50 Jahre Containerumschlag in Deutschland

Premiere im Bremer Überseehafen

Der US-Frachter „Fairland“ brachte vor 50 Jahren die ersten Container nach Deutschland – in den Bremer Überseehafen. - Foto: BLG

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Ich bin ein Zeitzeuge“, sagt Frank Dreeke, Vorstandschef des Bremer Seehafen- und Logistik-Dienstleisters BLG Logistics Group (früher: Bremer Lagerhaus-Gesellschaft). Sechs Jahre jung war Dreeke, als er 1966 an der Hand seiner Mutter im Bremer Überseehafen Zeuge eines wirtschaftshistorischen Ereignisses wurde.

Am Umschlagplatz zwischen Schuppen 16 und 18 wurden an jenem Tag die ersten 100 Container entladen, die auf deutschem – und in diesem Falle eben: bremischen – Boden landeten. Dreeke: „Mein Vater arbeitete als Betriebsleiter bei der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft und bereitete die Ankunft des ersten Containerschiffs vor.“

Der 5. Mai 1966 war es, als im Bremer Überseehafen das erste Vollcontainerschiff in Deutschland gelöscht wurde, womit hier die Ära des Containertransports begann. Es war der Beginn einer Revolution der Transport- und Handelswege. Und es war auch der Anfang vom Ende der langen Liegezeiten der Schiffe im Hafen, die den Besatzungen auch so manches (amouröse) Abenteuer in den Waller Hafenkaschemmen erlaubt hatte. Aus, vorbei.

Genormte Box ersetzt Hafenromantik

Die genormte Stahlbox war nun am Ruder. Als erster deutscher Hafenbetrieb sei die BLG willens und in der Lage gewesen, ein Containerschiff zu entladen, so Dreeke. Eine Pioniertat war das, und eine ganz schön mutige. Denn so lange gab es sie ja noch gar nicht, die Container. Viele Hafenfachleute betrachteten sie gar mit Skepsis. In Bremen erkannte man das Potenzial der „Kisten“. „Die Standardisierung der Abläufe beschleunigte die weltweite Transportkette und ermöglichte die Globalisierung“, heißt es heute bei der BLG Logistics Group. Bremerhaven ist der viertgrößte Containerhafen Europas. Seit seiner Entstehung wurden hier mehr als 100 Millionen 20-Fuß-Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Als die Containerzahlen stiegen, musste eine spezielle Anlage für den Umschlag der neuen Behälter geschaffen werden. Im Februar 1968 wurde in Bremerhaven der obligatorische symbolische erste Spatenstich für den Bau einer ersten Containerkaje gefeiert. In Bremen gab es für so eine Anlage nicht genug Platz.

Den ersten – noch 35 Fuß langen – Container, der je auf deutschem Boden abgesetzt wurde, hatte an jenem 5. Mai 1966 (vor Dreekes Augen) die „Fairland“ der US-amerikanischen Reederei Sea-Land-Service (New Jersey) in den Bremer Überseehafen gebracht.

Die „Fairland“ war ein zu einem Containerschiff umgebautes konventionelles Frachtschiff. Sie konnte insgesamt 226 Container transportieren. Heute fasst das derzeit größte Containerschiff mehr als 19 000 Standardcontainer.

Gefrorene Hähnchenschenkel

In Bremen wurden etwa 100 der 226 Container ausgeladen – darunter vier Kühlcontainer mit gefrorenen Hähnchenschenkeln. Die „Fairland“ gehörte dem „Vater der Containerisierung“, Malcom McLean, der die Transportbox 1956 – genau zehn Jahre, bevor sie nach Deutschland kam – in den Vereinigten Staaten erfunden hatte.

50 Jahre Containerumschlag in Deutschland – das soll nun gefeiert werden. Natürlich in Bremen, wo alles anfing. Nur den Überseehafen, den gibt es ja nicht mehr. Stattdessen gibt es die Überseestadt. Dort wiederum liegt das BLG-Forum, in dem die BLG, Eurogate, die Hafenmanager von Bremenports und weitere Unternehmen das Jubiläum mit geladenen Gästen feiern wollen – am Mittwoch, 4. Mai, mit geladenen Gästen sowie Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner (SPD).

Es dürfte auch ein Tag des Erinnerns an alte Zeiten werden. Für die BLG haben Zeitzeugen schon mal in ihren Erinnerungen gekramt – so Hans Joachim Abendroth, 81, einst Schuppenvorsteher und Betriebsleiter. Er spricht unter anderem vom Vater des BLG-Vorstandschefs: „Mein Vorgesetzter war Herbert Dreeke. Herr Dreeke galt als Zugpferd für Neuerungen und war mit dabei, als eine Bremer Delegation 1965 in die USA fuhr, um sich an Ort und Stelle über den Containerumschlag zu informieren. Als er wieder in Bremen war, habe er „tagelang viel von dieser Reise erzählt“.

Es gab ja auch viele technische Dinge zu besprechen. Abendroth: „Eine Containerbrücke gab es damals noch nicht.“ Und: „Die Schiffe von Sea-Land hatten eigene Kranbrücken an Bord. An Land sollten die Container auf Chassis gesetzt und dann mit diesen auf einem Stellplatz abgesetzt werden. Das war neu für uns.“ Die „Fairland“ mit dem Premieren-Container kam „morgens gegen 6 Uhr und wurde bis 22 Uhr in zwei Schichten entladen“, so Abendroth. Gleich der zweite Container fiel aus der Kranbrücke heraus. Die Revolution hielt das nicht auf.

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