WM-Finale im Kino: Angeklagter wird zu sieben Jahren Haft verurteilt

Messer statt Worte

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Kurz vor der Urteilsverkündung: Leard K. (23) zusammen mit seinem Verteidiger Carsten Scheuchzer. Wenige Minuten später wird der Angeklagte vom Landgericht Bremen wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Bremen - Von Steffen Koller. Sieben Jahre Haft wegen Totschlags: Das Landgericht Bremen hat heute unter hohen Sicherheitsvorkehrungen das Urteil gegen Leard K. (23) gesprochen. Das Gericht hält es für erwiesen, dass der junge Mann am Finalabend der Fußball-WM einen 19-Jährigen im Kino „Cinemaxx“ erstochen hat.

Während der Angeklagte das Urteil ohne Regung aufnahm, kündigte sein Anwalt Revision an. „Wir können nicht genau sagen, wie Ihr Sohn gestorben ist“, sagte Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel an den Vater des Opfers gewandt, „wir wissen nur, es war keine Notwehr.“ Lätzel, die wie alle anderen Verfahrensbeteiligten seit Januar auf der Suche nach Antworten war, musste zugeben, dass sich trotz 49 Zeugen kein „hundertprozentiges Bild“ vom Tathergang ergeben hatte.

„Wer das meint, irrt.“ Und doch kam das Gericht zum Schluss, dass der Angeklagte am Abend des 13. Juli den Abiturienten aus Osterholz-Scharmbeck getötet hat. Er hätte anders handeln können, so die Kammer, eine Notwehrlage habe nicht vorgelegen. Darauf hatte der Verteidiger des Angeklagten, Carsten Scheuchzer, während seines Schlussplädoyers vergangene Woche plädiert – Staatsanwalt Ingo Rathke hatte achteinhalb Jahre Haft gefordert. Doch das Gericht habe in mehr als sieben Monaten Verhandlung deutliche Hinweise erhalten, dass der heute 23-Jährige mit „bedingtem Tötungsvorsatz“ agierte, so Lätzel, die den Tatabend wie folgt rekonstruierte: K. sei zusammen mit Freunden im „Cinemaxx“ gewesen. Auch das spätere Opfer schaut sich dort mit Freunden das Endspiel an. In der 107. Spielminute fällt das Bild aus, die Stimmung kippt, Gegenstände fliegen durch den Saal, beide Gruppen, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, beleidigen sich. Wie der Streit genau abgelaufen sei, könne heute niemand sagen, meinte Lätzel. Das Wort „Hurensohn!“ sei gefallen. Von wem und in welchem Zusammenhang, auch das scheint unklar.

Klar ist nur, dass Freunde des Opfers auf K. zugehen, sie „wollen das klären“. Für Leard sei „Rückzug kein gangbarer Weg gewesen“, sagte Lätzel. Der heute 23-Jährige fühlt sich bedrängt, muss Schlägen ausweichen, so das Gericht. Dann sticht er „kraftvoll“ und in einer für ihn „unkalkulierbaren Situation“ zweimal mit einem Messer auf den Oberkörper des Opfers ein. Wenig später ist der junge Mann tot. Für die Kammer stand fest, dass entgegen der Meinung von K. ein Rückzug jederzeit möglich gewesen wäre. Dies hätten mehrere Zeugen bestätigt. Stattdessen habe Leard „als letztes Mittel eine lebensgefährliche Waffe benutzt“.

Erschwerend komme hinzu, dass der 23-Jährige bereits mehrfach vor Gericht stand, unter anderem wegen Körperverletzung. Aber auch das Verhalten der anderen Gruppe rügte Lätzel: „Die Zeiten der Selbstjustiz sind vorbei.“ Damit spielte sie unter anderem auf die massiven Drohungen zu Beginn des Prozesses an. Am ersten Verhandlungstag im Januar waren der Angeklagte, sein Verteidiger, Richterin und Staatsanwalt massiv mit dem Tod bedroht worden. Es werde ein „Massaker im Gericht“ geben, hatte es in einer E-Mail geheißen.

Die gestrige Urteilsverkündung verlief hingegen ruhig. Verteidiger Carsten Scheuchzer ließ keinen Zweifel daran, dass er in Revision gehen wird. Er halte die Begründung des Gerichts für „zu einschränkend“. Scheuchzer gab aber auch zu: „Die Hoffnung ist sehr klein, machen wir uns nichts vor.“

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