Prozess um Tod einer 66-Jährigen: Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für den Angeklagten

„Das Opfer zum Schlachtvieh gemacht“

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„Ich habe mir das Gehirn zermartert“, sagt Thomas W. (links, hier zu Prozessauftakt neben seinem Anwalt Alexander Ukat). Er beharrte bis zuletzt darauf, sich nicht an den Tatabend des 1. Februar 2013 erinnern zu können.

Bremen - Von Steffen Koller. Schlussplädoyers am Landgericht Bremen: Im Mordprozess gegen Thomas W. (49), der vor mehr als zwei Jahren seine Nachbarin getötet haben soll, wurden gestern die abschließenden Vorträge gehalten. Staatsanwalt Frank Schmitt fordert für W. lebenslange Haft, eine Entlassung nach frühestens 15 Jahren ist aus seiner Sicht nicht vertretbar. Der Angeklagte beteuert bis heute, dass er keine Erinnerung an den Tatabend habe.

Es sind schier unfassbare Vorwürfe, die gegen Thomas W. erhoben werden. Er soll im Februar 2013 in Bremerhaven nach einem Trinkgelage seine damals 66-jährige Nachbarin zunächst brutal zusammenschlagen haben. Danach habe er sie so schwer misshandelt, dass sie an ihren massiven inneren Verletzungen starb. Jetzt droht ihm, geht es nach Staatsanwalt Frank Schmitt, wegen Mordes und sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Person eine lebenslange Freiheitsstrafe. Schmitt sieht in der Tat des Angeklagten zudem eine besondere Schwere der Schuld. Sollte das Gericht diese ebenfalls anerkennen, ist eine Freilassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Schmitt machte während seiner Schlussrede deutlich, dass es für ihn seit Prozessbeginn außer Frage stehe, dass W. seine Nachbarin getötet habe. Die zu klärende Frage sei vielmehr die nach dem Motiv gewesen. Da W. seit Beginn der Verhandlung schweigt und bis heute beteuert, sich an den Tatabend nicht erinnern zu können, stützte sich das Gericht bei der Wahrheitsfindung auf zahlreiche Zeugenaussagen. Im Ergebnis, so Schmitt, habe W. während seiner Tat „sexuell orientiert“ und „zutiefst demütigend“ gehandelt. Er habe den Tod seines Opfers „sicher erwartet“. Somit liege ein „direkter Tötungsvorsatz“ vor. Der Staatsanwalt sieht im Vorgehen des Angeklagten zwei Mordmerkmale: Befriedigung des Geschlechtstriebes sowie Mordlust.

Das Verbrechen, das W. zur Last gelegt wird, sei in seiner Art „einmalig in der Fachliteratur“, so Schmitt. Dies hätten auch psychiatrische Sachverständigen bestätigt, die einen ähnlichen Fall nie zuvor erlebt hätten. Der Tötungsvorgang weiche im Vergleich zu anderen Morden „extrem“ ab. W. habe sein Opfer zum „Schlachtvieh gemacht“, sagte Schmitt. Der Angeklagte betonte gestern, dass er nach mehr als zwei Jahren keinerlei Erinnerung an die Tat habe. „Ich habe mir das Gehirn zermartert, aber ich habe nicht einen Gedanken, warum ich das getan habe.“ Er selbst schloss einen sexuellen Hintergrund aus. Es könne „absoluter Hass gewesen sein“.

Verteidiger Alexander Ukat sagte, dass keine sexuelle Motivation erkennbar gewesen sei. Zudem würden sich die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft ausschließlich auf das äußere Erscheinungsbild der Wohnung der Nachbarin nach der Tat beschränken. Hinzu komme, dass sein Mandant stark alkoholisiert gewesen sei. Dies könnten mehrere Zeugen, die ihn vor der Tat gesehen hätten, bestätigen. „Eine erhebliche Steuerungsverminderung“ sei daher nicht auszuschließen. Einen konkreten Strafrahmen nannte Ukat nicht.

Thomas W. wurde im Februar 2014 vom Landgericht Bremen wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil im Oktober auf. Das Gericht prüft neben dem Mordvorwurf auch, ob W. bei einer Verurteilung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden soll. Das Urteil wird für Donnerstag, 25. Juni, erwartet.

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