„Ohne Rücksicht auf Verluste“

Prozess gegen Motorradfahrer fortgesetzt: Zeugen belasten Angeklagten

Auftakt Mordprozess gegen Motorradfahrer
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Der Angeklagte hält am 12. Dezember im Bremer Landgericht einen Ordner vor sein Gesicht.

Bremen - Von Steffen Koller. Der wegen Mordes angeklagte 24-jährige Motorradfahrer, der im Juni einen Mann (75) getötet haben soll, hat sich am Donnerstag vor dem Landgericht Bremen ausführlich zu dem Unfall geäußert. Zwei unmittelbare Zeugen belasteten den jungen Mann außerdem schwer. Er sei „ohne Rücksicht auf Verluste“ auf die Kreuzung zugefahren.

Mehr als 30 Videos kursierten im Netz, mehr als 83 000 Abonnenten folgten dem 24-Jährigen, der sich auf Youtube „Alpi“ nannte. Heute ist der Kanal gelöscht, der junge Mann sitzt in Untersuchungshaft. Mit seinen Fahrten zog er nicht nur die Aufmerksamkeit seiner Fans auf sich. Auch die Polizei verfolgte das Treiben des Studenten kurz vor der tödlichen Kollision mit großem Interesse. Ein Zeuge (59), selbst passionierter Biker und Polizist, war kurz vor dem Unfall privat mit seinem Motorrad unterwegs, als ihn der Angeklagte „waghalsig und mit extrem hoher Geschwindigkeit“ überholt habe. Knapp sei das damals gewesen, „sehr knapp“.

Etwa 15 Minuten später, gegen 21.38 Uhr, so rekonstruieren es die Ermittler, kam es dann zum Zusammenprall. An einem Baustellenbereich in Walle hat der 75-Jährige die Straße bei „Rot“ passiert, wurde vom Motorrad erfasst und durch die Luft geschleudert. Er starb noch an der Unfallstelle.

„Ich krallte in den Lenker und hoffte, es geht alles gut“

Zuvor hatte es, so die Staatsanwaltschaft, ein weiteres riskantes Fahrmanöver des 24-Jährigen gegeben, bei dem ein Auto beschädigt worden war. Für den Angeklagten sei das damals „nichts Besonderes“ gewesen, sagt er. Auf der anschließenden Flucht sei es dann zur Kollision mit dem Rentner gekommen. War dem Zeugen der Unfall zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, sei „Alpi“ schon Tage vorher ins Visier der Polizei geraten – wegen Raserei, über die sich Anwohner beschwert hätten, sagte der 59-jährige Zeuge. Der Angeklagte selbst gibt am Donnerstag zu, dass er zu schnell an die Ampelkreuzung gefahren sei, wie schnell könne er nicht mehr sagen. Vielmehr sei er damit beschäftigt gewesen, dem Mann auszuweichen. „Ich krallte in den Lenker und hoffte, es geht alles gut.“ Gut ging letztlich nichts, wie auch der Unfallbericht zeigt. Der Aufprall war so heftig, das sogar der Tachometer aus der Verankerung gerissen wurde.

Blumen und ein Holzkreuz erinnern auf einer Kreuzung im Stadtteil Walle an den Tod eines 75 Jahre alten Mannes, der im vergangenen Juni hier von einem Motorradfahrer überfahren wurde.

Zwei Zeugen (16 und 17 Jahre) sagen gestern, sie hätten den Eindruck gehabt, dass der Fahrer vor der Ampel noch beschleunigt habe. „Mindestens 100 km/h hatte der drauf“, so einer von ihnen. Der Angeklagte sei „ohne Rücksicht auf Verluste“ auf die Kreuzung zugefahren, sagt der andere. Bremsmanöver hätten sie nicht wahrgenommen. Kurz vor dem Zusammenstoß habe das spätere Opfer noch mit einem Lächeln zu den Jungs gesagt: „Ich bin jetzt auch mal cool“, dann habe er die rote Ampel überquert und wurde erfasst. Alle Versuche ihn zu warnen, brachten nichts. „Es ging so schnell. Dann lag der Mann regungslos auf dem Boden.“

Verteidiger Bernhard Docke deutet Donnerstag an, dass es durchaus ein Bremsmanöver seines Mandanten gegeben habe, Zeugen könnten dies bestätigen. Letztlich wird wohl nur ein Sachverständiger für Aufklärung sorgen können. Dieser ist fürs kommende Jahr geladen, der Prozess wird am 5. Januar fortgesetzt.

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