„Auf einen Espresso“ mit dem Bremer Tierfilmer Uwe Müller

Puma auf dem Stick

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Einen Datenstick hat Uwe Müller immer beim Dreh dabei.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Für seinen Film „Puma – Jäger der Anden“ war Uwe Müller sechs Monate in der Wildnis, um das scheue Tier zu beobachten und dessen Leben in Bildern festzuhalten. Müller ist für seine Tierfilme mit vielen Preisen ausgezeichnet worden.

In Kino und Fernsehen liefen neben dem Meisterwerk über den Puma von Müller auch „Der Thüringer Wald“ in der Reihe „Wildes Deutschland“, „Das Ende der Gletscher“, „Das Duell der Eroberer““, „Der Berg der wilden Pferde“ und „Gordo – ein Hundeabenteuer am Ende der Welt“.

Beim Filmdreh habe jede Phase ihren Reiz, sagt Müller. Spaß mache schon die Detektivarbeit bei der Recherche. Sie sei notwendig, um einerseits Expertenwissen über die Tiere zu erlangen und andererseits, um die logistische Seite eines Projekts vorzubereiten. Vor Ort zu filmen, sei dann das Stressigste, aber auch das Schönste an einem Projekt, erzählt der gebürtige Sachse. Am Schluss würden die Bilder dann zu Hause im warmen Kämmerlein angesehen, um etwas Schönes entstehen zu lassen.

Müller hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Aus seiner Tasche zieht Müller einen Datenstick. „Darauf ist der Puma-Film gespeichert“, sagt er. Der Stick ist Speicher für die kostbaren Aufnahmen, die fernab einer Steckdose entstanden sind.

Als Tierfilmer brauche man Nerven wie Drahtseile, meint Müller, denn die Protagonisten machten nie, was im Drehbuch steht. „Es ist wie beim Puma“, sagt Müller, „man muss Geduld haben oder man verhungert.“ Neben den erschwerten Bedingungen durch Wetter und Gelände, müsse man ständig wichtige Entscheidungen treffen. „Sonst wartet man womöglich drei Stunden vergeblich an einem Platz und ein paar Meter weiter brummt der Bär“, sagt Müller und lacht. Wochenlang vorbereitete Sequenzen dauerten am Ende oft gerade einmal zehn Sekunden. Wenn man ein Vierteljahr mit einem Zelt in einer unwegsamen Gegend verbringt, seine Familie für lange Zeit nicht sieht, um drei Uhr nachts aufsteht und auf diese Weise sieben Wochen benötigt, um überhaupt einen Puma zu finden, sei das unangenehm, sagt Müller. Belohnt wurde er durch einzigartige Aufnahmen von einer Puma-Mutter mit ihren Jungen. Die schönste Begegnung während der insgesamt über drei Jahre Drehzeit findet sich nicht im Film. Zwei einjährige Pumas lagen gerade einmal zehn Meter vor ihm im Gras, sahen ihn an und „re laxten“. Müller habe ihnen etwas erzählt und sie hätten zugehört, sagt der Bremer. Weil in der Szene nicht viel passierte, durfte die Kamera aus bleiben. Im Laufe eines Drehs entstehe eine Bindung zu den Tieren, erzählt der Tierfilmer.

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Müller:Ich bin 1988 aus Ostdeutschland erst nach Gießen gezogen und dann wegen meiner Verwandten in Bremen an die Weser gekommen. Bremen ist seit langer Zeit meine zweite Heimat und eine Stadt, in der man sich ganz wohl fühlen kann.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Müller:Das Weserstadion (lacht, beim 0:5 gegen Dortmund war er nicht dabei). Ich bin gern an der Weser, beim Bürgerhaus Weserterrassen und am Café Sand.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Müller:Auf jeden Fall die eben genannten Punkte. Dann die Kunsthalle, das Universum. Es kommt ganz drauf an, wer kommt. Es gibt viele schöne Ecken. Man kann auch durchs Steintor bummeln.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Müller:Der Puma, und immer das Tier, über das man einen Film dreht. Vom Aussehen und der Statur ist es aber die imposante Raubkatze, wenn man ihr so nahe gewesen ist. Bei den Haustieren ist es eher ein Bernhardiner.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Müller:Ausschlafen, nichts machen, ein Buch lesen. Da komme ich nur im Flieger zu, denn im Tarnzelt kann man nicht weggucken, sonst verpasst man den entscheidenden Moment.

Was macht Sie schwach?

Müller:Eigentlich weiß ich nichts.

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