Bremer Klinik bietet bei Gelenk-OPs „Extraportion Sicherheit“

Prothesenplanung im Wohnzimmer

Das PSI-Tool, das Werkzeug, in dem Dominik Schorn verschiedene Parameter eingibt, erlaubt es ihm, auch in den eigenen vier Wänden einen Gelenkersatz zu planen.
+
Das PSI-Tool, das Werkzeug, in dem Dominik Schorn verschiedene Parameter eingibt, erlaubt es ihm, auch in den eigenen vier Wänden einen Gelenkersatz zu planen.

Eine Bremer Klinik arbeitet jetzt beim Gelenkersatz mit einem neuen Verfahren. Dabei geht es den Angaben nach auf den Millimeter genau zu.

Bremen – Unfälle, Arthrose, Fehlbildungen – viele Menschen sind früher oder später auf einen Gelenkersatz angewiesen, ob im Knie, an der Schulter oder der Wirbelsäule. Lange Zeit vertrauten Operateure auf ihr Augenmaß und setzen die entsprechenden Prothesen „frei Hand“ ein. Doch es geht genauer, auf den Millimeter. Das zeigt das an der Paracelsus-Klinik in Bremen seit einiger Zeit angewendete Verfahren „Patient Specific Instrument“ (PSI).

Früher, vor etwa 2 500 Jahren, waren es einfache Holzteile, die fehlende Zehen oder Beine ersetzten, das zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher der Medizin. Schnell mag es vielleicht gegangen sein, solche Prothesen herzustellen, ob sie lange gehalten haben, darf allerdings bezweifelt werden. Die Entwicklung der Prothetik in den vergangenen Jahren kann man getrost als rasant bezeichnen – die Paracelsus-Klinik in der Vahr geht einen Schritt weiter und bedient sich seit längerem einer Methode, deren Genauigkeit sie betont.

Passgenauigkeit beim Einsatz von Prothesen

Während konventionelle Verfahren auf Röntgenbilder setzen und der jeweilige Operateur anhand dieser Bilder Prothesen in gewisser Weise „nach Auge“ am Gelenk befestigt, erlaubt das PSI-Tool eine Passgenauigkeit auf den Millimeter und Grad genau, sagt Dr. Dominik Schorn. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Leiter der Abteilung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie an der Klinik arbeitet seit etwa sechs Monaten in Bremen und erläutert das Vorgehen und das spezielle Werkzeug. Nach einem ausführlichen Patientengespräch wird, wie sonst auch, zunächst das Ausmaß von beispielsweise Deformierungen oder Defekten diagnostiziert. Im nächsten Schritt wird mit Hilfe von Magnetresonanz- oder Computertomografien (MRT und CT) ein genaues Bild des Gelenks erstellt. Die hochauflösenden Aufnahmen in Kombination mit dem PSI-Programm ermöglichen es nun, am Computer die Prothesen zumindest virtuell zu erstellen.

Der Clou: Anders als bei anderen Verfahren kann Dominik Schorn, der nach eigenen Angaben als einziger das PSI-Verfahren an der Paracelsus-Klinik sowie in Bremen anwendet, bereits am PC kleinste Parameter verändern. Und das Programm errechnet unter anderem, welche Auswirkungen die Positionierung des Gelenks auf die Beweglichkeit der Prothese hat. Dabei ist es unerheblich, wo sich Schorn aufhält, die Prothese ließe sich theoretisch auch vom Wohnzimmertisch aus planen. In Zeiten der Corona-Pandemie keine allzu abwegige Vorstellung.

Klinik: Operation wird vorhersehbarer

Das fertige Modell wird im nächsten Schritt online an Firmen geschickt, die entsprechende Schablonen mittels 3D-Druckern erstellen. Etwa 14 Tage nach dem ersten Patientengespräch seien die Schablonen fertig, und die Operation könne beginnen. Die OP selbst unterscheide sich dabei kaum von der Standardmethode. Das Verfahren per PSI gebe jedoch die „Extraportion Sicherheit“, da die Operation wesentlich vorhersehbarer sei. Konnte der Operateur quasi erst einen genauen Blick auf das Gelenk werfen, wenn es freigelegt war, weiß Schorn schon vor OP-Beginn, was ihn erwartet.

So sieht sie aus, die Nutzeroberfläche des PSI-Programms für Gelenk-OPs.

Wissenschaftliche Daten, die Aufschluss über die ganz konkreten Vorteile der Methode liefern, lägen zwar noch nicht vor, doch bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Prothesen-Patienten im Schulterbereich sei das Verfahren bislang angewandt worden – und die Zufriedenheit sei „durchweg hoch“, sagt der 39-Jährige. Und: Extrakosten würden für die Anwendung des Verfahrens nicht anfallen. „Man muss kein Privatpatient sein“, so Schorn.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Wohnen statt Mustern im früheren Bremer Bundeswehr-Hochhaus

Wohnen statt Mustern im früheren Bremer Bundeswehr-Hochhaus

Wohnen statt Mustern im früheren Bremer Bundeswehr-Hochhaus
Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?

Familie in Bremen brutal getötet: Vater soll Täter sein – Stress als Auslöser?
Über Bremen im Einsatz mit „Christoph 6“

Über Bremen im Einsatz mit „Christoph 6“

Über Bremen im Einsatz mit „Christoph 6“
Ibrahim Miri: Das Leben der Bremer Clan-Größe im Überblick

Ibrahim Miri: Das Leben der Bremer Clan-Größe im Überblick

Ibrahim Miri: Das Leben der Bremer Clan-Größe im Überblick

Kommentare