Praxis trifft Wissenschaft 

Hochschule startet Studiengang für angehende Pflegefachkräfte

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Das gehört auch dazu: Student Farmaan Mohammed Salim schneidet in einem Seminar des Internationalen Studiengang Pflege Seminarleiter Eckart Seilacher die Fingernägel. Pflegefachkräfte werden in Bremen künftig auch an der Hochschule ausgebildet.

Bremen – In der Pflege fehlen Zehntausende von Fachkräften. Die Politik will den Beruf attraktiver machen, Pflegekräfte sollen künftig verstärkt an Hochschulen ausgebildet werden.

So wie nun in Bremen. Zum Start des Wintersemesters 2019/2020 startete an der Hochschule der internationale Studiengang Pflege, sagte Studiengangleiter Prof. Matthias Zündel. Demnach richtet sich das acht Semester dauernde Studium an junge Menschen, die ein Staatsexamen als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann sowie einen wissenschaftlichen Abschluss erwerben wollen.

Der Bachelor-Abschluss sei international anerkannt, sagte Zündel. Absolventen könnten in verschiedenen Sparten arbeiten – in der Kinder-, Alten-, Kranken- und Erwachsenenpflege. Oder in Gesundheitsämtern und bei Krankenkassen. Auch das Einstiegsgehalt würde mit dem akademischen Abschluss ohne Zulagen um mehr als 400 Euro auf rund 3 700 Euro (brutto) steigen. Zum Studiengang, der gestern feierlich eröffnet wurde, gehört ein Auslandssemester. Zwar gibt es auch in Niedersachsen Pflege-Studiengänge, etwa in Hannover, Osnabrück und Hildesheim, so die Sprecherin des Wissenschaftsministeriums, Margit Kautenburger. Es handelt sich den Angaben zufolge aber um ausbildungsintegrierende Angebote. Hochschulen und Pflegefachschulen arbeiteten eng zusammen. In dieser Zusammenarbeit liegt einer der Unterschiede zum Angebot in Bremen – die Hochschule bietet das Studium unabhängig von einer Pflegefachschule an. Für die Praxisanteile arbeitet sie mit Kooperationspartnern wie Krankenhäusern und Pflegeheimen zusammen, heißt es.

Das Angebot in Bremen ist nach Angaben der Hochschule bundesweit der erste Studiengang, der nach dem neuen Pflegeberufegesetz akkreditiert wurde. Dieses löst 2020 das Altenpflege- und das Krankenpflegegesetz ab. Es soll die Ausbildung für Pflegeberufe neu strukturieren, um die Personalnot zu bekämpfen. Bundesweit fehlen Zehntausende von Pflegefachkräften.

Dozent Eckart Seilacher (hinten) unterrichtet angehende Pflegefachkräfte der Hochschule.

Das Gesetz sieht eine dreijährige berufliche Ausbildung mit dem Abschluss Pflegefachfrau oder Pflegefachmann vor. Als Ergänzung wird ein Pflegestudium eingeführt – als Antwort auf die zunehmend komplexeren Anforderungen im Pflegesektor.

Aus der Sicht von Studiengangleiter Zündel bietet die Akademisierung der Pflegeberufe Vorteile für Patienten und Fachkräfte. Der Studiengang in Bremen soll ein Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region sein. Absolventen gebe er die Möglichkeit, in eine höhere Gehaltsgruppe einzusteigen. Der Abschluss sei zudem Grundlage für Masterstudiengänge, mit denen sich Fachkräfte spezialisieren können, so Zündel.

Für den Studiengang wurde an der Hochschule unter anderem ein besonderer Übungsraum eingerichtet, der mit Kameras und Mikrophonen ausgestattet ist. So können die Studenten Szenarien durchspielen, die ihnen später im Berufsleben begegnen könnten. Schauspieler stellen dabei zum Beispiel einen Pflegebedürftigen nach, den eine Studentin bei einem Hausbesuch auf dem Boden findet.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi braucht es mehr als neue Studiengänge, um die Personalnot zu beseitigen. „Gesetzliche Vorgaben für die Personalausstattung in der Altenpflege und in Krankenhäusern, die sich am Pflegebedarf orientieren, sind das wirksamste Mittel gegen Fachkräftemangel“, sagte Sylvia Bühler vom Bundesvorstand. Die Vergütung müsse deutlich besser werden – gerade in der Altenpflege. „Darüberhinaus fehlen nach wie vor überzeugende Antworten, wie sich die Tätigkeiten von Personen mit einer hochschulischen und beruflichen Ausbildung voneinander unterscheiden“, sagte sie. Ziel einer Weiterentwicklung der Pflegeberufe müsse die Verbesserung der Versorgungsqualität sein.

Laut der Hochschule Bremen wird mit dem Studium der Beruf nicht nur aufgewertet, es helfe auch, die Qualität in der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen zu verbessern. Unterstützung gab es von Bremens Wissenschafts-Staatsrat Tim Cordßen. Er sagte, durch eigenständige Forschung könne Pflege insgesamt auch weiterentwickelt werden.  dpa

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