„Spielrausch“ in Bremen

Stippvisite beim Brettspieletreff: Quacksalber im Labyrinth

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Stefan Lübben (l.) freut sich: Er hat beim Brettspiel „Die Quacksalber von Quedlinburg“ gewonnen. Auch Timo, acht Jahre alt, hat sich gut geschlagen.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Es wird gekocht auf dem Spielfeld. Alraunwurzel, Fliegenpilz und Käfer landen im Topf. Stefan Lübben (46) zieht eine Knallerbse, die achte, das ist zu viel. Der Kessel explodiert – natürlich nur auf dem Brett. Vier Spieler, drei Erwachsene und ein Kind amüsieren sich beim Brettspieletreff „Spielrausch“ im Bürgerhaus Weserterrassen am Osterdeich.

Auf dem Tisch steht „Die Quacksalber von Quedlinburg“, „Kenner-Spiel des Jahres 2018“, ein Kritikerpreis, der erfahrenen Spielern Orientierung bieten soll. Für jede Zutat kommt der Spieler in einem Labyrinth voran. Je weiter, desto mehr Punkte gibt es, mit denen er weitere Zutaten kaufen kann. Zudem hat jeder Spieler einen Spielstein, der je nach Erfolg auf einem separaten Spielfeld weitergerückt wird. Das ungleiche Team amüsiert sich, der achtjährige Timo aus Bremen schlägt sich gut.

Immer wieder sind die routinierten Spieler an vorderster Front dabei. Der Verein bekommt von Spieleentwicklern manchmal Prototypen zugeschickt. Die Leute merken dann, wie die Entwickler die Spiele noch verändern. Getestet haben die Bremer auch „Azul“, „Spiel des Jahres 2018“. Dieser Preis wird im Gegensatz zur Prämierung von Kennerspielen an Familienspiele vergeben, die die Verbreitung des Kulturguts „Spiel“ voranbringen. 

Das Spiel wurde vom Badener Michael Kiesling entwickelt, der zudem Inhaber einer Software-Firma am Technologiepark der Uni Bremen ist. „An dem Spiel wurde nicht mehr viel geändert. Es war recht schnell fertig“, sagt Lübben. Man habe auch Prototypen für andere Länder bekommen, etwa eine Version auf Japanisch.

Etwa 400 Spiele im Keller

Etwa 400 Spiele hat der Verein im Keller. Jedes Jahr wechselt er etwa 40 davon gegen neue aus. Das ist eine gute Gelegenheit für Besucher und Vereinsmitglieder, eine Auswahl der nach Schätzung von Lübben etwa 500 bis 1 000 jährlich neu erscheinenden Spiele zu testen.

Gespielt wird allerdings nie um Geld. „Wer pokern will, muss das woanders machen“, sagt Lübben. Ohnehin wird auf Kartenspiele verzichtet. Traditionsspiele wie „Halma“ oder „Schach“ landen hin und wieder auf dem Tisch, allerdings nicht „Mensch ärgere Dich nicht“. Das traditionelle „Monopoly“ werde schon mal gespielt. Lübben weiß allerdings nicht, ob es im Keller liegt.

Offener Treff für alle

Dietmar Bothe (63) ist sehr spielerfahren und hält Spielspaß für stark persönlichkeitsabhängig. „Manche Leute können nicht jedes Spiel gut. Nicht jeder mag Strategiespiele“, sagt er.

An diesem Abend sind etwa zehn Leute da, eine normale Besucherzahl. Das sind genug Leute, um drei Spiele gleichzeitig zu spielen. Anja (45) aus Bremen ist von der Spieleauswahl begeistert: „Hier findet man echt alles.“

Organisiert wird der offene Treff vom Verein „Spielrausch“ mit etwa 30 Mitgliedern. Nichtmitglieder zahlen 1,50 Euro als Beitrag zur Saalmiete, Vereinsmitglieder einen Euro. Der Verein veranstaltet einmal pro Jahr die „Bremer Brettspielmeisterschaft“.

Der Brettspieletreff findet montags ab 20 Uhr im Bürgerhaus Weserterrassen (Osterdeich 70b) statt.

www.spielrausch-bremen.de

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