Bremer Flötenbauer Michael Marahrens fertigt Didgeridoos von Hand

Purer Druck aus dem Zwerchfell

Ein voller und durchdringender Ton erklingt: Der Bremer Michael Marahrens spielt das größte und am tiefsten klingende Didgeridoo seines Sortiments.
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Ein voller und durchdringender Ton erklingt: Der Bremer Michael Marahrens spielt das größte und am tiefsten klingende Didgeridoo seines Sortiments.

Der Bremer Michael Marahrens baut Flöten in Handarbeit - auch die stattlichen Didgeridoos. Und er kann sie auch spielen, wie seine anderen gebauten Flöten.

Bremen – Es stehen viele Didgeridoos in der Werkstatt von Michael Marahrens in der Bremer Neustadt. Er hat sich das größte gegriffen. Er schätzt es auf 2,40 bis 2,50 Meter und bläst ins Instrument. Der Ton ist unglaublich satt und durchdringend.

Marahrens bietet extrem verschiedene Didgeridoos an, seine Spezialität: die ganz tief klingenden. Der Bremer ist vielseitig. Er baut Didgeridoos, mehrere Typen südamerikanischer Flöten und einen japanischen Flötentyp. Und er unterrichtet die Instrumente auch.

Satt und vollmundig im Klang

Ein anderes Didgeridoo, eine Oktave höher, aber immer noch satt und vollmundig im Klang: Der Instrumentenbauer lässt seine Stimme spielen. Zum kreisenden, meditativen Klang gesellen sich hier und da kräftige, pulsierende Laute. „Viel Luft ist nicht das Kriterium“, sagt 62-Jährige. „Man braucht ein funktionierendes Zwerchfell.“ Wichtig sei es, die Muskeln um die Lunge herum gut kontrollieren zu können. Er zeigt ein hochspielendes Didgeridoo. Das klingt nicht nur hoch, sondern auch sehr laut. Er formt Töne, die an ein Galoppieren erinnern.

„Didgeridoo zu spielen, ist gesund. Es hilft gegen Asthma und gegen Schlafapnoe“, sagt der Flötenbauer. „Es ist einfach ein vitalisierendes Instrument.“ Zudem sei das Musizieren damit auch immer eine Reise nach innen. „Man kann seine ganze Anspannung und seinen emotionalen Müll reinpacken“, sagt er.

Anfang der 90er sei eine Frau mit einem Didgeridoo aus Plastik in seine Werkstatt gekommen. „Sie fand den Klang gut, aber nicht das Plastik“, sagt der Instrumentenbauer. „Wir haben dann zusammen aus Bambus ein Didgeridoo gebaut. Danach wusste ich, wie das funktioniert.“

Arbeit an einem Bambusrohr, das ein Segment eines Didgeridoos werden soll. Hier wird ein Knoten im Inneren weggeraspelt.

Am Anfang standen beim Instrumentenbauer südamerikanische Flöten. „So mit 18, 19 Jahren habe ich angefangen, Flöten zu bauen“, erzählt er. Eines Tages standen Südamerikaner vor seiner Tür und bestellten eine Zampoña, eine südamerikanische Flöte. So sei ein Kontakt zu Chilenen entstanden und zu einer Musikgruppe Namens „Cayuman“. Erst stand Marahrens am Mischpult, dann wurde er zweiter Quena-Spieler. Die Quena ist ebenfalls eine südamerikanische Flöte. Mit der Gruppe war der Bremer viel unterwegs, unter anderem trat die Band im Bremer Veranstaltungszentrum Schlachthof auf. Später spielte der heute 62-Jährige in anderen Gruppen – bis er seine Frau kennenlernte. Um zu Hause sein zu können, gab er das Musikmachen auf und konzentrierte sich auf den Instrumentenbau. 1989 eröffnete er seine erste Werkstatt.

Marahrens baut auch Flöten eines japanischen Typs

Wenn der Instrumentenbauer südamerikanische Flöten spielt, klingt das oft fröhlich. Die Melodien wirken bewegt und lebendig. Dass er heute auch Shakuhachis, Flöten eines japanischen Typs, baut und deren Spiel unterrichtet, hängt ebenfalls mit einer interessanten Begebenheit zusammen. „Ich bin mit einer Gruppe in der Villa Ichon aufgetreten“, berichtet er. Dort kam jemand zu ihm, um ihm seine Shakuhachi zu schenken. „Er sagte, ich glaube, die ist bei Dir besser aufgehoben“, so Marahrens.

Ein Stück Tradition lebt auf: Michael Marahrens spielt die Shakuhachi, eine japanische Flöte. Sein Lehrmeister notierte für ihn traditionelle Stücke.

Es dauerte ein halbes Jahr, bis er die Flöte bekam. Von da an baute er Shakuhachis und widmete sich dem Spiel. Fünf Jahre nahm der Bremer Unterricht bei dem Meister IIkkai Hanada und seiner Tochter Navina Hanada. Der habe die älteste Schule des Shakuhachi-Spiels gelehrt, die Myôjin-Schule, sagt der Flötenlehrer.

Beim Bau der Instrumente orientiert er sich an Vorgaben aus dieser ersten Schule. Er spielt die Flöte nach den Stücken der Schule, weitergegeben vom Meister, in japanischen Zeichen notiert, erzählt er.

Klänge entfalten sich langsam

Ein interessanter Klang entsteht bei einer Kostprobe mit der Shakuhachi . Die Klänge entfalten sich langsam und klar artikuliert, eher eine Meditation. Das Instrument wird nie mit Stößen gespielt, sondern mit purem Druck aus dem Zwerchfell, erklärt er.

Marahrens baut seine Instrumente in Handarbeit, heutzutage selten. Elektrisch sind bei ihm nur eine Bohrmaschine und ein Stimmgerät. Er zeigt, wie er mit einer Raspel an einer Metallstange einen Knoten im Inneren einer Bambusröhre entfernt. Ein Didgeridoo aus einem Stück schafft er in fünf bis sieben Stunden. Ein komplizierteres, mitunter aus zehn Teilen zusammengesetztes Didgeridoo braucht 30 bis 45 Stunden.

Kontakt: Michael Marahrens, Hohentorsheerstraße 160, www.floeten-bau.de

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