Mordprozess: Gutachter sehen keine Hinweise für einen erheblichen Rauschzustand

„Sehr geordnete“ Stiche

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Auf diesem Sportplatz in Gröpelingen wurde Anfang Oktober 2014 ein 15-Jähriger mit 27 Messerstichen getötet. Für die Tat müssen sich drei Angeklagte im Alter von 18 und 20 Jahren vor dem Landgericht verantworten.

Bremen - Von Steffen Koller. Der Prozess gegen drei Jugendliche, denen die Staatsanwaltschaft schwere Körperverletzung, versuchten Totschlag und Mord an Rolf S. (15) vorwirft, steht kurz vor dem Abschluss. Gestern wurden die psychiatrischen Gutachten der Sachverständigen verlesen, die Beweisaufnahme am Landgericht Bremen ist somit beendet.

Die Große Jugendstrafkammer um den Vorsitzenden Richter Christian Zorn hatte sich ein strammes Programm für den Verhandlungstag vorgenommen. Doch nach fast sieben Stunden wurden lediglich die Gutachten zu Fabian W. (18) und Jan G. (20) verlesen, die abermals tiefe Einblicke in die Psyche der beiden Hauptangeklagten lieferten. Im Kern geht es dem Gericht darum, ob Fabian und Jan nach einer Verurteilung ins Gefängnis müssen oder ihre Haftstrafe in einer psychiatrischen Klinik abzusitzen haben. Beide Jugendlichen haben die Tat bereits gestanden, nur ist bislang fraglich, ob sie auch schuldfähig sind.

Fabian und Jan haben nach eigener Aussage in der Nacht zum 1. Oktober 2014 zusammen mit der Angeklagten Sandy B. (18) den 15 Jahre alten Rolf zusammengeschlagen und später, ohne Sandy, mit 27 Messerstichen in den Hals umgebracht. Jan habe zugestochen, Fabian Schmiere gestanden. Sandy sei nach der Prügelattacke nicht wieder auf den Sportplatz in Gröpelingen zurückgekehrt, ließ sie durch ihre Verteidigerin verlesen.

Wie bereits zu einem früheren Zeitpunkt der Verhandlung durch Jugendgerichtshelfer angedeutet, bestätigten gestern auch die Sachverständigen, dass sowohl Jan als auch Fabian nicht auf dem geistigen Stand eines Erwachsenen seien. Somit scheint eine Verurteilung nach dem Jugendstrafgesetz sehr wahrscheinlich. Fabian, der als Frühchen zur Welt kam, litt laut Gutachten bereits mit vier Jahren an einer „mentalen Entwicklungsstörung“. Im Laufe seines noch jungen Lebens entwickelte Fabian eine „kombinierte Persönlichkeitsstörung“. Er versuchte mehrfach, sich das Leben zu nehmen, bedrohte seine Mutter und brach seinem Vater im Streit die Nase. Kurz vor der Tat auf dem Sportplatz in Gröpelingen sei er von zu Hause ausgerissen.

Ähnlich verlief Jans Kindheit, der ohne Vater aufwuchs und schon früh anfing, sich selbst zu verletzen. Der Gutachter sprach von einer „schwierigen Biographie“ und einer „Störung des Sozialverhaltens“, was sich bei beiden in einem „Mangel an Empathie und naiv-kindlichem Verhalten“ zeige.

Für Jan käme laut Gutachten die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik infrage. Bei Fabian wäre aufgrund seines „schädlichen Gebrauchs von Alkohol und Cannabis“ auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt möglich, so das Gutachten. Die Stellungnahme zu Sandy soll heute verlesen werden.

Fabian und Jan hatten in ihrer Erklärung angegeben, sich aufgrund massiven Alkoholkonsums kaum an etwas erinnern zu können. Beide Gutachter kamen jedoch zum Schluss, dass es „keine Hinweise auf einen erheblichen Rauschzustand“ gebe. Gerade bei den tödlichen Messerstichen „erfolgten die Handlungen sehr geordnet“, lautete das Fazit des Gutachters. Er sagte: „Es gibt keine Anhaltspunkte für eine erheblich geminderte Steuerungsfähigkeit während der Stiche.“

Heute sollen die Schlussplädoyers der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage sowie der Verteidigung gehalten werden. Ein Urteil wird für Montag erwartet.

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