29-Jährige wollte sich trennen und Sohn mitnehmen

Prozess um 1993 verschwundene Frau: Mühevolle Detailarbeit für die Richter

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Vor 25 Jahren verschwand seine Lebensgefährtin. Der Angeklagte (hinter dem Aktendeckel) ist wegen Mordes angeklagt.

Bremen - Von Ralf Sussek. Im Prozess um eine vor 25 Jahren verschwundene junge Frau hat mit dem zweiten Verhandlungstag am Freitag die mühevolle Detailarbeit für das Gericht begonnen. Es war der erste Tag mit Zeugenvernehmungen. Und Zeugen sind in diesem Prozess fast das einzige Beweismittel, auf das die Staatsanwaltschaft ihre Mordanklage stützt. Die Staatsanwaltschaft weiß nicht, ob, wo, wann und wie die Frau getötet wurde.

Rückblende: 1993. Jutta Fuchs ist mit Wolfgang O. liiert. Sie wohnen zusammen, haben einen gemeinsamen zweijährigen Sohn. In der Nacht zu Sonnabend, 26. Juni, verschwindet die 29-Jährige spurlos. Sie sei nicht nach Hause gekommen, sagt O. am Tag darauf zu etlichen ihrer Freunde. Hat sie sich einfach abgesetzt, ohne ihren Sohn? Es deutet nichts darauf hin. Für eben diesen Sonnabend, als sie verschwand, hat die junge Frau einen Umzug organisiert; sie will mit ihrem Sohn den Lebensgefährten verlassen, die Zwei-Zimmer-Wohnung ist schon etwas eingerichtet. Die Freunde, die beim Umzug helfen wollen, warten vergeblich auf Jutta Fuchs.

Ihre Leiche wird nie gefunden, aber Ausweis, Führerschein und eine Bankkarte. Warum sollte die junge Frau die Sachen wegwerfen, wenn sie sich auf und davon macht? Und warum vorher eine Wohnung anmieten, einen Umzug organisieren?

Die Verteidigung versucht, Jutta Fuchs als lebenslustige, impulsive Frau darzustellen, die in der fraglichen Nacht in einer Kneipe feierte, mit einer oder einem Bekannten oder Unbekannten –  einer Affäre womöglich – von jetzt auf gleich das Weite suchte. Ohne ihr Kind zu verschwinden, „so war sie nicht“, sagte am Freitag eine heute 56-jährige. Und treu sei Jutta auch gewesen – im Gegensatz zum Angeklagten, der sogar per Kontaktanzeige andere Frauen gesucht haben soll.

Kontakt unerwünscht

Die ganze Familie O. habe Jutta den Kontakt zu ihr verboten, sagte die „gute Freundin“. Demnach litt die seinerzeit 29-Jährige unter der Wohnsituation – die Eltern O.s wohnten mit im Haus – und dem, wenn man so will, Standesdünkel ihres Lebensgefährten, der die alten Freunde Juttas für asozial befand und ihnen dies in einem geharnischten, mehrseitigen Brief mitteilte.

„Er hat sich mit ihr geschmückt, mit ihrer Figur“, erinnert die Zeugin, die im Laufe der fast dreistündigen Befragung allerdings immer größere Erinnerungslücken offenbart. „Da macht Ihnen nach doch keiner einen Vorwurf“, relativierte der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. „Doch, ich“ entgegnete die Zeugin trocken.

Auch die Geschwister konnten sich – obwohl erst 2012 vernommen – nur noch an wenige Einzelheiten erinnern, auch nicht an das, was sie vor sechs Jahren bei der Polizei ausgesagt haben. „Auf keinen Fall würde sie einfach so verschwinden“ – da war sich auch der 59-jährige Bruder sicher. Die Detail- könnte sich so für das Gericht bald als Sisyphusarbeit herausstellen.

Der Prozess wird am Dienstag, 21. August, um 9 Uhr in Saal 253 fortgesetzt.

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