Brigitte Graue: „Auf der Suche nach Einheit“

„Mein Kunst-Stück“: Das präsente Gefühl

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Brigitte Graue arbeitet mit Symbolen. Sie stehen für Vollkommenheit und Begrenzung. „Meine Bilder plane ich vorher nicht“, sagt sie.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Auf der Suche nach Einheit“ heißt Brigitte Graues Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zählt zu Ihrer Werkreihe „Die Zeit der Besinnung“ und handelt von der Sehnsucht nach Vollkommenheit.

In Mischtechnik mit Acrylfarbe und flüssiger Kreide bannte die Bremer Künstlerin 2017 eine starke Emotion auf die Leinwand. „Ich arbeite mit Symbolen“, erklärt Graue. Die Kugel steht für Vollkommenheit, die Balken im Bild als Hindernis oder Begrenzung. „Ich male aus dem Bauch heraus“, sagt die Malerin, „meine Bilder plane ich vorher nicht. Der Kopf ist beim Malen völlig frei.“

Gerne hört sie bei der Arbeit Musik. Die inspiriert sie. Ihr abstrakter Symbolismus mit Elementen aus der Grafik entsteht aber nicht wie von Zauberhand. Um den Kopf auszuschalten und sich völlig frei dem Malprozess zu überlassen, muss die Technik sitzen. Erst wenn man das Handwerk beherrsche, gelinge eine freie Improvisation. „Hinterher bin ich oft selbst überrascht“, sagt Graue. „Und auch erst dann bekommen meine Bilder einen Namen.“ So arbeitet die Künstlerin aus Bremen-Nord ganz im Gegensatz zu jenen Künstlern, die vorher ein genaues Konzept entwerfen und dann daran arbeiten, das Ziel gut zu erreichen.

Bei Graue sind lediglich die Farbtöne, in denen sie malen möchte, bekannt. Ihren Leinwänden gibt sie Struktur. Hier beispielsweise eine feine, mit der Rolle aufgetragene Farbfläche im Hintergrund und dick pastos gespachtelte Figuren. „In jedem Bild steckt ein Stück Seele“, sagt Graue. So wie ein Musiker auf einem Konzert ein Stück von sich preisgebe. „Ich liebe diese Bilder. Ich bin immer traurig, wenn ich eins verkaufe und weggebe.“

Malen liegt im Blut

Das Malen hat Graue im Blut, sagt sie. Schon in der Schule hat sie viel gemalt, später Kurse besucht und Unterricht genommen. Und obwohl sie einen anderen Beruf hatte, besuchte Graue die freie Kunstschule. Eine Kunstpause gab es bei ihr nicht. Bis heute nimmt sie an Workshops teil. „Die Kunst ist ein immer präsentes Gefühl, und meine Gedanken kreisen um das nächste Bild.“ Gemalt wird immer, wenn sie eine Idee hat. Ist das nachts, steht sie auf, um den Gedanken in einer Skizze festzuhalten oder sich Notizen zu machen.

Die Kunst steht bei Graue an erster Stelle. Die Vorbereitung von Ausstellungen sei sehr aufwendig, meint sie, aber schon während sie malt, freut sie sich, dass sie das Werk auch ausstellen kann. Eine Herausforderung sei es, eine Auswahl am Bildern zu treffen. Und spannend werde es, wenn man erfährt, was der Betrachter denkt. „Da gehört Mut zu“, meint Graue. Von Gedanken zu hören, die von den Eigenen abweichen, sei „total interessant“. Schlimm dagegen sei, wenn Menschen ein Bild gar nicht erst wahrnähmen. Alles andere? Geschmackssache.

„Ohne Kunst kein Leben“

Ob wir Kunst brauchen? – „Ohne Kunst wäre das ja kein Leben. Kunst fordert die kreative Hirnhälfte, mit der man alles mit ganz anderen Augen sieht.“ Zu den Künstlern, die für Graue besonders bedeutend sind, zählen die Worpsweder Malerin Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) und der Niederländer Vincent van Gogh (1853 bis 1890). An Modersohn-Becker bewundert Graue deren Durchhaltevermögen. An van Gogh findet die Bremerin dessen Malweise toll, zum Beispiel seine schrägen Vasen. Dabei habe es der Niederländer schwer gehabt und erst ganz zum Ende seines Lebens hin etwas verkauft.

Wenn Graue jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines an Bremens frühere Landesbeauftragte für Frauen, Ulrike Hauffe. „Um ihr zu danken, dass sie uns bei unseren Ausstellungen zum Weltfrauentag immer begleitet hat.“

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