Prozess um Drogenhandel: Übersetzerin muss sich erklären

Eine Frage der Neutralität

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Vor dem Bremer Landgericht hat gestern ein Prozess um Drogenhandel begonnen.

Bremen - Von Steffen Koller. Sieben Männer im Alter von 32 bis 49 Jahren müssen sich seit gestern wegen bandenmäßigem Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Bremer Landgericht verantworten. Laut Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten mehrere Kilogramm Heroin und Kokain aus der Türkei nach Deutschland geschmuggelt, um die Drogen weiter zu verkaufen. Doch zu Anfang offenbarte sich ein ganz anderes Problem.

Vorsitzender Richter Hellmut Kellermann betritt den Gerichtssaal, alle Anwesenden stehen aus Respekt vor der Kammer auf und setzen sich wieder. Nur einer bleibt stehen. Ohne dass Kellermann Zeit hat, die Verfahrensbeteiligten zu begrüßen, stellt Anwalt Alexander Jung einen Befangenheitsantrag gegen eine anwesende Dolmetscherin. Die Frau wirkt verdutzt, runzelt die Stirn. Dann die Begründung: Nach Aussage seines Mandanten habe die Dolmetscherin im Vorfeld der Verhandlung mit der Ex-Frau des Mannes über die Anklage und einzelne Tatbeiträge gesprochen. Auch der Name seines Mandanten sei gefallen.

Da die Frau Informationen an Dritte weitergegeben habe, bestehe „die Besorgnis, dass sie die hinreichende Neutralität nicht wahre“. Richter Kellermann übergibt an einen anderen Dolmetscher. Bis Freitag soll die Frau eine Erklärung abgeben. Kellermann sagt am Ende des Tages, dass auch ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau nicht auszuschließen sei. „Mal gucken, was ich da mache“, hüllt er sich jedoch zunächst in Schweigen.

Mit dem zweiten Übersetzer läuft das Vorgehen dann auch nicht wie gewollt. Doch zunächst übersetzt der Mann, was den sieben Angeklagten vorgeworfen wird: Die Männer sollen zwischen Dezember 2014 und Februar 2015 mehrere Lieferungen Kokain und Heroin aus der Türkei nach Deutschland geschmuggelt haben. Mal habe es sich um drei Kilo „Heroingemisch mit mangelhafter Qualität“ gehandelt, so die Staatsanwaltschaft, mal sollen es vier Kilo reines Heroin gewesen sein. Auch eine Lieferung von 500 Gramm Kokain sollen die Männer besorgt und in Bremen zwischengelagert haben um es „im Bandeninteresse“ weiterzuverkaufen.

Ob der Prozess so fortgesetzt werden kann wie bislang, bleibt abzuwarten. Bei der Übersetzung der Anklage sowie einzelner Anträge der Anwälte sollen sich „eklatante Mängel“ ergeben haben, moniert ein Angeklagter, der sowohl deutsch als auch türkisch spricht. Zudem fordern einige Anwälte, den Prozess auszusetzen. Sie hätten zu wenig Zeit zur Vorbereitung gehabt, sagen sie. Außerdem seien wichtige Telefonmitschnitte, die sich auf mehreren CDs befänden, nicht abspielbar. Die Angeklagten – sechs aus der Türkei und ein Bulgare – wollen sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Ein Urteil wird voraussichtlich für Ende des Jahres erwartet. Bei einer Verurteilung drohen den Männern fünf bis 15 Jahre Haft.

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