Probelauf als vergrößerter Boulevard

Wall will feste feiern

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Die Vollsperrung in der Straße Am Wall bringt Probleme und neue Ideen mit sich.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Aus der Not eine Tugend zu machen oder die Chance zu nutzen, besser aufgestellt in die Zukunft zu gehen – so könnte man die Lage der Geschäftsleute Am Wall beschreiben. Die Brandruine des früheren Modehauses Harms sorgt immer noch für eine Vollsperrung.

„Wenn wir womöglich drei Jahre nichts machen, dann ist der Wall hinüber“, führt Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts, an. Über längere Zeit werde der Wall wegen der Abriss- und Bauarbeiten immer wieder, wenn auch vielleicht mit kurzen Unterbrechungen, voll oder einspurig gesperrt werden müssen. Der Abriss erfolge praktisch von Hand, damit weder Teile herabstürzen noch das ganze Gebäude in sich zusammenstürzt. Die tragenden Holzpfeiler seien verkohlt.

Insgesamt müssten drei Häuser auf diese Weise vorsichtig abgetragen werden. Ob die angrenzenden Gebäude dann stabil blieben, sei noch offen. Für einen Neubau stünden sorgfältige Prüfungen an, da die Bauten der Erhaltungssatzung unterlägen. Eine solche Zeitspanne passiv überbrücken zu wollen, wäre riskant, meint der Vertreter des Bauressorts.

Die Idee, für die Bauzeit eine einspurige Lösung zu finden, den Wall zum Boulevard zu verbreitern und an die Wallanlagen anzuschließen, nimmt unter diesem Druck schnell Gestalt an. „Es gab in vielen Punkten einen Konsens in großer Runde, wo alle Entscheidungsträger an einem Tisch saßen“, sagt Tim Heintzen vom gleichnamigen Bettenhaus Am Wall. Viele angedachte Maßnahmen seien konstruktiv besprochen worden. Lediglich, ob oder auf welcher Länge der Wall auf Dauer ein- oder zweispurig sein werde, sei noch strittig. Eine einspurige Verkehrsführung erlaube es, den Wall trotz Baustelle befahrbar zu machen, meint Tittmann. Die Autos würden rechts auf Seiten der Wallanlagen parken, links bekämen die Geschäfte mehr Raum auf dem Boulevard. Die Verkehrsführung müsste sich nicht ständig der aktuellen Baustellensituation anpassen. Eine einspurige Richtungsführung stadteinwärts vermeide einen Rückstau auf der Wilhelm-Kaisen-Brücke. Der würde entstehen, wenn Fahrzeuge, um in die City und Parkhäuser zu gelangen, von der Brücke links in die Martinistraße abbiegen müssten.

Zunächst öffnet die vollgesperrte Straße für mehrere Feste. Dem Brompton-Radrennen am vergangenen Sonntag folgen beispielsweise vom 27. bis 29. August der „Wall-Sommer“ mit Kino und anderen Attraktionen und zwei Wochen später, am 13. September, das „Wall-Fest“ mit Live-Musik und Kulinarischem. Der Wall soll in den Fokus gerückt werden, sagt Tittmann. Neu ist der „Wall-Sommer“, den Bau- und Wirtschaftsressort, Wall-Geschäftsleute und City-Initiative veranstalten. Am Donnerstag, 27. August, ist Picknicktag. Ab 17 Uhr werden kostenlos Picknickkisten mit Leckereien verteilt, ebenso Decken und Liegestühle. Um 20.30 Uhr läuft im Open-Air-Kino „Little Miss Sunshine“. Am Freitagabend kommt „Grand Budapest Hotel“ auf die Leinwand. Sonnabend dreht sich von 10 bis 22 Uhr alles um Bio-Produkte. Mehr als 20 Händler werden von Bio-Wurst bis Bio-Wein kulinarische Erlebnisse bieten. Die Genusstafel an der Bischofsnadel lockt mit Fisch und Austern ab 18 Uhr.

Um 20.30 Uhr starten open Air Kurzfilme. „So haben wir am Sonnabend den Ringschluss zur ,Langen Shopping-Nacht‘, der Musikfesteröffnung und dem Weinfest am Hillmannsplatz“, sagen Tittmann und Heintzen unisono.

Brandstiftung: Ermittlungen dauern an

Das aus dem Jahr 1909 stammende Harms-Gebäude in der Straße Am Wall war am 6. Mai des Jahres durch Brandstiftung vernichtet worden. Der Schaden geht in die Millionen. Die Täter wurden bisher nicht ermittelt. Brandexperten hatten festgestellt, dass das Feuer an mehreren Stellen vorsätzlich gelegt worden war. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gestern auf Nachfrage bestätigte, gibt es weiterhin zwei Ermittlungsverfahren: eins gegen Unbekannt wegen vorsätzlicher Brandstiftung und eins gegen den Inhaber des Modegeschäftes, Hans Eulenbruch (62). Zum Stand der Ermittlungen gebe es nichts Neues, so die Sprecherin. Für „Harms am Wall“ wurde einige Wochen nach dem Großbrand Insolvenz beantragt. Eulenbruch hat mittlerweile ein paar Häuser weiter im kleineren Rahmen neu angefangen. Die neue Gesellschaft „Harms am Wall Moden GmbH“ gehört seiner Frau Ulrike, bisher bereits Prokuristin. Der 62-Jährige sieht sich völlig zu Unrecht unter Verdacht. Er habe weder ein Motiv noch einen Vorteil durch das Feuer, sagte er gegenüber unserer Zeitung. „Harms am Wall“ war Mieter im Gebäude.

gn

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