„Bremen zur See“: Das Nachkriegs-Auswandererschiff „Seven Seas“

Preisgünstig und ausgesprochen populär

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Die „Seven Seas“ fuhr fast zehn Jahre lang vor allem als Auswandererschiff im Nordatlantikdienst ab Bremerhaven. Sie war ausgesprochen populär.

Bremerhaven - Von Harald Focke. Der 1952 eröffnete Columbusbahnhof in Bremerhaven belebte sich schnell, zunächst allerdings nur mit ausländischen Schiffen. Star an der Kaje war ab 1953 die „United States“, die alle anderen Passagierschiffe an Größe, Geschwindigkeit und Eleganz bei weitem übertraf.

Doch eine Überfahrt mit ihr war für die meisten Reisenden zu teuer, vor allem für die vielen Auswanderer. Sie bevorzugten die preisgünstigen Schiffe der Greek Line oder ab 1955 die „Seven Seas“ der Bremer Europa-Canada Linie. Sie wurde eines der populärsten Auswandererschiffe, die Bremerhaven je anliefen – und sie ist heute Thema unserer Serie „Bremen zur See“.

Schlicht, aber nicht karg ausgestattet

Sie sah aus wie ein Frachter und genau das war sie früher einmal gewesen. 1940 war sie für die New Yorker Moore-McCormack Line als „Mormacmail“ vom Stapel gelaufen. Schon ein Jahr später ging sie an die Navy, die sie zum Hilfsflugzeugträger „Long Island“ umbauen ließ. 1949 wurde aus ihr das Passagierschiff „Nelly“. Ab 1953 hieß sie „Seven Seas“.

Sie war zwar schlicht, aber nicht karg ausgestattet. Ihre Dieselmotoren ermöglichten ihr 16 Knoten, also Tempo 30. Mit zehn Tagen auf See mussten die Auswanderer bei einer Atlantiküberquerung also rechnen.

Anfangs fuhr die „Seven Seas“ unter Panama-Flagge als Charterschiff einer Genfer Firma. Erst Ende Juli 1955 entstand in Bremen die Europa-Canada Linie, die nun auch Eigentümerin wurde und das Schiff unter die deutsche Flagge brachte. Diese Gesellschaft hatten der Königliche Rotterdamsche Lloyd (KRL) und die Holland-Amerika Linie (HAL) gemeinsam gegründet. Kooperationspartner waren Fisser & van Doornum in Emden und Hamburg. Ab 1963 gehörte die knapp 150 Meter lange „Seven Seas“ allein der HAL.

Platz für fast 1.000 Passagiere

Sie hatte einen weißen Rumpf und weiße Aufbauten, die von einem blauen Schornstein mit schmalem schwarzem Topp überragt wurden. In der Touristenklasse war Platz für fast 1.000 Passagiere, die allerdings teilweise noch in Schlafsälen untergebracht waren. Es gab auch eine kleine 1. Klasse für 20 Fahrgäste. Stammkapitän war Hinrich Oltmann, 1. Offizier Helmut Bender und Leitender Ingenieur Botho Maier. Ihre erste Reise von Bremerhaven über Le Havre, Southampton und Quebec nach Montreal begann die „Seven Seas“ am 30. April 1955.

Manchmal fuhr sie auch über Rotterdam oder Zeebrügge und von Kanada weiter nach New York. Am Anfang eines Jahres ging die „Seven Seas“ mit deutschen Skiurlaubern auf Kreuzfahrt nach Norwegen, wo sie zwei Wochen als Hotelschiff blieb. 1960 fuhr sie für den KRL einmal nach Australien und Neuseeland.

Brand im Maschinenraum machte „Seven Seas" manövrierunfähig


Als 1964 die Auswanderung von Deutschland nach Kanada stark zurückgegangen war, führten die Fahrten ab Bremerhaven nur noch nach New York. Im selben Jahr unternahm die „Seven Seas“ eine Weltreise mit Studenten von US-Universitäten. Im Sommer 1965 machte ein Brand im Maschinenraum die „Seven Seas“ vor Neufundland manövrierunfähig. Schlepper mussten das Schiff auf den Haken nehmen.

Erst ein Jahr später konnte die „Seven Seas“ ihren Dienst wieder aufnehmen, doch schon im September gab die ECL das Schiff dann auf und ersetzte es für kurze Zeit durch die „Ryndam“, die ebenfalls die deutsche Flagge führte.

Im Oktober 1967 stellte die Bremer Europa-Canada Linie ihren Betrieb ein. Die „Seven Seas“ war zeitweise noch Wohnschiff in Rotterdam, erst für Studenten, dann für Arbeiter. Auch die Erasmus-Universität nutzte sie, ehe sie 1977 in Gent (Belgien) abgewrackt wurde.

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