Sechs Haupttäter in Haft

Polizei zerschlägt Drogenring

Bremen - Von Jörg Esser. Bremer Polizei und Staatsanwaltschaft haben einen Drogenring zerschlagen. In acht Monate langer verdeckter Ermittlungsarbeit sei es der Sonderkommission „Honigtopf“ mit hohem Personaleinsatz gelungen, die Strukturen des Drogenhandels aufzuhellen, sagte am Dienstag der Leiter des Landeskriminalamtes, Daniel Heinke.

Sechs Haupttäter im Alter von 19 bis 38 Jahren sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Der Drogenhandel im Viertel und am Hauptbahnhof sei in Händen der „Fulla“, eines Volksstamms aus dem westafrikanischen Guinea.

Drogen Wert von mehr als einer Millionen Euro

Bei Razzien am Hauptbahnhof und im Viertel seien an zwei Wochenenden und zuletzt am Montagabend 270 Polizeikräfte aus Bremen und Niedersachsen im Einsatz gewesen, sagte Andree Lehmann, Leiter der Kripo-Abteilung Strukturdelikte. 19 Objekte in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen seien durchsucht, 14 Personen festgenommen worden. Bei den Durchsuchungen wurden etwa 4,5 Kilo hochwertiges Kokain, 1,2 Kilo Heroin und 7,5 Kilo Marihuana sichergestellt. 

Der Straßenverkaufswert der Drogen liegt laut Lehmann bei mehr als einer Million Euro. Zudem seien 80.000 Euro und weitere Beweismittel beschlagnahmt worden. Laut Oberstaatsanwalt Frank Passade sind Ermittlungen gegen 15 Tatverdächtige eingeleitet worden. Sechs Männer sitzen in U-Haft, Asylbewerber aus Guinea, die zum Teil mit falschen Visa und falschen Pässen nach Deutschland eingeschleust wurden. Ihnen drohen laut Passade mehrjährige Haftstrafen.

Bis zu 50 Drogenverkäufer

Polizei-Vizepräsident Dirk Fasse sprach von einem „großen Erfolg“. Und von einem „Mehrwert des Ergebnisses“. Schließlich sei es gelungen, Strategien der Drogenhändler aufzudecken. „Wir standen vor einer Art Black Box“, sagte Lehmann. Und die galt es aufzuhellen. In verdeckten Ermittlungen wurden die Geldflüsse und die Logistik des Händlerrings ausgekundschaftet. „Es ging darum zu erfahren, wer Einkäufer ist und wer Verkäufer.“ Sichtbar seien dabei zunächst jeweils bis zu 50 Drogenverkäufer im Steintor und am Hauptbahnhof. Doch am Deal mit den Betäubungsmitteln verdienen auch etliche Hintermänner. Für die Haupttäter springen 1.000 bis 3.000 Euro pro Monat heraus, sagte Lehmann. „Das Geld wird dann in die Heimat geschickt.“

Lehmann weiter: „Die Straßenhändler versorgen ihre Familien in Guinea.“ Sie werden zum Teil ebendort regelrecht angeworben und dann nach Deutschland geschickt. „Die Leute haben in der Regel kein Drogenproblem.“ Bei den „Fulla“ seien Drogen eher verpönt. Der Stamm gilt als hierarchisch und patriarchalisch organisiert. „Man hört auf seine Granden“, so Lehmann.

Einstieg in der Dealerkarriere

Sind die jungen Männer erst einmal in Deutschland gelandet, werden sie hier zu Verkäufern und Händler regelrecht ausgebildet. „Sie laufen zunächst einmal ein halbes Jahr mit“, so Lehmann. Die „Nachwuchs-Dealer“ lernten so Gesichter, Fahrzeuge und auch Verhaltensweisen der Zivilpolizisten kennen. Dann beginnt mit dem Verkauf von Kleinstmengen der Einstieg in der Dealerkarriere. „Wir sind in vier Hierarchieebenen hineingekommen“, sagte Lehmann. Dabei seien unter anderem Erkenntnisse über „Alarmsysteme“ gesammelt worden, die in Gang gesetzt werden, wenn das Fahrzeug eines Zivilfahnders entdeckt wird. Und es sei klar, dass es in Bremen „Territorialstrukturen“ gebe. Eine Gruppe agiert am Hauptbahnhof, eine andere im Viertel.

Lehmann resümierte: „Wir haben die BTM-Gemeinde extrem verunsichert.“ Den Dealern sei gezeigt worden, „dass sich das Geschäft in Bremen nicht lohnt“. Polizei-Vize Fasse kündigte für die Zukunft eine „rationale Bekämpfung der Drogenkriminalität“ und „konsequentes Einschreiten“ an.

Lesen Sie auch:

Internationale Drogen-Bande aufgeflogen

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema:

Dramatischer Appell aus Paris: Gnade für Aleppo

Dramatischer Appell aus Paris: Gnade für Aleppo

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Fünf Tote bei Zug-Inferno in Bulgarien

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Tanks explodiert: Fünf Tote bei Zug-Inferno

Verdener Weihnachtszauber

Verdener Weihnachtszauber

Meistgelesene Artikel

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Dreimal Bewährung, einmal Haft

Dreimal Bewährung, einmal Haft

Vermieter: „Wollte Eulenbruch nie loswerden“

Vermieter: „Wollte Eulenbruch nie loswerden“

Kommentare