„Preacherslam“ trifft in der ausverkauften Bremer Kulturkirche einen Nerv

Apokalyptische Reiter

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„Preacherslam“ in der Kulturkirche – die spätere Siegerin Ragna Miller (r.) und Rita Apel stellen sich nach dem Finale dem Applaus-Votum des Publikums.

Bremen - Von Ulla Heyne. Brennende Kerzen statt Kunststoff-Leuchtröhren, im Hintergrund das dunkle Blau der Kirchenfenster statt „Tower“-Gewölbe – und neben den Größen der Bremer Slammer-Szene wie Altmeisterin Rita Apel und Niedersachsenmeister Sim Panse eine Reihe an Neulingen, die ihre Vortragserfahrungen bis dato vor allem auf der Kanzel gesammelt hatten. . .

An diesem Poetry-Slam-Abend in der Kulturkirche St. Stephani (Faulenquartier) war – von „Slammerfilet“-Moderator Sebastian Butte einmal abgesehen – so einiges anders. Es war eine Premiere. Denn die Organisatoren hatten zum ersten Bremer „Preacherslam“ geladen. Vier Poetry-Slammer und vier Pastoren traten an.

Das Format des Slams, eines modernen Wettstreits, ist in Bremen ja bereits eine feste Größe – nicht zuletzt mit der monatlichen Reihe „Slammerfilet“ im „Tower“ am Herdentorsteinweg, mit Science Slams und dem ersten „Musikslam“ unlängst in der Glocke. Dass der erste „Preacherslam“ in der Kulturkirche mit vorgegebenem sakralen Thema jedoch regelrechte Besucheranstürme auslösen würde, damit hatten wohl auch die Organisatoren nicht gerechnet. „So viele junge Leute“, konstatierte Hans-Jörg Wilkens vom Vorstand in der mit 400 Zuschauern ausverkauften Kirche fast ungläubig, in der beileibe nicht alle Interessierten Platz gefunden hatten.

Philosophiestudio und Blutdoping

Die Idee, Organisation und auch das das Anheizen (in der Szene kurioserweise mit dem Begriff „Opferlamm“ bezeichnet, der an diesem Ort für Schmunzler sorgte) sind Lisa Harder zu verdanken, die hier seit Oktober ein Freiwilliges Kulturelles Jahr absolviert. Ihr Vorschlag eines Poetry Slams in der Kulturkirche stieß bei Leiterin Diemut Meyer auf offene Ohren; der ins Boot geholte Szene-Slammer Sebastian Butte gab dem Konzept einen neuen Dreh: Er schlug vor, die Slammer gegen ein „Preacher-Team“ antreten zu lassen.

„Gerade die Themenvorgabe gibt dem Ganzen eine neue Dimension: So setzen sich Slammer mit mitunter ungewohnten Themen auseinander, und Pastoren loten neue Formen von Texten und Präsentation aus.“

Das Konzept sollte aufgehen: Die Beiträge zum – frei auslegbaren – Motto „Apocalypse Now“ begeisterten in ihrer Vielfalt. Der Düsseldorfer Pastor Lars Schütt berichtete in aberwitzigen Gedankengängen aus dem „aktuellen Philosophiestudio“ von den „Trinity Masters“, vom „Blutdoping mit Abendmahl“ und dem „Trinitantenstadel“.

Bremen-Meister Sim Panse interpretierte im Dialog mit seinem Apfelbaum die Apokalypse als poetisch als umgekrempelte Schöpfungsgeschichte, und „Erstlingstäter“ Pastor Rolf Blanke aus Gröpelingen ließ in „Entwischen Impossible“ Gott mit der Synchronstimme Robert Redfords sprechen.

Aber auch nachdenkliche Töne hatten ihren Raum. So slammte sich die Pastorin Ragna Miller aus der Neustadt mit ihren apokalyptischen Reitern – Sinnbild für Stress und Überforderung einer jungen berufstätigen Mutter – und mit ihrem sehr persönlichen Text ins Finale. Ebenso wie die „Grand Dame des Bremer Slams“ Rita Apel, die nach ihren Erfahrungen mit dem Computerspiel „Fallout Shelter“ zur Bunkersimulation ebenso pragmatisch wie trocken beschloss: „Der nächste Weltuntergang wird gemütlich, mit Bier und Beinen hoch auf dem Sofa!“

Am Ende hatte Team „Poetry“ hatte am Ende knapp vor „Team Preacher“ die Nase vorn, während Miller sich im Finale knapp vor Apel den entscheidenden Publikumsapplaus sicherte. Auf das „Ranking“ kam es jedoch kaum an. Sondern vielmehr auf intelligente Texte jeglicher Couleur, kongenial in Szene gesetzt vom künstlerischen Leiter Tim Günter, der auch an der Orgel eine frische, innovative Interpretation des Themas „Apokalypse“ lieferte – und ein neues Format, das nach dieser grandiosen Erstauflage sicherlich nicht zum letzten Mal über die Bühne geht.

Erster Bremer Preacher-Slam

Am Ende stand Moderator Buttes Erkenntnis „Wir suchen immer in Schulen nach Nachwuchs – vielleicht sollten wir uns mehr in Kirchengemeinden umsehen!“

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