Kein Platz für alle Fans

Astrophysiker und TV-Moderator Harald Lesch plaudert über sein Leben

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Energisch, herzlich, gesprächig – Harald Lesch im Rangfoyer des Bremer Theaters.

Bremen - „Wenn ich vor 20 Jahren auf die Welt gekommen, wäre ich wahrscheinlich so ein totaler Nerd geworden“, sagt der Astrophysiker und Fernsehmoderator Harald Lesch (59). Doch als er jung gewesen sei, seien Nerds Menschen mit Fotos der Gemini-Raumschiffe gewesen. 250 Zuschauer sind am Sonnabend ins Rangfoyer des Bremer Theaters gekommen, um Lesch als „Wintergast“ der Radio-Bremen-Reihe zu erleben. Der Andrang ist so groß, dass viele Fans draußen bleiben müssen.

Ein Schlüsselerlebnis für Lesch ist die Mondlandung, die er als Neunjähriger im Fernsehen sieht. Als Zehnjähriger schreibt er einen Brief an die Nasa und bekommt sogar eine Antwort: Da er eine Brille trägt und Deutscher ist, könne er kein US-Astronaut werden. Aber in dem Brief steht auch ein Tipp: Er solle es vielleicht als Astronom versuchen.

Die Zuschauer erfahren, dass Lesch in der Kneipe der Großeltern schon mit fünf Jahren Skat lernt, gut reizen kann und sich in dem dafür relevanten Zahlenraum auch auskennt. Doch in der Schule braucht er Förderunterricht in Mathe. Nach einem Schädelbasisbruch in der Oberstufe ist er plötzlich eine mathematische Hochbegabung. Er schreibt sein Abitur ein halbes Jahr vorgezogen mit der Note 1,5.

„Ich bin Sternpathologe“, so beschreibt Lesch sich heute selbst. Am Ende seines Lebens breche ein Stern zusammen. Dann zeige er Materiezustände, die es sonst nicht gibt. „Man kann gucken, ob unsere Naturgesetze überall im Universum gültig sind. Und ich kann sagen, Gott sei Dank, ja.“ Moderator Tom Grote erfährt, dass er zu 92 Prozent aus Sternenstaub besteht. Und natürlich auch das Publikum. „Dies Material ringsherum, das hier sitzt und sich freut, das ist applaudierende Sternenmaterie.“

Sein Tun bringt Lesch nicht nur angenehme Erfahrungen. Ein Thema: Hass-Mails. „Ich glaube an die Macht der Aufklärung. Da bin ich gnadenlos“, sagt Lesch. „Wenn ein Argument sich als falsch erweist, kann ich nur sagen, nimm‘s nicht persönlich.“ Die Anfeindungen würden teilweise skurrile Züge annehmen. „Wieso bringt es jemanden dazu, mich zu hassen, wenn ich behaupte, dass Moleküle Infrarotstrahlung absorbieren? Ich kenne keines dieser Moleküle persönlich. Wie kann das jemand persönlich nehmen?“, sagt Lesch. Es folgen Lacher und Applaus. Seine humorvolle kommt an. Der Spezialist für tote Sterne sagt einiges zur politischen Gegenwart. Das Thema Klimawandel müsse aus der Parteienpolitik rausgenommen werden und Staatsräson sein. Viel Geld warte darauf, investiert zu werden, aber nicht in die Finanzbranche, sondern in die Arbeitswelt, dort, wo es um Menschen gehe.

Nach dem Talk signiert Lesch Bücher. „Ich find es immer wieder faszinierend, dass Harald Lesch zu fast allem eine Meinung hat. Er kann ohne Pause immer weitererzählen und hat eine wissenschaftlich fundierte Meinung, hinter der er auch persönlich steht“, sagt Arjan Hölke (31) aus Bremen.

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