Nachbarn: „Totaler Angsthase“

Prozess um erschlagene Schwangere: Geliebt, geschlagen, getötet

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Der 40-jährige Angeklagte (mit Mappe) schilderte am zweiten Verhandlungstag in einer Erklärung, wie er seiner Ehefrau mit einem Ziegelstein mehrfach auf den Kopf schlug.

Bremen - Von Steffen Koller. Im Januar dieses Jahres starb eine 40-jährige Frau – und mit ihr das ungeborene Kind. Erschlagen mit einem Ziegelstein, vom eigenen Ehemann. Seit Juli muss sich der 40-Jährige wegen Totschlags und Schwangerschaftsabbruch in einem besonders schweren Fall vor dem Landgericht Bremen verantworten. Am Dienstag sagten Nachbarn des Angeklagten aus. Sie zeichnen ein Bild vom Mann, das so gar nicht zu dieser grausigen Tat passen will.

Unverständnis. Absolutes Unverständnis herrscht in Saal 249 des Landgerichts. Immer wieder fragt die Zeugin (53) in Richtung der Anklagebank: „Warum hat er das getan? Warum?“ Die Frau weint und sagt mit zitternder Stimme: „Er hat sie doch so geliebt. Über alles.“ Weder sie noch ihr 55 Jahre alter Ehemann, der ebenfalls als Zeuge über den Tattag und die Jahren vor dem furchtbaren Angriff aussagt, können verstehen, wie es dazu kommen konnte. Sie können nicht glauben, dass der 40-jährige Kurde Mitte Januar seine Ehefrau mit einem Ziegelstein mehrfach auf den Kopf geschlagen hat und so nicht nur ihrem Leben ein jähes Ende bereitete, sondern auch das Leben des gemeinsamen ungeborenen Kindes auslöschte. Drei Wochen später sollte es zur Welt kommen. „Es war ein Mädchen“, sagt die Zeugin, „wir hatten doch alles vorbereitet.“ Als wäre es erst vor wenigen Stunden passiert, schildert die Frau den Tag, als der Angeklagte vor ihrer Tür stand, zitternd, ganz blass. „Ich habe Sade getötet“, habe der 40-Jährige immer wieder gesagt. „Ich habe sie geschlagen, und sie ist tot.“

Zunächst habe die Frau an einen schlechten Scherz geglaubt, rannte in die Wohnung des Mannes, den sie und ihre Familie seit mehr als zehn Jahren kennen, und sah durch die halb geöffnete Wohnungstür den leblosen Körper der Frau. Hinzugerufene Rettungskräfte konnten nichts mehr tun. Die Frau starb an ihren schweren Kopfverletzungen, das ungeborene Leben erblickte nie das Licht der Welt.

Opfer wollte sich scheiden lassen

Im Verlauf des Prozesses hat der Angeklagte zugegeben, seine Frau mit einem Ziegelstein, der auf dem Balkon der Wohnung in der Hochhaussiedlung Grohner Düne gelegen hatte, mehrmals geschlagen zu haben. In einer Erklärung gab der Mann an, seine Frau habe sich scheiden lassen wollen. Es sei damals, am 15. Januar, einem Sonntag, gegen 10.30  Uhr zum Streit gekommen. Warum alles so eskalierte, wisse er heute nicht mehr. Womöglich, so ging aus den Schilderungen des Angeklagten hervor, habe sie sich von ihrem Mann nicht den Mund verbieten lassen – und musste deshalb sterben. „Sie sollte still sein“, hieß es damals in der Erklärung.

Anzeichen für eine zerrüttete Ehe habe es nie gegeben. „Sie lachten viel“, sagt die Nachbarin. Ihr Ehemann sagt, der Angeklagte sei „immer höflich zu Frauen“ gewesen. Konfrontationen habe er gescheut, Diskussionen sei er aus dem Weg gegangen. „Er war ein totaler Angsthase.“ Schüchtern und hilfsbereit sei er im Viertel aufgetreten, von abfälligen Bemerkungen gegenüber seiner oder anderen Frauen könne keine Rede sein.

Die Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel deutete an, dass der Angeklagte sogar mit einer Verurteilung wegen Mordes rechnen müsse. Das Gericht ziehe das Mordmerkmal der Heimtücke in Betracht.

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