Prozessauftakt vor dem Landgericht / Anwalt scheitert mit Antrag

Werder-„Ultra“ schweigt

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„Free Valentin“: Der Angeklagte macht beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Werbung in eigener Sache.

Bremen - Von Steffen Koller. Bremen Bremen - Von Steffen Koller. Seit gestern müssen sich Valentin S., Daniel M. (beide 21) und Georg S. (23) vor dem Landgericht Bremen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verantworten. Der Verhandlungsauftakt war von großer Polizeipräsenz geprägt, rund 40 Sympathisanten der linken „Ultra“-Szene waren als Zuschauer gekommen.

Lange Schlangen an der Einlasskontrolle, mehrere Mannschaftswagen der Polizei vor dem Gerichtsgebäude, Spürhunde, Kamerateams: Das Interesse am Prozess gegen den Werder-Ultra „Valentin“ und zwei weitere Männer war groß. Den zwei Mitangeklagten wirft die Staatsanwaltschaft jeweils in drei Fällen unter anderem gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vor. Valentin selbst ist in sieben Fällen angeklagt. Seit Juni 2015 sitzt der 21-Jährige mit Unterbrechung in Untersuchungshaft.

Der junge Mann, der mit schwarzem Jogginganzug und einer Mappe mit „Free-Valentin“-Aufdruck vor der Jugendstrafkammer erschien, soll nach Einschätzung von Staatsanwalt Benedikt Bernzen im April 2015 beim Nordderby zwischen Werder und dem Hamburger SV einen Mann „aufgrund seiner vermeintlich rechten Gesinnung“ geschlagen und getreten haben. Danach, so Bernzen, warf er dem Mann einen Blumenkübel an den Kopf. Außerdem habe er mehrfach andere Menschen „grundlos und überfallartig“ zusammengeschlagen. In allen Fällen war wohl die politische Geisteshaltung der Opfer Auslöser für die Angriffe.

Die Anwälte der Angeklagten sahen die Sachlage deutlich anders gelagert. Besonders der Verteidiger von Valentin S., Rechtsanwalt Horst Wesemann, sprach in einer 40-minütigen Erklärung davon, dass sein Mandant „zum Objekt des Verfahrens“ gemacht werde und dies widerspreche rechtsstaatlichen Grundsätzen. Zudem bestehe der „Verdacht, dass einseitige Ermittlungen gegen antifaschistische Kräfte geführt werden“. Wesemann forderte sogar die Einstellung des Verfahrens. Dem Antrag gab die Kammer nicht statt. Vielmehr appellierte der Vorsitzende Richter Manfred Kelle an die Angeklagten, ihre Sicht der Dinge zu schildern und somit Einblick in Motivlage und Seelenleben zu geben. „Das Gericht ist nicht grundsätzlich abgeneigt, Ihnen eine neue Chance zu geben“, machte Kelle in Richtung Valentin klar. Valentin S. musste im Juli 2015 in Untersuchungshaft, kam dann im November unter Auflagen wieder frei. Fünf Wochen später entschied das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG), dass der Haftbefehl gegen den 21-Jährigen wieder in Vollzug gesetzt werden soll. Keiner der Angeklagten äußerte sich gestern zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am nächsten Montag fortgesetzt. Mit einem Urteil ist frühestens im Juni zu rechnen.

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