Ein Portal zur Prävention

Online-Plattform „keine-randnotiz.de“ dokumentiert rechte Gewalt im Land Bremen

Dokumentieren, geografisch einordnen: Auf der Homepage von „keine-randnotiz.de“ können Nutzer Vorfälle rechter Gewalt melden. Diese werden dann auf einer Landkarte (rechts) angezeigt.

Bremen - Von Steffen Koller. Zwei Beratungsstellen, ein Ziel: Die Organisationen „soliport“ und „Mobile Beratung pro aktiv gegen rechts“ haben am Mittwoch die Internetseite „keine-randnotiz.de“ ins Leben gerufen. Auf der Homepage ist es ab sofort möglich, rechtsextreme, rassistische und antisemitische Vorfälle zu melden und so einen Überblick über den gesellschaftlichen Zustand der Stadt zu erhalten um letztlich präventiv aktiv werden zu können, hieß es.

„Hitlergruß im Hauptbahnhof“, „Attacke bei Kundgebung“, „Im Schnoor geschlagen“, „Zerstörte Fenster“ – ein kurzer Blick auf das Portal zeige: „Die Kontinuität rechter Gewalt gerät häufig in Vergessenheit“, sagte Josef Borchardt von der Beratungsstelle „soliport“. Damit Vorfälle dieser Art nicht in Vergessenheit geraten und jeder Bürger jederzeit einen Überblick über diese habe, habe man das Portal geschaffen – „Monitoring“ laute hier das Schlagwort. 

Mehr als 100 Einträge seit Januar 2017 sind auf der Homepage verzeichnet. Sie speisen sich aus Polizei- und Medienberichten, aber auch aus Erfahrungsberichten, die die Beratungsstellen aus Bremen und Bremerhaven in persönlichen Gesprächen gesammelt haben, erklärte Max Wengel vom Projekt „Mobile Beratung pro aktiv gegen rechts“.

Der Ansatz, so Borchardt, sei in erster Linie „Hilfe zur Selbsthilfe“. Daher werden auf der Internetseite nicht nur Fälle von physischer Gewalt, sondern beispielsweise auch Beleidigungen, Sachbeschädigungen und rechte Parolen aufgelistet. Jeder Eintrag wird zusätzlich, so Wengel, mit geografischen Daten ergänzt. So könnten auch Muster oder Stadtteile erkennbar werden, in denen es gehäuft zu rechten Übergriffen komme, erläuterte Borchardt das System hinter „keine-randnotiz.de“.

Den Entwicklern der Plattform, die mit einem ersten Konzept vor etwa anderthalb Jahren begannen, gehe es um drei Aspekte: Dokumentation, Öffentlichkeit und Information, so Borchardt. Präventiv einzugreifen sei so besser möglich, ergänzte er. „Wir wollen nicht erst tätig werden, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Borchardt und Wengler sei klar, dass sie nicht jeden Fall rechter Übergriffe dokumentieren könnten, da auch die Dunkelziffer „generell hoch“ sei. Dennoch, so Wengler, ergänze das Portal die „häufig zu enge Polizei- und Behördenperspektive“, bei der beispielsweise „subtile Formen der Bedrohung“ nicht erfasst würden, da sie keine Straftat darstellten.

Die Entwickler der Homepage wehren sich gegen den Vorwurf, man würde rechten Gewalttätern so eine Plattform für ihre Taten bieten. Borchardt dazu: „Gewalt zu verschweigen, ist keine Alternative. Es kann nur gelöst werden, was offengelegt wird.“ Und was ist mit der Befürchtung, dass sich Linksradikale die Plattform zunutze machen könnten, um Gewalt mit Gewalt zu begegnen? Das könne man nicht beeinflussen, das sei nicht der Auftrag, die Aufklärung sei wichtiger.

Um auch die Arbeit der Beratungsstellen noch häufiger einfließen zu lassen, beschäftigt das Portal zur Zeit einen Mitarbeiter – den aber mit „wenigen Stunden“. Dieser sei hauptsächlich damit beschäftigt, Berichte, die nicht aus Polizeimeldungen stammen, auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Sollte an dieser Stelle weiterer Bedarf bestehen, wolle man „nachsteuern“, so Borchardt.

Das Web-Projekt, das zu 80 Prozent aus Bundesmitteln und zu 20 Prozent aus Mitteln des Landes Bremen finanziert wird, soll zunächst auf unbegrenzte Zeit fortgeführt werden. Max Wengler, seit mehreren Jahren mit Opfern rechter Gewalt in Kontakt, sagte dazu: „Rechte Gewalt ist kein Problem der Ränder. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es gibt sie überall.“

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