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„Challenge“: Jugendliche suchen Antworten zu Europa-Fragen

Levi Hepp (links) und Nele Haerkötter tauschen bei der ersten „Europa-Challenge Bremen“ vor laufender Kamera ihre Meinungen zu einem föderalen Europa aus. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. 60 Jugendliche im Alter von 14 Jahren bis Mitte 20 aus verschiedensten Stadtteilen Bremens haben Fragen zu Europa. In kleinen Gruppen suchen sie Antworten. Die meisten von ihnen sind 16 bis 18 Jahre alt. Ein Blog-Team an vier Rechnern ist die ganze Zeit damit beschäftigt, die unterschiedlich aufbereiteten Antworten in den Online-Blog einzustellen. Stolze zehn Stunden dauerte im Martinshof in der Neustadt die erste „Europa-Challenge Bremen“.

In Zeiten der EU-Krise geht es für die Jugendlichen schnell ans Eingemachte. Der 18-jährige Levi Hepp und die 15-jährige Nele Haerkötter, beide vom Hermann-Böse-Gymnasium, machen sich für Filmaufnahmen bereit. Levi verteidigt die Idee eines föderalen Europas, Nele will dichter am Status-Quo bleiben und keinen vollständigen Föderalismus. Die Leuchten stehen, die Kameras laufen. „Europa sollte gerade in Anbetracht der aktuellen nationalistischen Strömungen gestärkt werden. Dennoch sollten Staaten eigene Befugnisse behalten“, sagt Nele. Die Bedingungen seien zu verschieden. Levi will allerdings auch nicht alles nach Brüssel verlagern. „Die nationale Souveränität würde nicht verlorengehen. Die Staaten sollen auf ihre Gegebenheiten und ihre Kultur vor Ort reagieren. Aber Probleme wie die Flüchtlingskrise oder den Umweltschutz kann man nicht auf nationaler Ebene lösen“, sagt er.

Etwas später ist alles im Kasten. Die beiden Schüler gehen in eine Diskussion zum Thema „Wieso hat die EU keine eigene Armee?“. Das interessiert etliche Schüler. Levi verweist auf „Frontex“. „Da muss jedes Land Mittel und Personal einbringen. Dort zeigt sich, dass es klappt“, sagt er. Paula Millies, am Alten Gymnasium in der 10. Klasse, würde einer Europa-Armee auch als zivile Hilfe verstanden wissen wollen. „Man sollte die gar nicht nur mit dem Thema Krieg verbinden. Sie sollte auch in der Flüchtlings- und Katastrophenhilfe eingesetzt werden. Das sind auch wichtige Einsatzbereiche“, sagt sie.

„Die Bereitstellung militärischer Mittel ist kein Problem, aber der Verzicht auf die nationale Kontrolle“, sagt Jan Leiße, am Alten Gymnasium im Jahrgang 11. Schnell wird vermutet, dass viele Länder da nicht bereit sein. Es gehe ja doch um Prestige und nationale Stärke. Also weiter nationale Armeen und eine separate Europa-Armee dazu für spezielle Aufgaben? Schließlich zeichnen mehrere Jugendliche an einem Comic, in dem Menschen die verschiedenen Standpunkte verkörpern sollen. Der wird allerdings nicht pünktlich vor der nächsten Diskussion fertig. Aber der Tag ist noch lang genug, um ihn aufs Papier und ins Netz zu bringen. Die Antworten in Text- und Film-Form oder auch gezeichnet finden sich im Netz.

www.100-fragen-an-europa.eu

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