Premiere der szenischen Lesung über den Konkurs der Nordwolle

Vom Prunk zur Pleite

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Bringen den Konkurs der Nordwolle aus den Akten auf die Bühne: die Shakespeare-Company-Schauspieler Erik Roßbander (v.l.), Peter Lüchinger, Petra-Janina Schultz, Michael Meyer und Markus Seuß.

Bremen - Von Viviane Reineking. Spektakulär der Untergang, weitreichend die Folgen für die Weltwirtschaft: In einer anspruchsvollen szenischen Lesung haben Geschichtsstudenten der Uni zusammen mit der Bremer Shakespeare Company (BSC) die Wirtschaftspleite von Europas größtem Textilkonzern Nordwolle und dessen Folgen auf die Bühne des Theaters am Leibnizplatz gebracht.

„Prunk und Pleite einer Unternehmerdynastie – der Konkurs der Nordwolle und die Bankenkrise 1931“ ist kein Theater, sondern eine Lesung, vorgetragen von Schauspielern der BSC, die in die Rollen der damaligen Akteure schlüpfen. Die Aufführung basiert auf Quellen, die die Masterstudenten unter der Leitung der Historikern Dr. Eva Schöck-Quinteros in diversen Archiven zusammengetragen haben. „Das Thema hat sich als besonders komplex erwiesen, weil wir in Archiven auf immer wieder auf neue Dokumente gestoßen sind“, sagen Jannik Sachweh und Johanne Bischoff.

Drei Semester lang wühlten sich die Studenten im Rahmen des Projektes „Aus den Akten auf die Bühne“ durch Dokumentenberge, sichteten Zeitungsartikel der Bremer wie Berliner Presse und transkribierten Vernehmungsprotokolle sowie Familienkorrespondenz der Lahusens aus dem Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur in Delmenhorst. Vier Aktenordner, 2000 Seiten an Material über den Aufstieg und Fall der Brüder Lahusen und der Nordwolle übergaben die Studenten Peter Lüchinger, der dann ein 50-seitiges Manuskript zusammenstellte.

Die Lesung spannt einen Bogen von der Blütezeit der Nordwolle in den 20er Jahren, in der die Brüder Lahusen den Vorstand der Nordwolle bekleideten, Georg Carl Lahusen erst Schaffer, später Präses der Bremer Handelskammer wurde, bis zum folgenreichen Untergang des Konzerns wenige Monate später. Alles ist eingebettet in eine Kulisse aus verstreuten Papierblättern, Tischen, einer großen Tafel und einem Kronleuchter.

Noch Ende der 20er Jahre schwelgt die Familie im Prunk, werden über zwölf Millionen Reichsmark für den Bau des Firmensitzes an der Contrescarpe (heute: Haus des Reichs) ausgegeben. Doch dann wird die schlechte finanzielle Situation des Konzerns bekannt. Im Juli 1931 ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue und Bilanzverschleierung gegen die Brüder Georg Carl und Heinz.

Auf der Bühne wird deutlich: Der Untergang der Nordwolle ist einer Mischung aus Weltwirtschaftskrise und Misswirtschaft geschuldet. Denn um das kostspielige Leben zu finanzieren, hatte sich Carl Geld in die eigene Tasche gesteckt und Bilanzen geschönt, um von den Banken immer neue Kredite zu bekommen. Die wirtschaftliche Katastrophe beginnt mit dem Zusammenbruch der kreditgebenden Danat-Bank. Für die Brüder Lahusen folgt erst Untersuchungshaft, ab August 1933 jene Gerichtsverhandlung, die die Schauspieler auf der Bühne zum Leben erwecken. Aus Briefen von Carl an seine Schwester Amine wird deutlich, was sich wie ein roter Faden durch Carls Leben zieht: Er stellt sich und sein Handeln nie infrage, macht jüdische Großbanken für den Zusammenbruch verantwortlich.

Viele Akteure, viele Daten, komplizierte, komprimierte Zusammenhänge und schnell vorgetragene Texte: Vor allem zu Beginn fällt es schwer, in das Geschehen hineinzufinden. „Hier und da hat es mich doch überfordert“, ist von Zuschauern nach der Premiere am Dienstagabend zu hören. Es ist kein Abend, um abzuschalten. Aber einer, an dem spannende Bremer Wirtschaftsgeschichte mit engagierten Akteuren zum Leben erwacht.

Weitere Aufführungstermine: 29. Mai, 4., 9. und 22. Juni sowie 1. Juli, jeweils um 19.30 Uhr. Karten sind unter Telefon 0421/500 333 erhältlich.

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