Circus Roncalli verzaubert auf der Bürgerweide

Poetische Illusionskunst

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Circus Roncalli verzaubert mit rasanter Akrobatik und traumhaften Begegnungen

Bremen - von Viviane Reineking. Es ist der Eintritt in eine märchenhafte Welt voller Nostalgie, Poesie und anspruchsvoller Zirkuskunst: Am Freitagabend feierte das Roncalli-Programm „Good Times“ im Zirkuszelt auf der Bürgerweide Premiere – eine, die mit abwechslungsreich arrangierten, teils rasanten, teils traumhaften Darbietungen verzaubert.

Nach drei Jahren hat der Circus Roncalli erstmals wieder seine Zelte in Bremen aufgeschlagen. Zur Premiere waren denn auch alle Plätze im 1499 Menschen fassenden Zelt besetzt. „Werden Sie Kind“, stimmt „Sprechstallmeister“ Patrick Philadelphia gemeinsam mit der „Roncalli Royal Clown Company“ ein. Zwar übernimmt die im Laufe des Abends immer wieder auf eigentümliche Weise (mitunter auch mit Bratpfannen, Pümpel und Quietscheentchen) die musikalische Unterhaltung, ansonsten hat jedoch das über dem Eingang zur Manege positionierte „Royal Orchestra“ um seinen Leiter Georg Pommer das Zepter in der Hand.

Hoch hinaus geht es mit dem „Circustheater Bingo“. Die sechs Artisten zeigen ihre Künste am Vertikaltuch und an den Strapaten unter dem bis zu 16 Meter hohen Zeltdach. Mit dem Megafon überwacht Clown Anatoli Akerman das Abräumkommando, allerdings muss der Pantomime aufpassen, dass ihm beim Stepptanz nicht die spitzen Knie verrutschen.

Die einzigen Tiere bei Roncalli sind die Shetlandponys von Karl Trunk. Höhepunkt seiner Freiheitsdressur: der Auftritt von Shire-Horse „Sunny“ und seinem Freund, Mini-Shetty „Billy“. Ein tolles Bild, wie der Winzling vertrauensvoll unter dem Bauch seines riesigen Kameraden steht.

Zum live gesungenen „You raise me up“ tanzt das ungarische „Duo Viro“ romantisch über den Köpfen der Zuschauer, denen bei dieser Performance aber auch der Atem stockt. Richtig rasant wird es bei den „Rokashkovs“: Mit gewagten Schwüngen, Sprüngen und Salti am quadratischen Reck wollen die drei lässigen Typen einer schönen, jungen Frau imponieren.

Was folgt, ist poetische Illusionskunst pur: Sergi Buka, Meister über Licht und Schatten, erweckt auf einem alten Dreirad fahrend mit seinen Fingern Figuren auf einer am Rad befestigten Leinwand zum Leben - verzaubernd. Als „Les Paul“ zeigt mit Vivian, Adrian und Lili sowie Partner Jemile Martinez der Nachwuchs von Zirkusdirektor Bernhard Paul auf engsten Raum anspruchsvolle Rollschuhakrobatik zum Abheben.

Dann das Kontrastprogramm: Beinahe meditative Stille dann beim konzentrierten wie ungewöhnlichen Auftritt der Künstlerin Melodia Garcia Rigolo. Aus 13 Palm-Ästen kreiert sie nach und nach und mit Händen und Füßen ein fragil anmutendes, schwebendes Gebilde ähnlich einer Fischgräte.

Nur die zitternden, gut erkennbaren Muskeln zeugen von der Kraft und Körperbeherrschung, die die ungarischen Akrobaten des „Golden Gate Trios“ aufwenden. An römische Statuen erinnernd, zeigen sie scheinbar spielend leicht ihre Hebe- und Schwebefiguren.

„Good Times“ ist manchmal aufregend, manchmal entschleunigend, aber immer fesselnd. Die einzelnen Darbietungen verschmelzen zu einem wunderbaren Gesamtkunstwerk. Es fällt schwer, diese Traumwelt nach zweieinhalb Stunden wieder verlassen zu müssen.

Circus Roncalli verzaubert in Bremen

Bis zum 13. Dezember zeigt Roncalli seine Shows mittwochs bis sonnabends um 15 sowie 20 Uhr, sonn- und feiertags 14 und 18 Uhr. Karten sind für etwa zwölf bis 60 Euro in den Geschäftsstellen unserer Zeitung erhältlich.

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