangenen Jahr hat Hachez die Schokoladenproduktion nach Nowa Sól in Polen verlegt. In Bremen geblieben sind Verwaltung, Vertrieb, Marketing – insgesamt etwa 70 Mitarbeiter, mit denen Toms im August ins „Tabakquartier“ nach Woltmershausen (früher: Zigarettenfabrik Martin Brinkmann) gezogen ist. Die Fläche in der Neustadt war viel zu groß geworden. Vom „Tabakquartier“ aus kümmert sich das „Hanseatische Chocoladen-Kontor“ um die Marken „Hachez“, „Feodora“ und „Anthon Berg“.

„Mit dem neuen ,Hachez-Quartier‘ wird ein hoch innovatives und durchmischtes Quartier realisiert“, sagt Jens Lütjen, geschäftsführender Gesellschafter der Robert-C.-Spies-Unternehmensgruppe. Die Nähe zur Hochschule bringe „spannende Synergien“. Die nächsten Schritte in diesem Jahr sind die städtebauliche Qualifizierung und das Bürgerbeteiligungsverfahren. Erste Baumaßnahmen seien „ab 2023 wahrscheinlich“, hieß es weiter.

Bausenatorin Schaefer freut sich derweil über „die nun anstehende partnerschaftliche Realisierung“. Und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) rechnet damit, dass „auf dem Areal bis zu 500 Arbeitsplätze neu geschaffen und gesichert werden“.

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