Aussagen der Opfer

Prozess in Bremen: Falsche Polizisten erbeuteten Geld von Senioren

Bremen - Die Staatsanwaltschaft Bremen hat Haftstrafen von zwei Jahren sowie drei Jahren und neun Monaten für zwei Angeklagte gefordert, die als Bandenmitglieder Senioren um ihrer Ersparnisse gebracht haben sollen.

Die Taten sei schwerwiegend und perfide, zeugten von hoher krimineller Energie und hätten die Opfer verängstigt und verunsichert, betonte der Anklagevertreter am Donnerstag vor dem Landgericht Bremen. Die Verteidiger plädierten jeweils auf eine um mehrere Monate reduzierte Freiheitsstrafe für ihre Mandanten. Die Urteile werden an diesem Donnerstag erwartet. 

Angeklagt sind zwei 30 und 33 Jahre alte Männer, zu deren Gunsten die Staatsanwaltschaft die „umfassenden und glaubhaften Geständnisse“ auslegte. Sie sollen als Vermittler der Bande fungiert haben, deren Mitglieder über ein Callcenter in der Türkei meist über 70- und 80-jährige Senioren in mehreren Bundesländern - darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen - anriefen und sich als Polizeibeamte ausgaben. 

Am Donnerstag wurden die Zeugenaussagen mehrerer Opfer vorgelesen. Die Bande ging meist nach derselben Masche vor. Die Täter gaben sich als Herr Schwarz, Herr Reinhard oder Herr Nowak aus, sagten, sie seien vom Bundeskriminalamt, von Interpol, dem Landeskriminalamt oder der Staatsanwaltschaft und hätten vertrauliche Hinweise, dass das Geld der Betroffenen auf der Bank etwa durch die Mafia in Gefahr sei. 

Durch mehrfache tägliche Anrufe erschlichen sich die Anrufer über Tage hinweg das Vertrauen ihrer Opfer, die sie letztlich so manipulierten, dass diese ihnen hohe Geldbeträge übergaben, in einem Fall sogar über 150.000 Euro. Der Gesamtschaden wird auf fast eine halbe Million Euro geschätzt. „Ich war zu 100 Prozent sicher, dass es ein deutscher Polizeibeamter war“, sagte laut Zeugenprotokoll eine der Geschädigten. Ein anderes Opfer berichtete von einem „enormen psychischem Druck“ über Tage hinweg. 

Die beiden Angeklagten dienten den Drahtziehern in der Türkei in Deutschland als Mittelsmänner. Sie nahmen das Geld von den Abholern in Empfang und schickten es weiter. Dafür teilte sie sich in der Regel zehn Prozent der Beute mit den Abholern.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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