Staatsanwältin für Bewährung

Prozess nach Brandanschlag: T-Shirt aus, Feuer an

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Der Angeklagte (r.) mit Verteidiger Matthias Jung.

Bremen - Von Steffen Koller. Mehr als fünf Jahre ist es her, da tränkte ein heute 30-Jähriger sein T-Shirt mit Grillanzünder und legte Feuer vor dem Haus einer türkischen Familie. Wie berichtet, steht der Mann nun vor dem Landgericht und muss sich unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Volksverhetzung verantworten. Am Freitag wurde die Beweisaufnahme geschlossen.

Staatsanwältin Lisa Ravens plädierte auf eine Haftstrafe, die zur Bewährung auszusetzen sei. Sie fand klare Worte für die Tat des Mannes. Er habe sich „null um Ausmaß und Art des Feuers“ geschert. Er habe billigend in Kauf genommen, dass die Mutter und sechs schlafende Kinder verletzt werden, als der damals 25-Jährige in der Nacht vom 27. auf den 28. August 2012 Feuer vor der Haustür der Familie legte.

Dabei, so ergab es die Beweisaufnahme, sollte jener 27. August eigentlich ein gemütlicher Grillabend mit Freunden werden. Es habe zwar schon seit längerem Probleme mit der Familie gegeben, die in der Nachbarschaft wohnte. An einen Brandanschlag dachte zu diesem Zeitpunkt niemand, auch der Angeklagte nicht.

„Untaugliche Zeugen“

Doch es kam anders. Gegen 3 Uhr und nach dem Genuss „erheblicher Mengen“ hochprozentigen Alkohols (2,8 Promille) habe der Angeklagte das Feuer gelegt. Kurz zuvor soll er einen Mann mit „Ausländer-raus“-Rufen bedacht haben, davon wisse er aber heute nichts mehr. Vieles blieb im Prozess unklar, was mit der großen Zeitspanne zwischen Tat und Verhandlung zusammenhänge, sagte Ravens. Zum anderen sei es auch auf die zum Teil „untauglichen Zeugen“ zurückzuführen, die ebenfalls viel getrunken hatten.

Als das Feuer bereits eine Höhe von etwa einem Meter hatte, wurden Bewohner des Hauses auf die Flammen aufmerksam. Sie löschten das Feuer, niemand wurde verletzt. „Dennoch hing es allein vom Zufall ab, dass das Feuer sich nicht weiter ausbreitete“, erläuterte Ravens. Nachdem der damals 25-Jährige das Feuer legte, hatte er mit einer Holzlatte das Fenster der Haustür eingeschlagen.

„Zwei Personen zur falschen Zeit am falschen Ort“

Seine Freunde hätten dabei zugesehen. Statt einzugreifen, „amüsierten sie sich“. Ravens beantragte eine zweijährige Haftstrafe, die zur Bewährung auszusetzen sei. 3 000 Euro soll der Mann an ein psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge zahlen.

Für Matthias Jung, Anwalt des 30-Jährigen, seien „zwei Personen an diesem Abend zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen. Die Stimmung habe sich speziell durch einen Gast aufgeheizt. Als dann ein Bewohner des später angezündeten Hauses auftauchte, habe sich eine „Eigendynamik“ entwickelt, auf die sein Mandant keinen Einfluss hatte. Jung beantragte ebenfalls eine Bewährungsstrafe, ohne ein Strafmaß zu nennen. – Urteilsverkündung: Dienstag, 13. März.

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