Zwei Wochen zu Hause

Gesundheitsämter erklären: So geht Quarantäne in Bremen und Niedersachsen

Quarantäne ist Neuland, zumindest für die meisten. Was noch vor einem Jahr undenkbar schien, gehört mittlerweile zum Corona-Alltag: Menschen müssen zu Hause bleiben.

Bremen/Hannover - Die Quarantäne ist derzeit ein fester Bestandteil des ohnehin schon außergewöhnlichen Corona-Alltags. Dazu kommen ständig wechselnde Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie, sodass die Gesundheitsämter in Bremen und Niedersachsen immer wieder mit vielen Fragen aus der Bevölkerung konfrontiert sind - und das in einer Zeit, in der die Gesundheitsämter ohnehin schon stark ausgelastet sind. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

BundeslandBremen
Bevölkerung682.986
Fläche419,4 km²
BürgermeisterAndreas Bovenschulte

„In Bremen erfolgt die erste Quarantäne-Anordnung durch das Gesundheitsamt“, erklärt Lukas Fuhrmann, Pressesprecher der  Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Das ist deutschlandweit im Infektionsschutzgesetz (IfSG) geregelt und geht auch über die Bremer Grenzen hinaus. Aber auch Bremer Schulen wurden dazu ermächtigt, Kontaktpersonen von Infizierten in Quarantäne zu schicken.

Die Regeln während einer Quarantäne sind einfach: Der oder die Betroffene darf das Haus, die Wohnung oder eine andere geeignete Unterkunft nicht verlassen. Dabei darf kein Besuch empfangen werden, auch nicht im Rahmen der zulässigen Corona-Maßnahmen. Auch der Kontakt zu Mitgliedern des eigenen Haushaltes soll - so weit es geht - eingeschränkt werden.

Kontrolliert werde das Einhalten der Quarantäne durch das Gesundheitsamt selbst. Laut Pressesprecher Lukas Fuhrmann würde vor Ort kontrolliert werden, jedoch werde auch auf telefonischem Weg kontrolliert. Bei einem Verstoß würden Geldstrafen in unterschiedlichen Höhen anfallen, beim Verlassen der Quarantäne-Unterkunft beträgt die Strafe in Bremen 400 Euro.

Quarantäne in Bremen mindestens 14 Tage lang

Die Quarantäne endet in Bremen frühstens nach 14 Tagen. Dafür müssen jedoch zwei weitere Kriterien erfüllt sein: Zum einen muss der oder die Betroffen seit mindestens 48 Stunden symptomfrei sein und zum anderen muss der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin dem Ende der Quarantäne zustimmen.

Gesundheitsämter in Bremen und Niedersachsen ordnen die Quarantäne an.

Doch wie sieht die Quarantäne für Reiserückkehrende aus, gibt es Abweichungen zu einer Quarantäne nach einem positiven Test? „Nein“, sagt Lukas Fuhrmann, „die Umstände für die Quarantäne sind die gleiche.“ Dennoch gebe es einen entscheidenden Unterschied. Reiserückkehrende dürfen sich nach fünf Tagen testen lassen: „Mit einem negativen Test darf die Quarantäne dann frühzeitig beendet werden.“

Landkreis Diepholz erlässt Allgemeinverfügung

Der Landkreis Diepholz in Niedersachsen hat zum Einhalten der Quarantäne eine Allgemeinverfügung erlassen: „Um sicherzustellen, dass sich Personen, die einen positive Befund über eine Corona-Infektion erhalten, direkt in häusliche Quarantäne begeben“, erklärt Mareike Rein, Sprecherin des Landkreises Diepholz.

Seit dem 18. November müssten sich grundsätzlich Personen mit einem positiven Corona-Testergebnis sofort in häusliche Absonderung begeben, sobald sie von dem Befund erfahren. Das heißt sie dürfen die Wohnung weder verlassen noch Besuch außerhalb des eigenen Hausstandes empfangen: „Somit hat der Landkreis Diepholz eine bindende Regelung für ein Verhalten geschaffen, welches eigentlich selbstverständlich sein sollte“, so Landkreis-Sprecherin Mareike Rein.

