„Verschwunden“: Der Aussichtsturm im Bürgerpark wurde 1962 abgerissen

Prachtbau mit Bögen und Balkonen

Der Aussichtsturm im Bürgerpark, gebaut nach einem Entwurf des Architekten Heinrich Müller (1819 bis 1890), ist 1962 abgerissen worden. - Foto: Archiv
+
Der Aussichtsturm im Bürgerpark.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Weit reichte der Blick, sehr weit. Bis nach Vegesack. Und das ist ja schon recht weit vom Bürgerpark entfernt, wo etwa auf Höhe der Emmastraße (Schwachhausen) einst ein Aussichtsturm gestanden hat. Längst sind Turm und Ausblick verschwunden – und damit heute Thema unserer gleichnamigen Serie.

Rechtzeitig zur Nordwestdeutschen Industrie- und Gewerbeausstellung – einer so prunkvoll-pompösen wie repräsentativen Leistungsschau im Jahr 1890 – sollte er stehen, der Aussichtsturm im Bürgerpark. Und so wurde er dort 1889 errichtet. Natürlich musste das auch bezahlt werden. Als Geldgeber fand sich der Unternehmer, „Petroleumkönig“ und Mäzen Franz Ernst Schütte (1836 bis 1911), der in jenen Jahrzehnten in Bremen so manches finanzierte (und bestimmte). Sein Einfluss reichte über den Bürgerpark bis zum Dom und zum Bau des Neues Rathauses.

Mit dem Entwurf des Aussichtsturms wurde ein Mann betraut, den

Der Aussichtsturm im Bürgerpark.

Schütte gut kannte – der Architekt Heinrich Müller (1819 bis 1890). Müller war – wie wenig später Johann Georg Poppe (1837 bis 1915) – ein Star-Architekt des Bürgertums. Er baute für das prosperierende und auch ein wenig repräsentationsversessene Bremen. Mal tendierte er zur Tudor-Gotik wie beim burgähnlichen Firmen- und Wohngebäude für den Weinhändler Ludwig von Kapff an der Weserbrücke – an dieser Stelle steht heute der Kühne-und-Nagel-Bau, der gerade abgerissen wird. Mal neigte Müller zur üppig verzierten Neorenaissance – wie beim Wohnhaus für Mäzen Schütte an der Kohlhökerstraße. Auch die wuchtige und eigentlich überdimensionierte „Neuen Börse“ am Marktplatz war ein Müller-Bauwerk.

Mit den Überresten der Alten Börse hatte man im Bürgerpark einen malerischen Hügel aufgeschüttet. Und auf eben diesem Hügel errichtete Müller seinen Aussichtsturm. 26 Meter ging es hoch bis zur Aussichtsplattform, weitere 15 Meter bis zur Fahnenspitze. Und es war natürlich nicht irgendein schlichter Turm. Es war ein Prachtbau mit Bögen, Balkonen und orientalischer Anmutung. Der Turm war eine Attraktion der Nordwestdeutschen Industrie- und Gewerbeausstellung. Und später ein beliebter Treffpunkt. Ein Treffpunkt, der auch den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise unbeschadet überstand.

Beim Rückzug der deutschen Soldaten aber wurde er beschädigt. Und nach Kriegsende verfiel er mehr und mehr. So sehr, dass schließlich entschieden wurde, ihn aufzugeben. Im März 1962 wurde der Turm gesprengt. Geblieben ist der Hügel. Dort legte der Bürgerparkverein in den 70er Jahren einen Spielplatz an.

Geblieben ist auch ein Aussichtspavillon ganz in der Nähe – im Stadtwald. Er war 1909 nach einem Entwurf des Münchener Architekten Gabriel von Seidl (1848 bis 1913), der auch das Neue Rathaus baute, errichtet worden. Nur eine Aussicht, die gibt es dort nicht mehr. Längst nämlich die Bäume zu groß. Und sie verstellen den Blick.

Der Aussichtspavillon im Stadtwald, 1909 gebaut von dem Architekten Gabriel von Seidl (1848 bis 1913).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Meistgelesene Artikel

Freimarkt in Bremen 2021 – diese Corona-Regeln gelten

Freimarkt in Bremen 2021 – diese Corona-Regeln gelten

Freimarkt in Bremen 2021 – diese Corona-Regeln gelten
Freimarkt Bremen: Anfahrt, Parken und die wichtigsten Fakten

Freimarkt Bremen: Anfahrt, Parken und die wichtigsten Fakten

Freimarkt Bremen: Anfahrt, Parken und die wichtigsten Fakten
Freimarkt in Bremen: „Endlich mal wieder raus“

Freimarkt in Bremen: „Endlich mal wieder raus“

Freimarkt in Bremen: „Endlich mal wieder raus“
Freimarkt Bremen ist eröffnet – die Karussells drehen sich

Freimarkt Bremen ist eröffnet – die Karussells drehen sich

Freimarkt Bremen ist eröffnet – die Karussells drehen sich

Kommentare