Prunk zeigt Staatsmacht

Landesamt für Denkmalpflege stellt zweiten Band zu Historismus und Gründerzeit vor

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Ein Prachtbau des Historismus: das ehemalige Polizeihaus, heute Sitz der Zentralbibliothek.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Noch heute sieht man die Pracht, mit der sich das Kaiserreich zeigte. Das Gerichtsgebäude, Sitz des Bremer Landgerichts, greift mit seinen vielen Verzierungen die christliche Ethik auf: Die zehn Gebote und weitere Kardinaltugenden stehen über dem Eingang. Löwen- und Drachenköpfe sind ebenfalls zu sehen.

Über dem Eingang des Polizeihauses, heute Sitz der Zentralbibliothek, stehen zwei neckische, geflügelte Kindergestalten mit Polizeihelmen und einer viel zu groß geratenen Bewaffnung. Sie lassen die Inszenierung des trutzigen Stadttores an der Gebäudefront etwas weniger bedrohlich erscheinen. Das ehemalige Postamt an der Domsheide, heute genutzt von der katholischen St.-Johannis-Schule, beeindruckt mit Renaissance-Pracht.

Der Historismus hat Bremen stark geprägt

Jeder kennt diese drei großen Bremer Gebäude. Sie entstanden zwischen 1875 und 1908 in der Epoche des Historismus, in der ältere Stile, etwa aus der Renaissance, wieder aufgegriffen und kombiniert werden. „Diese Epoche hat Bremen sehr stark geprägt“, sagt Georg Skalecki, Leiter des Landesamts für Denkmalpflege. Darum erscheint mit Band 14 in der Reihe „Denkmalpflege in Bremen“ mit „Historismus und Gründerzeit II“ erstmals ein Fortsetzungsband.

„Schon bei der Arbeit am vorigen Band war schnell klar, dass wir eine Fortsetzung brauchen. Es sind einfach sehr viele solcher Bauten in Bremen“, sagt Rolf Kirsch, Leiter des Redaktionsteams. Während der Vorgängerband stark auf die wirtschaftlichen Grundlagen der starken Bauaktivität zur Zeit des Historismus eingeht, bleibt der neue Band ganz nah und konkret an den Bauwerken. Die historistische Bautradition ist auch bei vielen Bremer Banken heute noch zu sehen. Marie Schneider betrachtet die Geschichte der heute noch eindrucksvollen historistischen Gebäude ausgehend vom Domshof, dem Bankenzentrum der Stadt. Die Vielzahl der Gebäude ist überraschend. Man kennt sie, denn ihre Lage ist exponiert.

Heinrich Müller prägt das Gesicht der Stadt über Jahre

Uwe Schwartz begibt sich in einem Aufsatz auf die Spuren des in Oberneuland geborenen Architekten Heinrich Müller. Eine Karte zeigt, was dieser alles gebaut hat und was davon noch steht. Noch zu sehen ist die 1860 fertiggestellte Kirche Unser Lieben Frauen. „Müller war Platzhirsch unter den Architekten. Gegen ihn musste man sich behaupten. Viele Architekten suchten deshalb das Weite“, sagt Schwartz. Die Arbeit Müllers sorgte für einige Konflikte, wegen des Abrisses älterer Bauten zugunsten der Bremer Börse. Ein Bürgerschaftsbeschluss ebnete dann den Weg für den Abriss. Zwar versuchte Müller, jegliche optische Konkurrenz mit dem Rathaus zu verhindern, doch viele Bremer fanden, die Börse stört am Marktplatz, und sie waren froh, dass sie im Zweiten Weltkrieg einen Bombentreffer abbekommen hat. Heute steht an der Stelle das Haus der Bürgerschaft, dahinter ist ein Teil des alten Bauwerks erhalten.

Der 124 Seiten starke Band „Historismus und Gründerzeit II“ enthält viele Fotos und Darstellungen. Er ist für 5,90 Euro zu haben. Der Vorgängerband wurde den Angaben zufolge „sehr gut verkauft“. Etwa zwei Drittel der Auflage von 1 500 Exemplaren sind bereits weg.

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