Bisher habe das Gesundheitsamt Diepholz nach Erhalt des positiven Befundes die häusliche Absonderung zunächst in einem Anruf angeordnet und erläuterte kurz das weitere Vorgehen. Ein entsprechender schriftlicher Bescheid erfolgte dann zeitnah. Häufig haben die betroffenen Personen jedoch schon vor dem Gesundheitsamt und somit auch vor der offiziellen Quarantäne-Anordnung Kenntnis über ihr Testergebnis. Mit der Allgemeinverfügung stelle der Landkreis Diepholz sicher, dass die Möglichkeit einer Ansteckung während dieser zeitlichen Lücke möglichst gering gehalten wird.

Eine gesonderte schriftliche Einzelverfügung über die Anordnung der Quarantäne-Maßnahme erfolge auch weiterhin. Die sofortige häusliche Quarantäne gilt ebenso für Personen, denen erstmalig ein positiver Befund eines ärztlich begleiteten Antigentests (Schnelltests) mitgeteilt wird. In diesen Fällen müsse darüber hinaus unverzüglich telefonisch Kontakt zur hausärztlichen Praxis aufgenommen werden, um einen umfänglichen Corona-Test (PCR-Kontrolluntersuchung) einzuleiten.

Corona-Infizierte müssen Kontaktpersonen selber informieren

Bei einem positiven Testergebnis müssen die Betroffenen zudem ihre Kontaktpersonen selber informieren und eine entsprechende Liste mit deren Kontaktdaten erstellen. Diese soll den Zeitraum von zwei Tagen vor Auftreten erster Symptome oder vor der Durchführung des Tests, wenn keine Symptome vorliegen, umfassen. Die Kontaktliste wird bei der ersten telefonischen Kontaktaufnahme aktiv vom Gesundheitsamt angefordert. Das Ende der Quarantäne im Landkreis Diepholz erfolge ausschließlich durch das Gesundheitsamt. Das Diepholzer Gesundheitsamt richte sich dabei an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts.

Im Landkreis Diepholz werde die Quarantäne wie auch in Bremen stichprobenartig durchgeführt, sowohl persönlich als auch telefonisch.  Flächendeckende Kontrollen seien jedoch nicht möglich: „Daher appelliert die Kreisverwaltung an das Verantwortungsbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger“, so Landkreis-Sprecherin Mareike Rein. Aktuell laufen 26 Verfahren wegen nicht eingehaltener Quarantänen. Davon gründen neun Verfahren auf Verstößen gegen IfSG (Quarantäne-Anordnungen aufgrund von Kontakten zu Infizierten) und 17 Verfahren auf Verstößen gegen die Corona-Verordnung (Reiserückkehrer aus Risikogebieten).

Angeordnete Quarantänen im Landkreis Diepholz insgesamtStand 20.11.2020
Indexfälle in Quarantäne 2.054
Kontaktpersonen in Quarantäne6.038
Reiserückkehrende (seit dem 8. August) in Quarantäne 2.679

Die Nicht-Einhaltung der Quarantäne-Auflagen stelle in Niedersachsen eine Ordnungswidrigkeit dar, die bei Minderjährigen mit einer Geldbuße in Höhe von 500 Euro geahndet wird und bei Volljährigen mit einer Geldbuße in Höhe von 1.000 Euro. Erfolgt eine Ansteckung weiterer Personen im Rahmen eines Quarantäne-Verstoßes ist dies ein Straftatbestand.

Reiserückkehrende im Land Niedersachsen müssen hingegen für kürzere Zeit in die Quarantäne als die Bremer Nachbarn: „Wer nach Niedersachsen reist und sich in den vergangenen zehn Tagen in einem Risikogebiet im Ausland aufgehalten hat, muss sich unverzüglich in eine zehntägige Quarantäne begeben“, also vier Tage weniger als in Bremen, verrät Landkreis Sprecherin Mareike Rein. Grundlage hierfür sei seit dem 9. November die Niedersächsische Quarantäne-Verordnung.

Rubriklistenbild: © dpa/Marijan Murat

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