Mit und über Menschen mit Down-Sydrom

Ausstellung „Touchdown“: Punktlandung im Park

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Starren nervt – das zeigen Anna-Lisa Plettenberg (l.) und Julian Göpel auf den Bildschirmen in der Ausstellung „Touchdown“. Kuratorin Katja de Braganca starrt hier mit.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Touchdown. Punktlandung auf der Erde. Second Mission einer fremden Intelligenz vom Planeten Kumusi. Vor 5000 Jahren kamen die Vorfahren der Raumschiffsbesatzung. Die Mission erforscht, wie es diesen seitdem auf der Erde ergangen ist. Eine Forschungsreise beginnt. Die Teilnehmer der ersten und der zweiten Mission unterscheiden sich in einem Punkt von der restlichen Erdbevölkerung. Das Chromosom 21 ist bei ihnen dreimal statt zweimal vorhanden. Die Erdbewohner sprechen vom Down-Syndrom.

Die Ausstellung „Touchdown“, entworfen von der Bundeskunsthalle in Bonn mit und über Menschen mit Down-Syndrom, in der Galerie im Park nimmt ab Sonntag die Besucher mit auf die Forschungsreise durch sieben Stationen. Die Forscher müssen sehen, wie die Nachkommen der ersten Expedition von den Erdbewohnern oft genervt werden. Man starrt sie an. Wie das wirkt, zeigen zwei von ihnen gleich im zweiten Ausstellungsraum. Er heißt „Heute – im Hier und Jetzt“. Zwei Bildschirme hängen nebeneinander, darauf laufen zwei Filme. Links starrt Anna-Lisa Plettenberg, rechts Julian Göpel. Eine Endlosschleife. Sie kennen es, angestarrt zu werden, und sie mögen es nicht.

Gegenüber den Bildschirmen steht eine Vitrine mit persönlichen Exponaten. Darunter ist das Imitat einer Schinkenscheibe. Sie steht für die Geschichte von Julia Bartmann. Sie hatte es irgendwann satt, jedesmal an der Wursttheke wie ein kleines Kind gefragt zu werden: „Möchtest Du eine Scheibe Wurst?“ Die 35-jährige möchte wie eine normale Erwachsene behandelt werden. Erwachsene mit Down-Syndrom werden oft für Kinder gehalten.

Down-Syndrom im Verlauf der Geschichte

„Die Unsichtbaren“ heißt ein Raum zu der Rolle der Menschen mit Down-Syndrom in der Geschichte. Die Forscher sind verwundert. Es ist kaum etwas zu entdecken. „Sie wurden einfach als Behinderte eingeordnet“, sagt Ausstellungskuratorin Katja de Braganca. Im „Sachsenspiegel“ aus dem 14. Jahrhundert wird diesen aber das Erbrecht zugesprochen und sie sollten im Rahmen der Familie versorgt werden. „Für die damalige Zeit ist das sehr fortschrittlich“, sagt de Braganca.

Hat sich denn keiner für die Besucher von Kumusi interessiert? Doch, es gab einen Lichtblick: John Langdon Down, Mediziner und Fotograf. Er zeigt in einer Fotoserie von Patienten eine Reihe von Menschen, die sich ähneln, Nachkommen der Crew von Mission Eins. Er war ganz unvoreingenommen und meinte es nicht böse, als er von „mongolischen Zügen“ sprach. Die Forscher sind begeistert von dem Mann. Erklärt werden auch Fakten zur Genetik und Gesundheit von Betroffenen. Ein Phantombild hängt aus, aber keines aus der Fahndung. Daneben wird von einem Bankräuber berichtet, über den nur eins bekannt ist: Er hat das Down-Syndrom.

Die Ausstellung „Touchdown“ in der Galerie im Park auf dem Gelände des Klinikums Ost, Züricher Straße 40, ist bis zum 27. August zu sehen und mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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