Reale Unfallbilder haben für Peter Walther keine abschreckende Wirkung / Schaulustige werden immer mehr zur Gefahr

Polizeipastor: Schockfotos aus der ersten Reihe belohnen Gaffer noch

Bremen - BREMEN (epd) · Schockfotos können nach Auffassung des Bremer Polizeipastors Peter Walther Passanten nicht davon abhalten, an der Unfallstelle zu gaffen statt zu helfen.

„Man belohnt Gaffer doch nur damit, wenn man ihnen authentische Fotos aus der allerersten Reihe vorlegt“, kritisierte der evangelische Theologe und Koordinator der örtlichen Notfallseelsorge. Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) hatte vorgeschlagen, Gaffer künftig mit Fotos besonders schwerer Unfälle zu schocken.

„Gelegenheit macht Gaffer“, bilanzierte Walther, der mit mehr als 25-jähriger Erfahrung Deutschlands dienstältester Polizeipastor ist. „Die Reality-Serien auf den Kommerzsendern haben die Sehgewohnheiten verändert. Dann noch live und in Farbe einen Unfall zu verfolgen – so eine Gelegenheit auszulassen, widerspricht offenbar der Sensationsgier vieler Menschen.“ Schockfotos und auch die Überlegung, sie könnten selbst als Opfer betroffen sein, würden sie nicht davon abbringen. „Genauso wenig wie der Text auf Zigarettenpackungen vom Rauchen abhält.“

Schaulustige gehören Walther zufolge bei Unfällen auf der Straße mittlerweile „zum Normalbild“. Es gebe sogar Menschen, die sich von den Rettungskräften in ihrer Sicht behindert fühlten und die kleineren Kinder nach vorne schickten. Rettungskräfte gingen öfter aktiv auf Gaffer zu, um sie zur Hilfe zu bewegen. „Das klappt mal mehr, mal weniger gut.“

Ausgelöst wurde die Diskussion durch einen Unfall auf der A1 bei Hamburg. Die Einsatzleiter der Feuerwehr hatten umstehende Schaulustige vergeblich darum gebeten, bei der Rettung einer jungen Frau zu helfen. Sie erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Wenig überzeugt von der Wirkung schockierender Fotos ist auch der Berufsverband Rettungsdienst (DBRD), der auf die Möglichkeit verweist, Gaffer wegen unterlassener Hilfeleistung zu verfolgen. Das Thema wird möglicherweise Anfang Dezember auch auf der Innenministerkonferenz in Bremen zur Sprache kommen.

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kirche-bremen.de

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