Premiere auf dem Theaterschiff von „Restlos ausverkauft“

Rasante Rollenwechsel

Ein Mann, 44 Rollen: David Wehle
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Ein Mann, 44 Rollen: David Wehle

Bremen - Von Annika Grunert. Ein Schauspieler in 44 Rollen – das geht sehr wohl. David Wehle tritt in „Restlos ausverkauft!“ auf dem Theaterschiff jedenfalls den Beweis an.

Von einer Sekunde auf die andere ist David Wehle ein anderer Mensch. Da gibt es unter anderem den arbeitslosen Schauspieler Ben, seine Kollegen, Heidi Klums schwulen Assistenten, den koksenden Manager von Sarah Connor und einen lispelnden „Bild“-Zeitungsreporter. Insgesamt schlüpft Wehle in 44 verschiedene Rollen – und das an nur einem einzigen Abend. Das Einmann-Stück „Restlos ausverkauft“ von Christian Kühn feierte unter der Regie von Erik Voß am Donnerstag auf dem Theaterschiff Premiere.

Nach einer durchfeierten Nacht wacht Ben in dem Büro der Kartenhotline vom Palast-Theater auf. Ihm ist nicht nur schlecht, er kann sich auch an nichts mehr erinnern: Filmriss. Wehle ist dabei so überzeugend unsicher und verwirrt, dass jeder eine Ahnung davon hat, was in der Hauptperson vor sich geht und nachfühlen kann, wie das ständige Telefonläuten den Kater noch unerträglicher macht. Aber es lässt Ben langsam wieder zu sich kommen– und Jammern hilft nichts, der arbeitslose Schauspieler muss irgendwie ohne seine Kollegen seinen Job bewältigen, was zum absoluten Chaos führt. Ständig rufen Leute an, die Karten für die ausverkaufte Jubiläums-Show am Wochenende ergattern wollen – und dann bekommt er auch noch Probleme mit seiner Freundin.

Deutlich unterscheiden sich die einzelnen Personen voneinander, denn Wehle wechselt nicht nur seine Stimme und Position, sondern auch seine Haltung. Während Bens Oma stark gekrümmt und etwas zitternd davon spricht, dass sie ihrer „Hornhaut beim Wachsen zusehen kann“, tänzelt Tracy, Art Director des Theaters, so theatralisch über die Bühne, dass sie ständig „einen neuen Bühnenarbeiter zur Bühne, please“ verlangt, und die kettenrauchende Buchhalterin lässt Wehle so gekonnt husten, dass er rot anläuft und die Augen hervortreten.

Nach dem Motto „in der Übertreibung wird es deutlich“ gelingt eben jeder Charakterwechsel, trotz unveränderten Outfits. Allerdings strengt diese Übertreibung, das Bedienen von Klischees, der rasante Wechsel der Personen, gepaart mit dem ständigen Läuten der Telefone, auch etwas an. Vielleicht wären ein paar Rollen weniger und ein nicht ganz so ausgeprägtes Happy-End besser gewesen.

Aber das Publikum ist begeistert. Als Ben in einem kurzen engen Glitzerkleid, hochhackigen schwarzen Peeptoes und blonder Perücke sich als Helene Fischer versucht, klatschen die Zuschauer im Takt. Und dass er singen kann, stellt Wehle am Ende ein zweites Mal am Ende unter Beweis: Dieses Mal singt er „Rise like a Phoenix“ von Conchita Wurst in einem schrecklichen schwarzen Kleid, pompös mit Rosen besetzt. Das Publikum goutiert es mit Jubel und stehenden Ovationen. Allerdings hat man es mit der Nebelmaschine am Ende etwas zu gut gemeint.

Das Stück „Restlos ausverkauft“ ist noch bis zum 7.März auf dem Theaterschiff zu sehen.

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