Polizei führt verstärkt Abstandsmessungen durch

„Es klickt am laufenden Band“

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Tatort Autobahn: Die meisten Fahrzeuge sind mit Tempo 120 unterwegs. Sie müssten mindestens 60 Meter Abstand halten...

Bremen - Der Unfall Anfang Oktober auf der Autobahn 1 bei Sittensen. Ein Lkw-Fahrer schleudert mit seinem Fahrzeug nach einem überraschenden Fahrbahnwechsel in einen Pkw, fix bildet sich ein Stau, gleich zwei weitere Male kracht es, weil Autofahrer nicht rechtzeitig bremsen.

Die Rettungsdienste bergen mehrere Verletzte, der Schaden liegt bei mehr als 100.000 Euro. Und die Ursache? Vordergründig natürlich Unaufmerksamkeit, vielleicht auch noch unangepasstes Tempo. So steht es meist in den Unfall-Berichten, in denen immer nur eine Ursache angegeben wird. Aber bei genauerem Hinsehen ist es oft etwas ganz anderes, ein Fehler, den Autofahrer häufig als Kavaliersdelikt betrachten. Zu geringer Abstand. „Das ist eine der Hauptunfall-Ursachen,“ sagt beispielsweise Ulf Cassens von der Polizei Verden, in deren Einzugsbereich die Autobahn 27 zwischen Walsroder Dreieck und Bremer Kreuz fällt.

Grund genug für die Polizei Bremen und Verden massiv gegen diese Art des Verstoßes vorzugehen. „In den Monaten Juni und Juli haben wir auf das Thema Ablenkung und Unaufmerksamkeit und den oftmals daraus resultierenden Abstandsunfällen unseren Schwerpunkt in der Unfallvorbeuge gelegt,“ sagt Franka Haedke von der Polizei Bremen. Intensiv wurden Abstandsmessungen auf der A1 zwischen Hemelingen und Mahndorf sowie auf der A27 zwischen Sebaldsbrück und Ritterhude durchgeführt.

Die Polizei Verden und mit ihr die Autobahnpolizei Langwedel stellte erst vor anderthalb Jahren ein Abstandsmessgerät in Dienst. Die kamera-ähnliche Technik wird seither immer mal wieder auf einer Brücke bei Langwedel in Position gebracht, wo sie in Fahrtrichtung Bremen genauso aufgestellt werden kann, wie in Fahrtrichtung Walsrode. Das Ergebnis fällt überraschend aus. „Es klickt nur so“, sagt Cassens. Allein im vergangenen Jahr löste das Gerät 2723 Anzeigen aus, in diesem Jahr steht es, Stand Mitte Oktober, bei 2600. Nicht unwahrscheinlich, dass die 3000-er Marke bis Silvester fällt.

Dabei ist es im Grunde einfach, Geldbußen von hundert und mehr Euro und Punkte in Flensburg zu vermeiden. Halber Tachostand in Metern – und schon geht der Autofahrer auf Nummer sicher. Er ist nicht mal auf seine Schätz-Fähigkeiten angewiesen. Die Leitpfähle am Fahrbahnrand stehen 50 Meter auseinander. Hinzu gesellt sich allerdings das subjektive Empfinden. Und das macht es schwierig. „Wer mit Tempo 140 unterwegs ist, der braucht 70 Meter, das ist eine ordentliche Lücke.“

Der Kampf gegen die Mini-Abstände macht Sinn. „Dieses Delikt belegt Rang zwei bei den Unfall-Ursachen,“ stellt der ADAC in einer Studie fest. „Das bedeutet, dass die schweren Pkw-Unfälle häufig, mit sieben Prozent nämlich, durch zu dichtes Auffahren verursacht werden.“ Bei den Unfällen mit Lastwagen ist es sogar die Unfallursache Nummer eins. Und bei den Transportern liegt der Abstandsverstoß nahezu gleichauf mit unangepasster Geschwindigkeit.

Entwicklungen, die sich mit den Erfahrungen vor Ort decken. „Natürlich hängt die Einhaltung des Mindestabstands von einer Reihe Faktoren ab, von Verkehrsdichte, von Anzahl der Fahrstreifen und vom Tag der Messung,“ sagt Franka Haedke, „aber durch die zunehmende Verkehrsbelastung nehmen auch die Abstandsverstöße und die teilweise daraus resultierenden schweren Unfälle zu.“ Generell könne man sagen, dass es auf der A1 im dreispurigen Bereich wegen des starken Lkw-Verkehrs häufiger zu Abstandsverstößen von Lastwagenfahrern kommt, als von Autofahrern. Auf der A 27 sei das Verhältnis umgekehrt, hier überwiegen die Autofahrer-Verstöße.

Doch selbst wenn Autofahrer den ausreichenden Abstand einhalten, laufen sie Gefahr, dass sie eben doch in die Fänge der Messgeräte geraten. Dann nämlich, wenn auf mehrspurigen Strecken der Verkehr von links oder rechts in die Lücken prescht, in die als üppig eingestuften Lücken. Und dann? „Natürlich keine Vollbremsung,“ sagt Frank Haedke, „stattdessen die Geschwindigkeit behutsam verringern und dabei den rückwärtigen Verkehr im Auge behalten.“

Sollte dennoch die Kamera im ungünstigen Moment auslösen, gibt Ulf Cassens Entwarnung. „Ein Video läuft nebenher. Damit können solche Diskussionsfälle schnell geklärt werden.“ kra

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