Prozess um getöteten Schüler bringt grausige Details ans Tageslicht / Eltern verlassen den Gerichtssaal

„Ich habe jemanden umgebracht!“

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Jan G. (20, vorne) und Fabian W. (18) müssen sich vor dem Landgericht Bremen wegen Mordes verantworten.

Bremen - Von Steffen Koller. Es ist eine Tat von unfassbarer Brutalität, die selbst erfahrene Polizisten zutiefst berührt: Im Prozess gegen drei Jugendliche, die Rolf S. (15) auf einem Sportplatz in Gröpelingen mit 27 Messerstichen getötet haben sollen, kamen gestern vor dem Landgericht Bremen grausige Details über die Tatnacht ans Licht. Den 18 bis 20 Jahre alten Angeklagten drohen wegen schwerer Körperverletzung und Mordes lange Haftstrafen.

Eigentlich sei Jan ein „feiner Kerl“, sagt ein 19-jährige Schüler als Zeuge zum Vorsitzenden Richter Christian Zorn, doch am frühen Morgen des 1. Oktober 2014 habe Jan G. (20) ihn, seinen besten Freund, angerufen und ihm gestanden: „Ich habe Scheiße gebaut! Ich habe jemanden umgebracht!“ Der 19-Jährige glaubt an einen Scherz. „Doch Jan hat geweint, da wusste ich, es ist was passiert.“ Jan und der Schüler, der gestern vor dem Landgericht aussagt, kennen sich schon länger, doch auch für ihn ist die mutmaßliche Tat unbegreiflich: „Warum nur hat er das gemacht?“

Was genau in der Nacht passiert ist und warum Rolf sterben musste, weiß auch er nicht. Staatsanwalt Jan Möhle rekonstruiert das Geschehen so: Zunächst hätten der Getötete, die drei Angeklagten und eine weitere Person bei Jan Alkohol getrunken und Joints geraucht. Rolf sei es schlecht gegangen, er habe sich übergeben, was Jan sehr wütend gemacht habe. Gegen 4 Uhr seien die Angeklagten sowie der Schüler auf einen Sportplatz gegangen. Weil Rolf „Sandy angebaggert“ haben soll, traten und prügelten die drei solange auf den Schüler ein, bis er regungslos am Boden lag. Den schwerverletzten Schüler ließen die drei zurück. Dies ließen Sandy B. und Fabian W. vor einer Woche durch ihre Anwälte erklären. Nach der Tat sollen sie in Jans Wohnung gegangen sein. Dort habe dieser den Entschluss gefasst, Rolf „abzustechen“, damit er die vorangegangene Tat nicht anzeigen könne. Mit 27 Messerstichen in den Hals soll Jan Rolf letztlich umgebracht haben, so heißt es in der Erklärung. Fabian habe Schmiere gestanden, Sandy sei in der Wohnung geblieben. Jan schweigt bislang zu den Vorwürfen. Stunden nach der Tat alarmierten die drei die Polizei. Den Beamten bot sich ein grausames Bild, wie ein Polizist (42) gestern bestätigt. „Das sind Sachen, die man nicht mehr vergisst“, sagt der Mann, dem aufgefallen sei, dass die Angeklagten keinerlei Reaktion gezeigt hätten. Weder hätten sie geweint noch aufgelöst gewirkt. „Die standen regungslos da. So abgebrüht kann man doch nicht sein!“

Für Rolfs Eltern wird die seelische Belastung zu groß. Sie verlassen den Saal, bevor die Notärztin (35), die als erstes am Tatort war, ihre Aussage macht. Sie spricht von „massiven Schwellungen im gesamten Kopf- und Gesichtsbereich“. Rolfs Körpertemperatur lag beim Eintreffen der Ärzte unter 28 Grad, um 7.22 Uhr brachen die Ersthelfer alle Versuche der Wiederbelebung ab. Auch den Ausführungen des Rechtsmediziners (45), der Rolfs Leiche obduziert hat, wollen die Eltern nicht folgen. Der Mediziner bestätigt, dass Rolf nicht mehr bei Bewusstsein war, als auf ihn eingestochen wurde. Ob allein die Schläge und Tritte tödlich hätten sein können, kann der Mann nicht ausschließen. „Fest steht: Das Opfer ist sowohl verblutet als auch am eigenen Blut erstickt.“

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